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Im dunkelsten Moment das Versprechen gegeben

Über die Initialzündung seines Sportprojektes — NN–Leser laden zum Training ein - 23.08.2018 10:38 Uhr

Patrick Schroll bei einer schweißtreibenden Trainingseinheit auf der Sportinsel. © Schroll


Die Tage und Wochen, die nach dem Sturz aus zehn Metern Höhe folgten, sie waren mein erster Marathonlauf, auf den ich mich nicht vorbereiten konnte. Es war eine kräftezehrende, nervenaufreibende Strecke, die ich bewältigten musste. Stehen bleiben, aufgeben? Nicht möglich.

Doch mit dem Marathonlaufen war es nicht getan. Ich wollte am Ende nicht alleine durchs Ziel schreiten. Ob es mein Vater mit mir schaffen würde, stand nicht in meiner Macht. Er musste den Weg selber gehen, an sich glauben, sich durchbeißen, nicht nachgeben und alle Kräfte noch einmal zusammennehmen. Ganz so, wie er es auf seinen Lauf- und Marathonstrecken in den Jahren zuvor unter Beweis stellte.

Nach Fußball folgte Tennis, später das Laufen. Er hat immer davon geschwärmt, mich davon aber nie begeistern können. Obwohl er sich das sehnlichst gewünscht hätte. Keinen Schritt ging ich voran, als ich sie mit ihm noch hätte gehen können.

Auf dem Boden strampeln. Wie ein trotziges Kind.

Sein sportlicher Ehrgeiz war mein Ansatzpunkt, um ihn auf seine bevorstehende Strecke im Krankenbett zu motivieren. Mit einem Handschlag besiegelten wir unsere sportliche Vereinbarung.

"Wenn du diesen Marathonlauf durchstehst, dann laufe ich beim Fränkische Schweiz-Marathon mit." Er drückte meine Hand, das Versprechen und mein Vorhaben war geboren. Zehn Monate ist das jetzt her.

Den mentalen Marathonlauf haben wir beide überstanden und sind über die Ziellinie gelaufen. Das soll uns jetzt auch in freier Natur gelingen, am 2. September zwischen Ebermannstadt und Weilersbach. Die zehn Kilometer lange Strecke laufen wir gemeinsam. Und mein Vater, mit über 60 Jahren, macht mir immer noch etwas vor. Wenn er wollte, er würde mir davonlaufen und ich müsste mich geschlagen geben.

In den vergangenen Wochen haben wir begonnen, gemeinsam zu trainieren. Mit ihm habe ich meinen bisher schnellsten Lauf absolviert. Fünf Kilometer in einer Zeit von 5:51 Minuten pro Kilometer. Und das, obwohl ich an dem Tag zum ersten Mal keine Lust aufs Laufen hatte.

Das Warmlaufen, es hat sich gezogen wie Kaugummi, meine Waden fühlten sich steinhart an. Meine Stimmung im tiefsten Innern ähnelte der eines trotzigen Kindes, kurz davor, sich strampelnd auf den Boden zu werfen, um aller Welt deutlich zu zeigen: Bis hierher und nicht weiter. Ich habe keinen Bock mehr! Ich bleibe stehen!

Ehrliche Haut: Tour als "Qual" angekündigt

Der erzieherische Rat meines Vaters: "Lass uns einfach einen langsamen Lauf machen." Doch kaum hatten wir die fünf Kilometer-Übungsstrecke vor uns, hatte ich sprichwörtlich einen guten Lauf. Auf die Wettbewerbsdistanz hochgerechnet, wäre mein Ziel, unter einer Stunde zu bleiben, erreicht. Doch noch fehlen dafür die Kräfte, fehlt die letzte Reserve, die ich anzapfen müsste. Ein wenig Zeit bleibt ja noch für mein Training (siehe gelber Kasten).

Dazu gehört auch, das Angenehme mit dem Anstrengenden zu verbinden. In Kroatien — Sie erinnern sich? — war das mein Vorsatz, der aber kläglich scheiterte. Typischer Anfängerfehler!

Uwe Trendelenburg, Läufer und NN-Leser aus Forchheim, hat mich zu einer sieben Kilometer-Runde durch den Forchheimer Kellerwald eingeladen. Über Trampelpfade will er mich schicken, zwischendrin soll der Blick aufs Walberla für die Anstrengungen entlohnen. Dankenswerterweise ist er ehrlich und kündigt die Tour bereits als "Qual" an — dann kann ich mich schon mal seelisch darauf vorbereiten. "Denke an ein Ersatz T-Shirt für das verdiente Kellerbier danach", schreibt er.

Apropos schreiben: Danke für Ihre Zuschriften! Sie motivieren mich und es freut mich zu hören, dass Sie die Kolumne wiederum motiviert: Ein Leser aus Eggolsheim schöpfte daraus Mut und will sich nach vier Jahren verletzungsbedingter Pause für die zehn Kilometer-Distanz anmelden. Wir wollen am 2. September ein paar Meter gemeinsam laufen. So ziehen wir alle gemeinsam an einem Strang.

NN–Redakteur Patrick Schroll berichtet an dieser Stelle über die Vorbereitung zum Fränkische Schweiz-Marathon.

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