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Der Stadtrat zeigte sich bei den Beratungen zur Bauvoranfrage wohlwollend. Die Turnhalle der Hauptschule ist bereits seit einigen Jahren Sorgenkind der Stadt. Eigentlich müsste die Halle, ähnlich wie die der Grundschule, grundlegend saniert werden. „Die Sicherheitsbestimmungen für den Schulsport können nicht mehr eingehalten werden“, sagte Bürgermeister Werner Wolf.
Nicht nur der Boden müsste überarbeitet werden, es fehlen auch spezielle Sicherheitsvorkehrungen für die Geräte. Das Problem: Der Landkreis hat Gräfenberg eine Überkapazität an Turnhallen attestiert. Die Schülerzahlen sinken und neben den beiden Einfeld-Hallen für Grund- und Mittelschule gibt es noch die Drei-Felder-Halle der Realschule. Hier finde bereits jetzt zum großen Teil der Schulsport der Mittelschüler statt, so Wolf. „Wenn wir die Sanierung der Mittelschulturnhalle angehen wollen, würden wir demnach keine Förderung mehr erhalten“, erläutert er.
Hinter den Kulissen wurde an einer anderen Lösung gearbeitet. Die hat Mirko Helbig ins Spiel gebracht. Vor sechs Jahren übernahm er den Betrieb im städtischen Hallenbad und hat hier ein umfangreiches Kursprogramm – vom Babyschwimmen bis zu Schwimmkursen für Fortgeschrittene – aufgebaut. Auch Schulschwimmen bietet der Inhaber des Unternehmens „Aqua Work“ mit Sitz in Pretzfeld an. Sein Konzept: Das Bad ist nur mit den Kursen nutzbar, außer an zwei Abenden in der Woche, an denen es für allgemeinen Badebetrieb geöffnet wird.
Auch baulich habe er einiges investiert. „Für 130000 Euro habe ich in den vergangenen fünf Jahren die Technik, Geräte und die Duschen erneuert“, erklärte er auf Anfrage der NN.
Diese Investitionen hätten ihn belastet, vor allem wenn man bedenke, dass öffentliche Hallenbäder in der Regel ein Zuschussgeschäft seien. Nach sechs Jahren Badebetrieb habe es für ihn daher zwei Möglichkeiten gegeben: „Entweder schließen, oder die Sache größer aufziehen.“
Er hat sich für letztgenanntes entschieden und hat – auch wenn die Verträge noch nicht unter Dach und Fach sind – bereits konkrete Pläne.
Dafür will er die städtische Turnhalle im Rahmen eines Erbpachtvertrags erwerben und diese gemeinsam mit der Schwimmhalle nutzen. „In einem ersten Schritt möchte ich ein Bistro einbauen“, erläutert er. Bis auf Automaten-Snacks könne er seinen Kursteilnehmern momentan keine Verpflegung bieten.
Sein Plan: Die Vorhalle des Bades und ein Teil des Turnhallen-Vorraumes könnten Platz für das Bistro geben, das vor allem Kaffee, Cocktails und kleine Snacks anbieten soll. „Der Umbau würde starten, sobald die Verträge unterzeichnet sind“, sagte er.
In einer zweiten Etappe will er dann aus der jetzigen Turnhalle ein Fitnesscenter machen. „Der Vorteil ist, dass es hier nicht an Platz mangelt“, so Helbig. So hätte er nicht nur genug Raum für die Fitnessgeräte – sondern auch für ein Trampolin, eine Kletterwand und ein Badminton-Spielfeld. Die Freifläche soll auch für Gruppen-Kurse in Aerobic oder Gymnastik genutzt werden.
Den Geräteraum will er zudem zu einem kleineren Studio für Gruppen umfunktionieren. Hier könnte ein Physiotherapeut Gesundheitskurse anbieten. Auch eine energetische Sanierung der Halle und der eventuelle Einbau einer Sauna steht zur Debatte.
Alles unter der Prämisse, dass das neue Angebot entsprechend angenommen werde. „Bis jetzt sind es alles nur Pläne, ich will keine Werbung machen, bevor nicht alles geregelt ist“, schränkte er ein.
Dennoch sehe er Potenzial in Gräfenberg. „Ähnliche Angebote gibt es hier nicht“, sagte er und berichtete, dass er bereits von zahlreichen Vereinen aus der Umgebung angesprochen worden sei.
Die Stadträte jedenfalls hatten in ihrer jüngsten Sitzung nichts gegen das Vorhaben des jungen Unternehmers und erteilten das gemeindliche Einvernehmen.
