Sonntag, 18.11.2018

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In den Wässerwiesen fühlen sich die Störche wohl

Die Wiesen rund um Forchheim sind eine der Ursachen für eine intakte Umwelt — Wenn das Wasser kommt, rotieren die Maulwürfe - 11.07.2018 19:30 Uhr

Störche sind derzeit besonders gut zwischen Forchheim-Reuth und Weilersbach zu entdecken. © Foto: Ruth Reheuser


40 Störche auf engstem Raum – das seltene Naturschauspiel bietet sich derzeit auf der Wiese zwischen Weilersbach und Reuth. Was in den Etzwiesen in Landau, wo oft bis zu 500 Störche auf einer Wiese gesichtet werden, schon zum Touristenmagnet geworden ist, etabliert sich langsam auch in Forchheim.

Der LBV in der Kreisgruppe Forchheim liegt mit seiner Vermutung, dass eine Wiese geflutet wurde, richtig. "Es hängt mit dem Wässerwiesenprojekt zusammen", verrät Johannes Mohr, Fachbereichsleiter für ökologische Landkreisentwicklung am Landratsamt Forchheim.

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Seltenes Naturschauspiel: 40 Störche zwischen Weilersbach und Forchheim

Es klappert im Wiesenttal zwischen Reuth, Weilersbach und Kirchehrenbach heftig. Rund 40 Störche haben sich dort auf engstem Raum eingefunden.


Von Forchheim bis Ebermannstadt versucht man, die Bewässerungsanlagen zu erhalten oder stillgelegte Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen. Auch dort, wo sich nun die Störche mit Vergnügen tummeln, ist eine solche Anlage. Dort wurde nun der Schieber eines Wehrs zugemacht, damit sich das Wasser staut. So kann das Wasser überlaufen und auf die Wiese rieseln. Woher die Störche wissen, wo es gerade Wasser gibt, weiß man nicht. Aber: "Biologen haben nachgewiesen, dass Störche sogar ihre Flugroute ändern, um zum Wasser zu gelangen."

Die Störche picken sich dann ihre Nahrung vor allem für die Jungvögel aus dem Boden. Bevorzugt Regenwürmer. Sie fressen aber auch Mäuse oder Maulwürfe, seltener Frösche. Die Regenwürmer, Mäuse und Maulwürfe kommen aus der Erde hervor, wenn dort Wasser eindringt. Doch die Bewässerung der Wiesen ist nicht nur vorteilhaft für die Störche. "Auch die Landwirte brauchen die Störche", weiß Mohr. Aus dem selben Grund.

Mäuse- und Maulwurfplage verhindern

Die Bewässerung wurde früher angelegt, um sich dank der Störche der Mäuse- und Maulwurfplage zu entledigen. Wie weit das Wasser schon in den Wiesen ist, erkennen die Landwirte dann wiederum am Storch, der immer mit der voranschreitenden Wasserlinie läuft.

Positiver Nebeneffekt: "Wenn man die Wiesen flutet, reichert man das Grundwasser mit Wasser an", erklärt der Biologe. Gerade bei den immer häufigeren Trockenperioden sei das wichtig. Zudem sei sauberes Wasser in den Brunnen in Forchheim.

Nicht nur wichtiger Lebensraum und Brutrevier

In dem Förderantrag für das Wässerwiesenprojekt nennt Mohr noch weitere Vorteile, mit denen die Wichtigkeit der Wässerwiesen aufgezeigt werden und warum alte Anlagen wieder in Betrieb genommen werden sollten. Demzufolge sind die Wässerwiesen nicht nur wichtiger Lebensraum, sondern auch Nahrungshabitat und Brutrevier für eine Vielzahl von Organismen.

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"Für die Vogelwelt ist das durch die Bewässerung wechselfeuchte Grünland von besonderer Bedeutung, als Brutgebiet für gefährdete Wiesenbrüter wie den Wachtelkönig, als wichtiges Gebiet zur Nahrungssuche für Nahrungsgäste wie den Weißstorch und als wichtiger Rastplatz zu Zeiten des Vogelzuges", nennt Mohr Vorteile des Projekts.

Die Wässerwiesen werden von zahlreichen Insekten besiedelt, darunter vom Wiesenknopf-Ameisenbläuling, vom Storchschnabelbläuling und von der Sumpfschrecke. Und nun ist auch der Storch häufig zu sehen. "In Forchheim war er sonst im gesamten Tal verteilt, man hat nur vereinzelte Störche gesehen. Außer es hatten sich die Junggesellentrupps gebildet, um gemeinsam wegzufliegen", so der Biologe zu dem seltenen Naturschauspiel der "vielen Störche auf einem Haufen". 

PETRA MALBRICH

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