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Mittwoch, 20.06.2018

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Leopoldo Lipstein brilliert in Gräfenberg

Pianist gab ein anspruchsvolles, meisterliches Konzert - 10.05.2016 21:00 Uhr

Der in Argentinien geborene Leopoldo Lipstein gilt als technisch hervorragender Pianist. Sein Konzert hätte mehr Zuhörer verdient gehabt. © Rolf Riedel


Lipstein wurde in seiner Heimat Argentinien schon als Wunderkind gehandelt und gab schon früh Konzerte in ganz Südamerika. Er spaltet seine Zuhörerschaft, den einen ist er zu nonkonformistisch, von anderen wird er wegen seiner brillanten Technik, seines emphatischen Klavierspiels und seiner Professionalität verehrt.

In Gräfenberg reicht der Bogen seines Repertoires von den Partiten Nr. 5 in G-Dur von Johann Sebastian Bach über Maurice Ravels letzte Soloklavierkomposition, Isaac Albéniz und seine Suite Espagnole bis hin zu Liszts Interpretation von Wagners Tannhäuser-Overtüre. Die von Liszt als Konzertparaphrase bezeichnete Komposition gerät bei Lipstein zur Klangfülle eines ganzen Orchesters, indem er die tragende Melodie besonders hervorhebt.

Gewollte Auflösung

Die linke Hand übernimmt diese ohne jegliche Begleitung, die von der rechten Hand übernommen wird. Bewusst scheint Lipstein die Überkreuzung der Hände und die dadurch entstehenden Griffschwierigkeiten in Kauf zu nehmen. Die kann er nur durch Arpeggierung meistern Das Arpeggio, die kleine Verzögerung in den einzelnen Tönen der Akkorde — sonst ein Notnagel des Partitur- und Klavierauszugsspiels, wird bei Lipstein zum festen Bestandteil seiner Interpretationen.

Ganz natürlich entsteht zwischen dem Spanier Isaac Albéniz dem gebürtigen Südamerikaner Lipstein eine besondere Seelenverwandtschaft. Lipstein hat die musikalische Hommage an Spanien auf vier Stücke halbiert und lässt die Melodien von Sevilla, Castilla, Cadiz und Aragón die Hörer beinahe bildlich erfassen.

Bei Ravel hält sich Lipstein exakt an die Vorgaben, die Reflexion über die elegante, klare „musique francaise“ mit ihren charakteristischen Tanzrhythmen steht im Vordergrund.Die Wucht der Intonation ist atemberaubend. Auch bei Bachs Partita Nr. 5, wie bei allen Solozyklen Bachs, werden hohe Ansprüche an Technik und Interpretationskunst gelegt, denen Lipstein durch kleine Kapriolen noch einen besonderen Stempel aufdrückt. Das fachkundige Publikum bedankte sich mit viel Applaus, der den Künstler zu einer Zugabe bewog. 

ROLF RIEDEL E-Mail

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