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Doch auch dort reichten die Plätze kaum aus, um dem Andrang gerecht zu werden. Aus der ganzen Region waren Frauen und Männer zur Unterstützung von Michael Helmbrecht und seiner Familie angereist. Der frühere Sprecher des Gräfenberger Bürgerforums und derzeitige Vorsitzende der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion war bekanntlich in der Nacht vom 29. auf 30. Dezember 2011 Opfer eines Anschlags geworden. Noch nicht aufgespürte Täter hatten die Scheiben seines Wagens eingeworfen, die Reifen zerstochen, die Schlösser mit Bauschaum aufgefüllt sowie das Auto und den Briefkasten seines Hauses mit stinkender Buttersäure verschmiert.
Günter Pierdzig, Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), skizzierte die Gewalttaten von Rechtsradikalen in den vergangenen Jahren, die in der Mordserie des Zwickauer Neonazi-Trios gipfelten. Er hob hervor, dass dieser Terror von rechts nicht länger verharmlost werden dürfe.
Fitzgerald Kusz ging mit Prosa und Lyrik gleichfalls auf die Schrecken des Dritten Reiches und den aktuellen Rechtsradikalismus ein. Aufgewachsen ist er sieben Kilometer südlich von Gräfenberg im Eckentaler Ortsteil Forth. Dort existierte bis in die 1930er Jahre eine jüdische Gemeinde, von der zahlreiche Mitglieder in Konzentrationslagern umgebracht wurden.
Kusz vermittelte aber auch einen Einblick in sein Werk, das den fränkischen Dialekt zusammen mit Lothar Matthäus inzwischen weltweit bekannt gemacht hat. Wie der Blues entwickelt Kusz aus dem scheinbar Einfachen eine Vielzahl von Variationen und Verästelungen.
Ähnlich einem der großen schwarzen Musiker improvisiert er gern und mit ausgeprägter Spielfreude verbal über ein Thema – beispielsweise über eine der am häufigsten gestellten Fragen in der Menschheitsgeschichte: Wie geht’s? Zumindest für den Franken geht es immer irgendwie und vor allem weiter. Und wenn es einmal nicht mehr gehe, dann müsse eben nur kurz ein Nickerchen oder wenigstens ein selbstmitleidsgeschwängerter Verschnaufer eingelegt werden. Denn dann, ja dann, dann geht’s „scho widder“!
Welcher Reichtum im Blues steckt, wusste ebenso Klaus Brandl aufzuzeigen. Zwischen den Wortkaskaden zupfte, jaulte und fetzte er Töne der ganzen Bandbreite von rau bis zart.
Zwei Krähen sind die beiden, wenn man einem Songtitel glauben darf: Kratzbürstig statt pflegeleicht, immer auf dem Flug und einfach nicht unterzukriegen.
Woher schöpft Fitzgerald Kusz seine Poesie? Er schaut den Franken und Fränkinnen aufs Maul, pardon die Goschn — in der Straßen- oder der Gräfenbergbahn, aber auch im Ausschank einer bekannten Kaffeemarke, die den schwarzen Trunk zwischen Reiseschnäppchen und mehr oder weniger rasanter Unterwäsche mittlerweile fast nur noch im Nebenjob vertreibt.
An diesem Ort der Kommunikation wird deutlich, worüber die fränkische Emma Normaltante nun mal am liebsten und ausgedehntesten schnattert: Über all die gewesenen, gegenwärtigen und sicher noch kommenden Zipperlein von den vermaledeiten Krampfadern bis zum Haarausfall. Da fängt dann sogar Brandls Gitarre zum Wimmern an.
Mit einem fränkischen Haiku endet der sowohl nachdenkliche als auch witzige Abend. Der Eintritt war frei, doch die Schachteln für Spenden füllten sich zügig. Schließlich muss die Familie Helmbrecht nicht nur ihr Haus und das Auto wieder in Ordnung bringen, sondern nun auch Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.
Mo. 07.05.12
Fr. 27.04.12
Do. 26.04.12
Do. 26.04.12
Di. 24.04.12