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In seiner Eigenschaft als Gemeinderat hat Konrad Schmidt schon oft am grünen Tisch im Rathaus mit dem von Kurt Tauber initiierten Kameramuseum in Plech zu tun gehabt. Ging es doch wiederholt um die Modalitäten für die Überlassung von Räumen im Schulhaus, die durch den Umzug bisheriger Plecher Klassen nach Betzenstein frei werden. Jetzt nutzte der Kommunalpolitiker den ersten "Tag der offenen Tür" im Kameramuseum, um sich ein Bild von der Sammlung zu machen. Konrad Schmidt, begleitet von Tochter Julia, war mindestens ebenso überrascht wie alle anderen Besucher: Diese riesige Vielfalt an Exponaten, diesmal nur provisorisch auf Tischen präsentiert, hatte niemand erwartet.
Wenn dann Kurt Tauber auf die noch nicht ausgepackten Kisten und Kartons im Hintergrund wies und in ein paar Stichworten ihren Inhalt beschrieb, bekam der Laie einen Eindruck von der Menge Arbeit, die die Truppe um Tauber noch erledigen muss, aber auch vom künftigen Angebot des Kameramuseums. Und aus Plecher Sicht ist eins sicher: Zumindest in Fachkreisen wird die Marktgemeinde bundesweit oft genannt werden. Das zeigt schon die Herkunft der Helfer, die Tauber beim "Tag der offenen Tür" zur Seite standen: Da ist Michael Werner aus Bergisch-Gladbach, der das Kameramuseum von Anfang an begleitet und mittlerweile über 30.000 Seiten alter Gebrauchsanleitungen digital aufbereitet und ins Internet gestellt hat. Oder Andreas Pietrucha, geboren in Dresden und jetzt in Hof lebend. Sein Vater betrieb in der damaligen DDR einen feinoptischen Betrieb, der zum Beispiel Projektoren herstellte. Mikrolux-Produkte sind daher in Plech vertreten. Oder Johannes Engelmann, ein Sammler von Fotografika aller Art. Als allein 500 Fotoapparate die Wohnung des Rheinländers blockierten, zeigte ihm seine Frau die Rote Karte. Jetzt hat der 72-Jährige nur noch fünf Kameras daheim, die aber genutzt werden. Viele Geräte, dazu unzählige Fachbücher, Kataloge und Zeitschriften, hat er in drei Fuhren nach Plech transportiert. In den nächsten zwei Wochen hilft er Kurt Tauber beim Sortieren und Katalogisieren, seine Ehefrau erwandert derweil mit den Enkelkindern die Umgebung. Ähnliches praktizierte es ein Ehepaar aus Hersbruck: Er kam im Kameramuseum aus dem Fachsimpeln mit bislang wildfremden Hobbyfotografen nicht mehr heraus, die Gattin wollte sich die Zeit auf dem Trödelmarkt vertreiben. Und sie waren an diesem Tag nicht die einzigen auswärtigen Besucher. Kurt Tauber berichtet, dass die Sammlung noch vor der eigentlichen Eröffnung von Studenten und Profifotografen genutzt wird. Einige sind schon in Pegnitz oder Plech vorbeigekommen. Manche laden aus dem Internet alte Dokumente herunter oder sie melden sich mit gezielten Anfragen zu technischen Problemen. Kurt Tauber kann nicht alle diese Fragen selbst beantworten, doch er ist mittlerweile in der Fachgemeinde so gut vernetzt, dass er immer jemanden kennt, der jemanden kennt, der ...
Beneidet wird der Museumsmacher aus Pegnitz um das alte Mobiliar eines Fotogeschäfts im ostfriesischen Rhauderfehn, das ebenfalls sein Mitstreiter Michael Werner wieder auf Vordermann gebracht hat. Zusammen mit alten Werbe- und Dekorationsartikeln versetzt diese Umgebung die Besucher weit zurück ins analoge Zeitalter. Da betrachtete dann auch Konrad Schmidt das Museum nicht mehr mit den Augen des Kommunalpolitikers, sondern schwelgt in Erinnerungen.
