Dienstag, 25.09.2018

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Mit richtigen Schuhen ein neues Ziel im Visier

NN-Redakteur Patrick Schroll motiviert für 10-km-Distanz - 14.08.2018 18:08 Uhr

Vorsichtig optimistisch: NN-Redakteur Patrick Schroll beim Trainingslauf an der Sportinsel. © Schreyer


Gleichzeitig habe ich mir auch ein kosmetisches Ziel gesetzt. Kosmetisch, weil ich die zehn Kilometer unter einer Stunde laufen möchte. Meine Vorstellung: Mit den letzten Reserven, aber überglücklich, laufe ich am 2. September in Ebermannstadt ins Ziel ein. Die Uhr zeigt maximal 59:59 Minuten an. Kurzum: Ich will unter einer Stunde bleiben.

Marc Bögelein lacht. Nicht, weil er mir das nicht zutraut, sondern weil ich es jetzt offiziell gemacht habe. Doch diesen Druck erzeuge ich mir ganz bewusst. Ich brauche ihn und die zeitliche Orientierung, um nicht nur einfach vor mir herzulaufen. Der Laufwettbewerb soll mehr als der gemütliche Sonntagsspaziergang sein.

Plötzlich nackt in der Fußgängerzone

Marc Bögelein sportelt selbst in seiner Freizeit. Dazu gehört auch das Rad, auf das er sich schon frühmorgens schwingt und in die Arbeit in die Hornschuchallee fährt. Der 43-Jährige ist Geschäftsführer des gleichnamigen Schuhgeschäfts und Orthopädie-Schuhmachermeister. "Mein Credo ist es, Menschen zu helfen", sagt er. Na, dann bin ich dort ja richtig.

Für mich ist Marc Bögelein ein unabdingbarer Unterstützer bei meiner Mission, weil es mir am Halt in meinen 08/15-Schuhen fehlt. Das spüre ich nach den ersten Wochen meiner bescheidenen Laufkarriere bereits in den Gelenken. Daher der Tipp meiner Laufkollegen: "Gescheite Schuhe."

Als Weilersbacher Laufanfänger bin ich ein kleines Licht. Das wusste ich natürlich schon vorher. Indien, Dubai, Toskana: Die Kunden, die sich den Schuh an ihren Fuß förmlich angießen lassen, kommen bei Bögelein fast aus der gesamten Welt.

Auch die "local Heros", also die lokalen Helden des Laufsports, gehen bei Bögelein ein und aus. Ob er einen solchen auch aus mir machen kann? Erst mal Schritt für Schritt . . .

Ursache für blauen Zeh entdeckt

Meine nächsten Schritte führen mich in den ersten Stock des Ladens und in eine Welt, die ich vorher hätte links liegen lassen. Laufschuhe in den buntesten und knalligsten Farben soweit die Augen und die Regalmeter reichen. Sportmarken, die ich mein ganzes Leben zuvor noch nie gehört habe. Ich fühle mich leicht überfordert und bin deshalb ganz froh, mich in die Obhut von Johannes Stielper begeben zu können.

Stielper kümmert sich als Laufschuhtechniker um Kandidaten wie mich. Dafür schickt er sie auf den Nacktscanner. Auch ich muss ran. Und plötzlich stehe ich nackt mitten in der Fußgängerzone von Forchheim. Naja, so halb nackt und so halb in der Fußgängerzone.

Der Scanner zeichnet ein Bild von meinen entblößten Füßen. Aus dem 3D-Modell zieht der Laufschuhtechniker seine ersten wichtigen Erkenntnisse, welches Schuhwerk es speziell für meine Quadratlatschen braucht. Druckstellen, die mir zwischenzeitlich schon den ersten blauen Fußnagel beschert haben, erkennt er mit Blick auf das bunte Scanbild. Doch das ist noch nicht alles.

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Eine kleine Trainingseinheit auf dem Laufband erwartet mich. Nicht nur Johannes Stielper schaut mir beim Laufen zu, sondern drei Kameras aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie blicken ganz genau darauf, wie sich meine Füße beim Laufen bewegen. Doch auch mit dem Ohr ist Stielper ganz nah dran. Alleine durch das Geräusch könnte er erkennen, ob ich zu stark auf der Ferse auftrete.

Das erste Problem ist schnell erkannt: "Deine Abrollbewegung ist nicht ganz ideal." Ich plumpse förmlich auf den Boden auf — nicht gut auf Dauer. "Das müssen wir verbessern."

Jetzt weiß ich auch, warum mein Fußzeh blau angelaufen ist. Die Zehen, erklärt mir Johannes Stielper, drückt es beim Laufen nach vorne. Deshalb brauche ich statt Größe 44 in der Laufschuhvariante zwei Nummern größer, um meinen Zehen Platz beim Laufen zu geben. Mit den alten Schuhen habe ich meine Füße bisher regelrecht eingesperrt. Kein Wunder . . .

Ich schlüpfe in den neuen blauen Schuh und fühle mich wie auf Wolken, im Olymp der Läufer. So schwerelos! Vor allem: Ich laufe endlich gerade aus, knicke nicht mehr seitlich am Fußende ab. Gerade aus laufen ist das Ziel! Spart ja auch Energie und einige Meter Umweg.

Damit es auch wirklich klappt im September, gehört zum neuen Schuh der richtige Laufstil und ein Trainingsprogramm für meine Fußmuskeln, die mich über den Asphalt tragen müssen. Mit scheinbarer Zauberei in den Sohlen könnte mir das noch besser gelingen. Mehr dazu demnächst.

Zwischenzeitlich habe ich es zum ersten Mal geschafft, über eine Stunde unterwegs zu sein. 7:26 Minuten pro Kilometer habe ich dafür gebraucht, bin 8,5 Kilometer gelaufen. Auf kürzeren fünf Kilometern schaffe ich den Kilometer glatt in sieben Minuten. Doch nicht nur schnelle Läufe zählen, wie ich gelernt habe. Der Körper braucht auch Erholung. 

Patrick Schroll Redakteur Nordbayerische Nachrichten Forchheim E-Mail

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