Mittwoch, 14.11.2018

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Jedes Baby bringt dem Landkreis Forchheim 40 Euro

Gesundheitsministerium startet Geburtshilfe-Förderprogramm - 08.11.2018 15:57 Uhr

In der Geburtshilfestation des Klinikums Forchheim kommen jährlich etwa 700 Babys auf die Welt. Doch nicht alle Frauen, die es sich wünschen, erhalten eine Hebamme. Der Mangel an Hebammen ist ein bundesweites Problem. © Roland Huber


"Auch bei uns können nach erster Abschätzung die Personalkosten für Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern nicht mit den Erlösen im Bereich der Geburtshilfe gedeckt werden", sagt Krankenhausdirektor Sven Oelkers. Einen konkreten Betrag dieser Unterdeckung kann er allerdings nicht nennen. Weil "wir uns im Zuge des Förderprogramms jetzt erst einmal über die entsprechende Berechnungsformel informieren müssen", so Oelkers. Dafür stehen noch Gespräche mit der Regierung von Oberfranken an.

Denn es ist recht kompliziert, die Sache mit dem Forchheimer Krankenhaus und dem neuen Förderprogramm des Freistaats: Für Unklarheiten hat zunächst der untypische Verwaltungsstatus des Klinikums Forchheim gesorgt. Empfänger der Förderung können nur Landkreise und kreisfreie Städte sein. Träger des Klinikums sind aber die historisch gewachsenen Vereinigten Pfründnerstiftungen Forchheim, sie werden, gleich einer städtischen Tochter, von der Stadt verwaltet.

Das heißt auch, dass weder Stadt noch Pfründnerstiftungen den Geburtshilfe-Förderantrag stellen dürfen — obwohl von den zwei Krankenhäusern im Landkreis nur das Klinikum Forchheim eine Geburtshilfestation hat. Etwa 700 Babys kommen hier jährlich auf die Welt.

"Zuschussberechtigt ist bei uns eben der Landkreis, weil der laut Gesetz auch für die Krankenversorgung zuständig ist", sagt Kathrin Schürr, Sprecherin des Landratsamtes. Bei einer Förderquote von 85 Prozent hat also der Kreis die restlichen 15 Prozent des Defizits der Geburtshilfe zu übernehmen. "Deswegen musste der Förderantrag in der letzten Kreisausschuss-Sitzung beschlossen werden", so Schürr. Das ist einstimmig geschehen, damit der Landkreis sowohl im laufenden als auch in den Folgejahren am Förderprogramm teilnehmen kann.

Bessere Versorgung

Und dann wäre da noch die andere Säule des Förderprogramms, die bereits Ende September gestartet ist: Bis zu 40 Euro sollen die Kreise beziehungsweise kreisfreien Städte für jedes neugeborene Kind erhalten — um mit diesem Geld "geeignete Maßnahmen zur Verbesserung und Stärkung der Hebammenversorgung in Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung" zu finanzieren, heißt es in einer Mitteilung der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

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"Auch daran werden wir uns beteiligen, denn der Landkreis trägt gesetzlich die Verantwortung für die Hebammenhilfe", sagt Kathrin Schürr. Allerdings: Nicht alle Frauen, die es sich wünschen, erhalten eine Hebamme — wie berichtet, ist der Mangel an Hebammen ein bundesweites Problem. Gemessen an der Zahl der Geburten (2017 waren es 1082), bräuchte der Landkreis Forchheim eigentlich doppelt so viele niedergelassene Hebammen wie die aktuell gemeldeten 16.

Viele Unsicherheiten

Die Gründe hierfür sind vielfältig, wie die Geschäftsstellenleiterin der im Landratsamt angesiedelten "GesundheitsregionPlus", Bärbel Matiaske, erklärt: "Der Beruf hat unter der Diskussion über die extrem hohen Haftpflicht-Prämien gelitten", so Matiaske.  "Auch gibt es immer weniger Hausgeburten, der Beruf der Hebamme ist außerhalb von Krankenhäusern immer weniger präsent."

Es komme zudem vor, dass Schwangere anrufen, eine Zusage bekommen, aber dann wieder unvermittelt absagen. "Das kostet unsere Hebammen viel Zeit und Aufwand", sagt Kathrin Schürr. Vor allem, wie Bärbel Matiaske hinzufügt, wenn man bedenke, dass sich Hebammen oft noch um den eigenen Nachwuchs kümmern müssen. "Wir haben bei uns im Landkreis relativ viele Hebammen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, die können nicht in Vollzeit arbeiten, weil sie selber kleine Kinder haben."

Digitales Hebammen-Portal

Um nun ins Förderprogramm mitaufgenommen zu werden und die Hebammenversorgung im Landkreis zu stärken, hat Matiaske ein zuschussfähiges Projekt konzipiert – nämlich ein digitales Vermittlungsportal für die Hebammen-Versorgung. Damit könnten werdende Mütter ihre Hebammen-Anfrage digital, beispielsweise über ihr Smartphone, stellen, ihren Wohnort, den Geburtstermin und den gewünschten Umfang ihrer Betreuung angeben. Die Hebammen erhalten diese Anfrage, gleichen die Angaben mit ihren Terminkalendern ab und können dann über das Portal ihre Zusage erteilen. All das soll für eine bessere Vernetzung und effizientere Betreuung sorgen. Starten soll das Portal im kommenden Jahr.

Rein rechnerisch würden für die Finanzierung dieser Idee im Rahmen des Förderprogramms also 1082 Mal 40 Euro, sprich bis zu 43 280 Euro, möglich sein. 

PHILIPP ROTHENBACHER

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