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Inmitten von Putten ganz Ohr für komplexe Klänge

Marienkapelle als ungewöhnlicher Spielort für Gitarrenkonzert - Henze-Oper vom «Däumling» im Duett gespielt - 18.07.2008

Christian Neubauer mit Carolin Jantschura an den Gitarren. © Udo Güldner


In Forchheim unterrichtet der Spross einer sehr musikalischen Familie im privaten Musikinstitut «git.art.M» bei seinem früheren Lehrmeister Michael Mauser. Gemeinsam mit seiner Studienkollegin Carolin Jantschura aus Biberbach bei Augsburg nimmt der angehende Musiklehrer die Zuhörer auf eine Zeitreise. Mit Stücken aus der Diplom-Prüfung an der Musikhochschule Nürnberg überzeugen die beiden, «die nur auf der Bühne ein Paar sind».

Rasante Läufe

Die Augen verweilen auf der üppigen Ausstattung der Kirche mit barocken Putten und viel Blattgold. Die Ohren sind zugleich mehrere tausend Kilometer weit entfernt. Sie lauschen dem «Mozart der Gitarre», Mauro Giuliani, dessen Grand ouverture zuerst ganz bescheiden tönt. Nur um dann in diffizile Virtuosität abzugleiten, die so rasant sein kann, dass Carolin Jantschura schon mal mit den Griffen so ihre liebe Mühe hat.

Eher lyrisch der volksmusikbehaftete Stil der Etude aus der Feder des Brasilianers Heitor Villa-Lobos. Christian Neubauer gelingt die kontrollierte Missstimmung und das pointierte Finale. Ein fesselnder Dialog beider Saiteninstrumente entspinnt sich an Hans Werner Henzes Kinderoper «Pollicino» (Däumling). «Ursprünglich für vier Gitarren gedacht, spielen wir ja nur zu zweit. Das ist logischerweise etwas schwieriger.» Zunächst klingt das Stück aus dem 20. Jahrhundert gar nicht modern, nur um im weiteren Verlauf sein wahres Gesicht der schräg klingenden Akkorde zu zeigen. Daneben fließt die Musik wunderbar und lässt stimmungsvolle Naturbilder im Kopf entstehen.

In Roberto Gerhards «Fantasie» liebkost Carolin Jantschura zärtlich ihre Gitarre. Dann wieder gleiten ihre Finger in Windeseile über die Saiten, legen Disharmonien bloß. Beide Musiker haben derweil keine Berührungsängste vor moderner Tonsprache, die mit spanisch-folkloristischen Einschlägen ringt. Bis tief in die Verästelungen der Partitur führt das Gitarren-Duo ihr Spiel. Besonders ergreifend die leisen, fast zur Stille führenden Töne in Carlo Domeniconis «Koyunbaba». Um das türkische Hirtenlied adäquat intonieren zu können, wechselt Christian Neubauer auf eine anders gestimmte Gitarre. Auf dieser huschen die Finger in den anspruchsvollen Passagen unter seinem wachen Auge traumwandlerisch sicher über das Instrument.

Unbekannter Bach-Freund

Ist die «Passacaglia» des unbekannten Bach-Freundes Silvius Leopold Weiß eher innig und weniger barock-ausschweifend, so klingt Manuel de Fallas Beerdigungsstück für seinen Freund Claude Debussy kaum traurig, sondern eher ernst.

Nach so vielen Überraschungen gibt es am Ende dann doch noch das Erwartete: ein spanisches Gitarrenstück mit rassigem Schluss. UDO GÜLDNER 

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