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Markus Riks ist längst Teil der Forchheimer "Slamily"

Weisendorfer will mit seinen Geschichten beim Poetry Slam ganz nach oben - 19.04.2018 14:19 Uhr

Poetry-Slammer Markus Riks vor dem Weisendorfer Schloss. Der aus dem Sauerland stammende Student der Wirtschaftsinformatik hat den Franken viele Geschichten zu erzählen. © Udo Güldner


In welchem Alter fängt einer als Poetry Slammer an ?

Markus Riks: Mittlerweile liegt das Einstiegsalter oft bei 16 bis 18 Jahren. Ich selbst war 17 und froh, dass ich noch beim Nachwuchs Erfahrung sammeln konnte. Damals lud mich mein Englischlehrer Nicolas Schmidt vom Emmy-Noether-Gymnasium in Erlangen zum U 20-Slam ins E-Werk ein. Erst einmal als Besucher. Noch während des Abends dachte ich: Boah, das will ich auch machen. Ich begann dann schon während dieses Slams damit, einen Text zu entwerfen – und vier Wochen später stand ich dann auf der anderen Seite der Scheinwerfer.

Du hattest ja für kurze Zeit das Pseudonym "Der Erks". Warum hast Du Dich entschieden, doch als Markus Riks aufzutreten?

Markus Riks: Das liegt einerseits daran, dass man gerne den eigenen Namen liest. Zum anderen hatte ich mich gefragt, ob ich wirklich noch als "Der Erks" angekündigt werden möchte, wenn ich beispielsweise 28 Jahre alt bin. Als ich mich dann daher recht schnell wieder gegen dieses Pseudonym entschieden habe, meinte Felix Kaden aus Erlangen, der den Poetry Slam Forchheim moderiert: "Cool, Du bist erwachsen geworden." Andere aber wollen eine gewisse Anonymität, vielleicht auch aus beruflichen Gründen, und behalten dann einen Künstlernamen.

Das war aber nicht das erste Mal, dass Du vor Publikum gestanden hattest...

Markus Riks: Wenn man die Auftritte in diversen Theatergruppen in Weisendorf zählt – dann nicht. Theater spiele ich tatsächlich schon, seitdem ich elf Jahre alt bin. So wie ich den Theatertext lerne und übe, probe ich die eigenen Slam-Texte auch, lese sie mir laut vor, um zu sehen, ob und wie sie wirken.

Setzt Du Dich regelmäßig hin und denkst Dir neue Geschichten aus?

Markus Riks: Eine Idee lässt sich nicht erzwingen. Aber sobald sie da ist, entwickelt sie sich Satz für Satz. Eins führt zum anderen und nach zwei Stunden ist die Erzählung dann auch fertig. Meist habe ich Einfälle, die etwas mit meinem Alltag oder früheren Tätigkeiten als Aushilfe zu tun haben. Das gibt dem Publikum auch die Möglichkeit, sich mit den Texten zu identifizieren. In Forchheim erzähle ich vielleicht etwas von meinem ehemaligen Job in einer Bäckerei.

Wer hat denn Deinen Stil des "Storytellings" beeinflusst?

Markus Riks: Oft erzähle ich Geschichten, die in Tagebuch-Form oder als Stenogramm notiert sind. Das macht Torsten Sträter bei "Nuhr im Ersten" auch so. Er hat ja auch als Slam-Poet begonnen. Ich feiere seine Texte, das heißt aber nicht, dass ich wie er sein möchte. Man versucht als Künstler ja immer noch einen eigenen Wiedererkennungswert zu haben und nicht mit den Texten anderer identifiziert zu werden. Zudem darf ein Text auch niemals langweilig werden, sonst verliert man die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Schließlich will man ja den Poetry Slam gewinnen, zumindest aber ins Finale kommen, um möglichst noch einen weiteren Text vorlesen zu können. Wenn dann zwei, drei Pointen nicht zünden... Es ist eben jedes Mal ein Experiment. Das kann auch auf taube Ohren stoßen.

Andere Slammer gehen ja auf regelrechte Tourneen durch den gesamten deutschsprachigen Raum, Du auch?

Markus Riks: Wenn mir die Uni Zeit dazu lässt. Meist ist das dann in den Semesterferien. Nur bei Klausuren gibt es strenge Slam-Pausen. Im April geht es unter anderem nach Kassel und nach Paderborn. Dann komme ich auch in die Nähe meiner Heimat, des Sauerlands. Sonst trete ich meist in der Region auf, wie eben in Forchheim, aber auch zum Beispiel in Würzburg. Das klappt dann nicht nur am Wochenende.

Gibt es beim Poetry Slam denn so etwas wie "Heimspiele"?

Markus Riks: Ja, mein "Homeslam" ist der U 20 Poetry Slam im Erlanger E-Werk. Dort trete ich regelmäßig auf. Durch diese Regelmäßigkeit habe ich bereits eine gewisse Routine entwickelt, trotzdem kommt es ab und zu – vor allem vor großem Publikum – auch bei mir vor, dass ich so nervös bin, dass meine Hände zittern. Das sieht man dann sogar am Textblatt, das dann ein bisschen mitzittert. Mein größter Wunsch wäre es, einmal bei einem der großen "Kampf der Künste"-Slams in Hamburg aufzutreten. Das wäre eine Art persönlicher Ritterschlag. Da gibt es hunderte Zuhörer und auch die Möglichkeit, ein professionelles Youtube-Video von seinem Auftritt erstellen zu lassen.

Wo liegen denn die Unterschiede zwischen den U 20-Slams und den "normalen" Ü 20-Slams?

Markus Riks: Das Publikum ist oft ein völlig anderes. Die jüngeren Zuhörer, meist sind es Schüler, nehmen ernste, gefühlvolle Texte meistens besser an. Dann lese ich meine Gedichte. Bei den erwachsenen Zuhörern hingegen darf es gerne witziger sein, sogar mit etwas derberem Humor. Da kann ich mit meinen übertriebenen, satirisch überspitzten Texten natürlich punkten. Mir hilft dann mein eigener Humor, der von Ironie und Sarkasmus geprägt wird.

Bisweilen scheinen sich die Slammer auf der Bühne auch zu wiederholen, also dieselben Texte einige Monate später noch einmal vorzutragen...

Markus Riks: Auf ein und derselben Bühne wird ein Text meist nur einmal vorgelesen. Auf verschiedenen Bühnen darf es dann aber auch mehrmals derselbe Text sein. Nach ungefähr sechs Monaten aber verschwinden die bereits vorgelesenen bei mir in der Schublade und sehen von da an kein Sonnenlicht mehr. Als Schriftsteller entwickelt man sich auch weiter, wird selbstkritischer. Manchmal breche ich das Schreiben auch ab, weil der Text jetzt nicht mehr meinen Ansprüchen genügt.

Wie geht es denn in der fränkischen Slam-Szene zu?

Markus Riks: Das ist ein wahnsinnig herzliches Miteinander. Einige sprechen von einer „Slamily“ - einer großen literarischen Familie. Man kennt sich, man respektiert sich, man gibt sich gegenseitig Ratschläge. Schließlich gehört Franken neben NRW und München zu den Regionen mit der längsten Slam-Tradition. Das Lästern übereinander ist verpönt.

Kann man als Autor und Performer vom Poetry Slam leben?

Markus Riks: Viele Slammer machen das wie ich nebenbei als Hobby. Die meisten arbeiten in sozialen Berufen oder studieren soziale Fächer. Da ernte ich als angehender Naturwissenschaftler, genauer als Wirtschaftsinformatiker, bei den Kollegen ungläubige Augen. Es gibt aber auch ein paar, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dann aber nicht nur mit Slam-Auftritten, sondern beispielsweise auch mit Workshops.

  

Interview: Udo Güldner

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