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„Leute haben das Angebot nicht geschätzt“

Lebensmittelladen in Weilersbach muss zehn Monate nach Eröffnung wieder schließen — Kaum Interesse - 09.08.2013 10:03 Uhr

Alles muss raus: Günter Jung räumt die letzten Regale aus dem inzwischen geschlossenen Dorfladen. © Edgar Pfrogner


„Es hat einfach die Unterstützung gefehlt. Die Leute hier haben das Angebot nicht geschätzt“, erläutert Günter Jung, Lebenspartner von Renate Dörfler, die schwierige Situation, die zur Schließung geführt hat. Der Einrichtungsbauer räumt gerade die letzten Regale aus dem Laden in der Weißenbacher Straße 9. Alles muss raus und so manche Installation muss rückgebaut werden. Die Enttäuschung sei groß, ebenso der Schuldenberg, das dieses Projekt hinterlasse, sagt Jung.

Mit einem speziellen Nahversorgungskonzept, mit dem „tegut“ andernorts beste Erfahrungen gemacht hat, hat Renate Dörfler im September 2012 den kleinen Supermarkt mitten im langgestreckten Dorf eröffnet (wir berichteten).

Rund 4000 Artikel hatte sie im Sortiment – ein Drittel zu Preisen wie im Discounter, ein Drittel Waren von der Firma tegut und ein Drittel Biowaren. Getränke, Wurst und Fleisch und eine kleine Biobäckerei – eigentlich alles, was man zum Leben so braucht.

Und dennoch ging das Konzept nicht auf: Viele Weilersbacher haben offenkundig lieber woanders eingekauft. Da half es auch nicht, dass die Filialleiterin versuchte, Einkaufswünsche ihrer Kunden zu erfüllen, einen Heimbring-Service und Vergünstigungen für Großkunden anbot. Auch Gutscheinaktionen, für deren Rückgabe im Laden die Kunden ein Päckchen Tee oder Nudeln gratis bekommen hätten, fruchteten nicht.

Bei einem Krisengespräch Ende April, als sich die schwierige Geschäftslage schon abgezeichnet hat, sicherte der Weilersbacher Bürgermeister Gerhard Amon zu, nochmals an die Bevölkerung zu appellieren, doch im Dorfladen einzukaufen. Aber das habe gar nichts genutzt, erzählt Jung. „Die Umsätze waren sogar noch geringer als vorher.“

Ein wenig mehr hätte gereicht

Dabei hätte ein minimaler Umsatz mehr gereicht, um die Schließung des Ladens zu verhindern und die Nahversorgung im Ort aufrechtzuerhalten. Doch selbst die Rabattaktion, bei der es viele Waren zuletzt für 50 Prozent billiger gab, hätten die Weilersbacher boykottiert.

„Das ist wirklich eine sehr merkwürdige Situation und eigentlich nicht zu verstehen“, findet Günter Jung. Zumal das tegut-Nahversorgungskonzept in 19 anderen Dörfern in Bayern und Hessen hervorragend funktioniere. Renate Dörfler wird nun im Landkreis Bamberg einen Dorfladen mit dem gleichen Konzept eröffnen. Diese Gemeinde habe bei Dörfler angefragt, weil das Konzept gut sei.

Bürgermeister war überrascht

Bürgermeister Gerhard Amon (CSU) sagt auf Nachfrage, er habe von der Schließung des Dorfladens nichts gewusst. Er sei Ende Juli aus dem Urlaub zurückgekommen — just am letzten geöffneten Tag. „Da war ich schon überrascht.“ Er habe die Schwierigkeiten der Filiale gekannt. „Ich kann die Leute ja nicht hintragen“, meint er. Jetzt sei es schwierig mit der Nahversorgung im Ort und man müsse eine Lösung suchen.

In der Gemeinderatssitzung Anfang August habe der Dritte Bürgermeister Ottmar Dennerlein den Antrag gestellt, das bereits 2011/2012 diskutierte Gewerbegebiet Breitenweg zwischen B470 und Weilersbach wieder auf die Tagesordnung zu nehmen. Weil es innerhalb des Dorfes kaum Platz für ein Gewerbegebiet gebe, sei das schon einmal anvisierte Gelände direkt an der B470 die einzige Möglichkeit etwas anzusiedeln, so Amon.

Platz für einheimische Betriebe

Auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Gelände könnte neben einem Discounter auch noch der Bauhof und zwei bis drei Parzellen für einheimische Betriebe angesiedelt werden, erläutert der Bürgermeister.

Die Planung für das Gewerbegebiet am Ortsrand von Weilersbach ist Anfang 2012 auf Eis gelegt worden, weil damals ein paar Grundstückseigentümer ihr Gelände nicht verkaufen wollten. „Manche Nachbarn waren von der Planung nicht begeistert“, räumt Gerhard Amon ein.

Auch die Kreisgruppe des Bund Naturschutz hatte vor zunehmendem Flächenfraß im Landkreis Forchheim gewarnt. „Wie es nun mit der Planung des Gewerbegebietes weiter geht, muss der Gemeinderat entscheiden“, sagt der Bürgermeister. 

Maria Däumler

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