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„Jazz-Y-Bon“ schenkt den Zuhörern wunderbare Momente

Jazzquintett steckte das Publikum mit seiner ungeheueren Spielfreude an - 04.02.2013 18:32 Uhr

Mit der regionalen Jazzformation „Jazz-Y-Bon“, zuletzt beim NN-Festival „Überall Musik“ in Forchheim zu hören, hatte die Volkshochschule ein glückliches Händchen. Nicht nur, weil die Gereonskapelle ausverkauft war, sondern auch, weil das Quintett mit Jazz, Blues und Latin solange das Publikum begeisterte, bis dem Ensemble die Zugaben ausgingen.

„Jazz-Y-Bon“ verschaffte dem Publikum in St. Gereon einen unvergesslichen Abend: Dafür sorgten Thomas Schweida (Piano), Andreas Tonke (Bass), Eva Maria Betzmeir (Gesang) und Thomas Saam (Schlagzeug).
„Jazz-Y-Bon“ verschaffte dem Publikum in St. Gereon einen unvergesslichen Abend: Dafür sorgten Thomas Schweida (Piano), Andreas Tonke (Bass), Eva Maria Betzmeir (Gesang) und Thomas Saam (Schlagzeug).
Foto: Udo Güldner
„Jazz-Y-Bon“ verschaffte dem Publikum in St. Gereon einen unvergesslichen Abend: Dafür sorgten Thomas Schweida (Piano), Andreas Tonke (Bass), Eva Maria Betzmeir (Gesang) und Thomas Saam (Schlagzeug).
„Jazz-Y-Bon“ verschaffte dem Publikum in St. Gereon einen unvergesslichen Abend: Dafür sorgten Thomas Schweida (Piano), Andreas Tonke (Bass), Eva Maria Betzmeir (Gesang) und Thomas Saam (Schlagzeug).
Foto: Udo Güldner

So wie die Blumen das Wasser brauchen, so brauchen die Menschen die Liebe. Sobald Antonio Carlos Jobim aus derartigen Sätzen eine Bossa Nova zaubert, bekommen selbst einfache Wahrheiten einen gewissen Glanz.

Mit ansteckender, doch nicht ungesunder Spielfreude infizieren „Jazz-Y-Bon“ die Gehörgänge zahlloser Zuhörer. Auch dank einer fabelhaften Akustik im ehemaligen Gotteshaus, die den minimalistischen Blue Notes weit entgegenkommt.

Präzises Saitenspiel

Den poetischen Qualitäten fügt Gitarrist Herbert Sohmer (Bamberg) ein ums andere Mal dynamische hinzu. Der Grafikdesigner sorgt mit seiner präzisen Saitenbehandlung dafür, dass John Coltranes Bebop tanzt, dass Diana Kralls „Look of Love“ sanft pulsiert. Ganz zu schweigen vom verträumten und traumhaften „Just the two of us“. Große Emotionalität ebenso wie intellektuelle Nuancen entströmen den Instrumenten. Sei es in Joseph Kosmas herbstlicher Laub-Ballade „Autumn Leaves“. Sei es in Henry Mancinis traumhaft schöner Filmmusik „Days of Wine and Roses“.

Als Meister der Synkope erweist sich Pianist Thomas Schweida (Ebermannstadt), der den jazzigen Balladen die richtige Stimmung und den Latin-Stücken den rechten Drive verleiht. Ohne seine wunderbar lebendig tastenden Intermezzi hätte B. B. King unmöglich so einen Blues erlitten. Denkt man sich als Zuhörer, während die Füße nicht ruhig bleiben können. Selbst dem Schlagzeuger Thomas Saam (Heroldsbach) bleibt Raum für Improvisation. Mit leichter Hand malt er die rhythmische Kulisse für die pointierten Arrangements.

Vieles vom Konzert, seinen Kollegen und den Zuhörern sieht Bassist Andreas Tonke (Eggolsheim) nicht. Mit geschlossenen Augen erspürt er den Herzschlag der Musik, das Feuer, die Intensität der Gefühle. Dabei liefert er sich einen munteren Dialog mit der weiblichen Stimme, die aus einem Instrumental-Quartett eine Dame mit besonderer Begleitung macht. Manchmal wünscht man sich allerdings etwas mehr stimmliche Fülle bei Frontfrau Eva-Maria Betzmeir (aus Münchsteinach bei Neustadt/Aisch), oder ein etwas wärmeres Timbre, das den einen oder anderen Jazz-Standard einfach unwiderstehlich werden ließe.  Dann wieder überrascht die „Lady in Red“ mit lyrischen Pretiosen, in denen sie am liebsten mit ihrem Liebsten zum Mond flöge.

Oder wandelt auf den vokalen Spuren der elektrisierenden Ella Fitzgerald, deren Qualität die Bürokauffrau freilich nicht erreicht. Aber Gloria Gaynors Überlebenszeichen („I will survive“) weiß Eva-Maria Betzmeir farbenprächtig zu interpretieren und damit dem Original einen neuen Aspekt abzugewinnen. Herzerfrischend, gehörschmeichelnd, handerwärmend. Sehr selten darf der Blues seine immanente Depressivität hemmungslos ausleben, dürfen sich Einsamkeit und Schmerz die Klinke in die Hand geben.

So wie im selten zu hörenden „My Melancholy Blues“ der Pop-Ikone Queen. Als die „Stolen Moments“ des legendären Miles Davis verklungen sind, hat keiner der Zuhörer das Gefühl, „Jazz-Y-Bon“ habe ihm Zeit gestohlen. Vielmehr haben die vier Männer und eine Frau dem Publikum unerhörte Momente geschenkt. Während die Sängerin noch Norah Jones´ „Don´t know why“ ins Mikrophon haucht, weiß das Publikum längst, warum es zu „Jazz-Y-Bon“ gekommen und fast drei Stunden geblieben ist. 

UDO GÜLDNER


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