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Isabel Abedi las im Herder Gymnasium Forchheim

Schülerinnen eines P-Seminars hatten Auftritt organisiert — „Die längste Nacht“ begleitet Jugendliche auf der Suche - 05.12.2016 06:00 Uhr

Isabel Abedi in der Aula des Herder-Gymnasiums. Über den Ausgang ihres jüngsten Romans bewahrte sie eisernes Stillschweigen. Aber Autogramme gab sie mit sichtlichem Vergnügen. © Foto: Udo Güldner


Es ist schon über drei Jahrzehnte her. Da traf Isabel Abedi als Grundschülerin ihre Nachbarin. Wie aus dem Nichts begann sie, von einer frei erfundenen Zwillingsschwester zu erzählen, die aber ganz anders als sie selbst sei. Völlig fasziniert von dieser Vorstellung modellierte sie eine Figur, in deren Rolle sie einige Tage später sogar schlüpfte. Als die Nachbarin die Illusion nicht durchschaute, war die Karriere als Wortsetzerin vorgezeichnet.

Freilich mit dem Umweg über die Filmproduktion und 13 lange und ermüdende Jahre in der Werbebranche. Die Arbeit habe sie wahnsinnig gemacht. Schon das erste Jugendbuch „Imago“ sorgte dafür, dass Isabel Abedi sich als Schriftstellerin befreien konnte.

Nun hat es fast sieben Jahre gedauert, bis Abedi „Die längste Nacht“ vorgelegt hat, weil sie noch den letzten ihrer so erfolgreichen Lola-Romane einschieben musste. Entstanden ist das Buch in Hamburg, im toskanischen Chiusdino und in einem Künstlerhaus im französischen Labastide Esparbairenque. Die erste Hälfte plante sie akribisch Kapitel für Kapitel. Ganz wie eine Spinne ihr feines Netz webe. Danach tastete sie sich spontan weiter und ließ sich von der Idee treiben.

In Italien hängen geblieben

Die Protagonisten Vita, Trixie und Danilo reisen kurz nach dem Abitur durch halb Europa. Wie einst die Autorin auch, die freilich auch den Sprung über den großen Teich gewagt und sich zweieinhalb Jahre in Kalifornien und Oregon aufgehalten hatte. Das abenteuerlustige Trio im Alter der gefesselt zuhörenden Gymnasiasten bleibt allerdings in Italien, genauer in der Toskana, hängen. Aus dem anfänglichen Road-Movie wird eine Romanze, die wie ihr ebenfalls jenseits der Alpen spielendes Vorbild „Romeo und Julia“ tragisch verläuft. Dort beginnt eine Liebesgeschichte zwischen Vita und Luca.

Der liest die philosophischen Werke Nietzsches und balanciert als Seiltänzer nicht nur buchstäblich über dem Abgrund. Einer, der keine Angst vor dem Tod hat, aber vor dem Leben. Es kommt, wie es kommen muss. Eine tragische Vergangenheit, ein gut gehütetes Familiengeheimnis, überschattet das junge, wildromantische Glück.

„Die Dichter sind gegen ihre Erlebnisse schamlos; sie beuten sie aus“, wie Nietzsche formulierte. Die wesentlichen Dinge des Buches las Isabel Abedi nicht vor. Auch bei der Diskussion wahrte sie eisernes Schweigen, wie es nach den von ihr vorgetragenen Seiten weitergeht.

Wer es wissen will, der braucht für den 400-Seiten-Schmöker mindestens eine Nacht. Dass es nicht „Die längste Nacht“ wird, dafür sorgt die spannende Lektüre. 

UDO GÜLDNER

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