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Miriam Wuttke: Von Abschied und Ankunft

Performancekünstlerin trat im Gewölbekeller der Forchheimer Kaiserpfalz auf - 16.10.2012 06:53 Uhr

Eine Stehleiter mit Utensilien des Alltags symbolisiert das „Behaust-sein“, davor Objekte als Ausdrucksformen der Angst und der Sehnsucht. © privat


Dann zerrt sie einen Kinderschlitten in das Licht, öffnet zwei Koffer, breitet Erde aus und drapiert darauf mit verinnerlichter Gestik sorgfältig verpacktes Wasser, Brot, ein Ei und ein Brikett. Die Performance „Ankunft, Abschied, Erinnerung“ von Miriam Wuttke im Kellergewölbe der Kaiserpfalz. Eine Kunstform, die in Forchheim wohl noch nicht zu sehen war.

Die Zuschauer interessiert, irritiert, angespannt in der Erwartung, „was wohl jetzt kommt“, erstaunt wohl auch darüber, welche Bilder in ihnen selbst assoziiert werden, wenn sie die zeitlupenhaft dargebotene Vorstellung verfolgen. Selten hat sich wohl nach einer Kunstdarbietung in Forchheim eine so lebhafte Diskussion ergeben wie im gut gefüllten Gewölbekeller der Kaiserpfalz zu den Fragen, was Kunst in unserer Zeit vermag.

Darüber geriet aber das eigentliche Thema nicht in den Hintergrund. Das 23-minütige Stück, das die in Forchheim geborene und in Berlin lebende Künstlerin konzipiert hatte, befasst sich mit den Fragen von Herkunft, Integration, Vertreibung und Heimat. Eingebunden in das Thema „Zwischen Gestern und Heute" im Rahmen des Projektes „Stadt.Geschichte.Zukunft", das das Netzwerk Stadtkultur bayerischer Städte initiiert und der Kulturreferent der Stadt, Dieter George, für Forchheim adaptiert hat.

Schicksale geschildert

Im zweiten Teil des Abends wurde das erlebte „Ankommen“ mit all den Zweifeln, Verlusten und Hoffnungen an den Beispielen einer Slowakin, die nach den Wirren der kommunistischen Ära eine neue Heimat fand, und einer türkischen Familie, die vor 40 Jahren in Forchheim über den Arbeitsplatz hier Wurzeln schlug, anhand von Aufzeichnungen des Filmemachers Jochen Menzel, die George vortrug, aufgezeigt. Michael Wuttke schilderte, wie ihn die Besuche in der Kindheit bei den Großeltern in der Schulstraße den späteren Lebensmittelpunkt näher brachten.

In der Videoarbeit sowie in der Verwendung von gesammelten Objekten beleuchtet Miriam Wuttke verschiedene Ausdrucksformen der Angst und Bilder der Sehnsucht. „Um in einer globalisierten Gesellschaft“, so resümiert sie , „deren einzige gemeinsame Nenner Verwertungslogik und Funktionalität sind, Halt in tradierten und selbst definierten Werten zu finden, müssen Auseinandersetzung und Kommunikation über ein Recht auf Heimat und soziale Anbindung neu geführt werden.“

Auf jeden Fall darf man gespannt sein auf Miriam Wuttkes Einzelausstellung „Home-Land-Luxury/Heimat-Land-Luxus“ vom 25. April bis 2. Juni 2013 im Stadtmuseum Kaiserpfalz. Dort wird sie Malerei, Objekte und Videoinstallationen zeigen. 

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