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Ist der Zug im Forchheimer Stadtnorden abgefahren?

Die Zeit drängt für einen S-Bahn-Halt - 22.10.2012 10:58 Uhr

Ein S-Bahn-Halt im Forchheimer Norden, etwa hier am Ende der Jean-Paul-Straße, wäre notwendig. © Ralf Rödel


Die Kommunalpolitik betrachtet es geradezu als Schildbürgerstreich, würde das S-Bahn-Gleis im Zuge des Streckenausbaus nicht bis zum Schulzentrum im Norden durchgezogen. Seit vielen Jahren steht dieses Thema auf der städtischen Wunschliste im Zusammenhang mit der ICE-Strecke ganz oben. Laut DB soll 2016 in Forchheim losgelegt werden.

Doch, oh Wunder, auf der Liste der Bahn-Planer steht der Haltepunkt nicht: „Wir laufen aber auch nicht blind durch die Gegend“, betont dazu der Planer Thomas Sulzer in Nürnberg, zuständiger Teamleiter für den Abschnitt Forchheim.

Kostenabschätzung errechnet

Die DB Projektbau GmbH hat sogar schon eine Planskizze und eine grobe Kostenabschätzung für den S-Bahn-Halt erarbeitet, so Sulzer. Vorgelegt wurde beides der Bayerischen Eisenbahngesellschaft BEG, die im Auftrag des FDP-geführten Wirtschaftsministeriums bei der Bahn Verkehrs- und Infrastrukturmaßnahmen bestellt. Von der BEG erhielten die Projektplaner laut Sulzer die Auskunft: „Der Bahn-Halt in Forchheim-Nord ist nicht einzuplanen.“

Merkwürdig. Hatte doch sogar der Bayerische Landtag am 12. Juli 2011 einstimmig folgenden, von der Fraktion der Freien Wähler eingebrachten Dringlichkeitsantrag beschlossen:

„Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, die bautechnische Option für den S-Bahn-Haltepunkt Forchheim-Nord im Zusammenhang mit den beginnenden Planungen für die Ausbaustrecke Forchheim–Ebensfeld offen zu halten und hierzu mit der DB AG Gespräche zu führen mit dem Ziel, den S-Bahn-Halt Forchheim-Nord mit dem viergleisigen Ausbau der Strecke zu realisieren.“

Das Wirtschaftsministerium bestätigt auf Anfrage der NN, mit der Bahn das Thema erörtert zu haben. Hier nimmt die Sache eine weitere kuriose Wendung. Denn nach Angaben einer Ministeriums-Sprecherin war es gerade die Deutsche Bahn, die davon abriet, den Halt in Forchheim-Nord jetzt schon einzuplanen.

Begründung: Eine „optionale Berücksichtigung“ des Haltepunktes im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens könne zu „rechtlichen Problemen bei der Planrechtfertigung“ führen. Daher habe die Bahn vorgeschlagen, „die Planfeststellung zum viergleisigen Ausbau zunächst ohne den Haltepunkt einzuleiten.“

Es genüge, den Planfeststellungsbeschluss „gegebenenfalls bis 2016“ nachträglich abzuändern, um die baulichen Voraussetzungen für den Haltepunkt „rechtzeitig vor Beginn des Streckenausbaus sicherzustellen.“ Mit dem Baubeginn rechnet das Ministerium, anders als die Bahn, „frühestens in den Jahren nach 2017.“

"Sachgerechtes" Vorgehen

Dieses von der Bahn vorgeschlagene Verfahren ist aus Sicht des Ministeriums „sachgerecht: Der Freistaat und die Vertreter der Region sollten sich im Nachgang zum Planfeststellungsbeschluss, der für 2014 erwartet wird, auf der Grundlage der dann vorhandenen Prognosedaten abschließend über die Bestellung des Haltepunktes Forchheim-Nord verständigen.“

Die Bestellung eines S-Bahn-Haltes zum jetzigen Zeitpunkt sei also noch gar nicht nötig, meint das Ministeriums. Im Übrigen enthalte ja auch der Landtagsbeschluss „keine Aufforderung an die Staatsregierung, bereits jetzt einen neuen Haltepunkt Forchheim-Nord zu bestellen“. Überhaupt müsse zu einem späteren Zeitpunkt erst noch geprüft werden, ob der S-Bahn-Halt wirklich die kritische Masse an Fahrgästen (1000 Ein- und Aussteiger täglich) erreicht.

Stumpf grantig

OB Stumpf wird, wenn er dies hört, vergleichsweise sehr grantig. Er rechnet neben den Schülern von Adalbert-Stifter-, Real-, Berufs- und Fachoberschule sowie Pestalozzi-Förderzentrum auch die Einwohner von Forchheim-Nord und der Lichteneiche zu den potenziellen Fahrgästen und kommt zu einem bitteren Fazit: „Ich möchte wissen, ob man in Oberbayern an einer Gemeinde mit 8000 Einwohnern vorbei eine S-Bahn bauen würde.“ Aus Oberbayern stammt der derzeitige bayerische Wirtschaftsminister.

Die DB Projektbau will jedenfalls noch in diesem Jahr ihre Unterlagen schließen und das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt, der Genehmigungsbehörde, einreichen.

Die Zeit drängt. OB Stumpf weiß: „Wenn der Bahn-Halt jetzt nicht eingeplant wird, heißt es später, er ist nicht nötig.“ Vorsichtshalber hat er das Thema in eine Resolution der „Wirtschaftsregion Bamberg/Forchheim“ eingebracht. Aber auch deren Votum nützt nichts, so lange sich Wirtschaftsministerium und BEG nicht mit Forchheim in denselben Zug setzen. 

VON ULRICH GRASER

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