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Liegt es an der offiziell ausgerufenen Energiewende? Sind neue Fördertöpfe schuld oder haben die Verantwortlichen nur kalte Füße bekommen, als sie ihre großen Pläne auf Herz und Nieren prüften? Oberbürgermeister Franz Stumpf jedenfalls sagt recht unverhohlen Adieu zu dem geplanten Biomasse-Heizwerk: „In den nächsten 14 Tagen werden wir die Summe nicht schultern können.“
49 Millionen Euro Baukosten, 70000 Tonnen Holz pro Jahr, 60 Gigawatt-Stunden Fernwärme – und das alles vom ersten Tag an, ohne Netz, ohne gesicherten Lieferanten, ohne die kritische Masse an Kunden. Wo dem Techniker der Puls höher schlägt vor Begeisterung, da kann dem Kaufmann schon mal mulmig werden.
Stadtwerke-Chef Reinhold Müller, von Haus aus Kraftwerks-Bauer, spürt beide Herzen in seiner Brust schlagen. Um nicht Opfer von Rhythmusstörungen zu werden, ändert er nun mit Begeisterung den Fahrplan. Bei Professor Markus Brautsch von der Hochschule Amberg-Weiden haben die städtischen Werke einen kommunalen Energienutzungsplan in Auftrag gegeben, der in wenigen Wochen fertig sein wird.
Energietechniker Brautsch und sein Team haben als erstes den Forchheimern in die Schornsteine geschaut. In Zusammenarbeit mit den Kaminkehrern wurde bis aufs einzelne Haus hinunter ermittelt, wo und mit welchem Brennstoff in Forchheim Wärme erzeugt wird: Gas, Öl oder Holz. Daraus entstanden ist ein Wärmekataster. Aus ihm lässt sich jetzt herauslesen, wie die Wärmeversorgung der Stadt künftig am sinnvollsten gestaltet werden kann. Sinnvoll heißt: im Geist der Energiewende möglichst umweltfreundlich und sparsam.
Bei der Planung für das alte Hallenbadgelände und für das benachbarte Demenzzentrum der Diakonie in der Sattlertorstraße bietet sich zum Beispiel ein Blockheizkraftwerk an, das sowohl Strom als auch Wärme erzeugt. Die dafür nötige Energie liefern sich die Stadtwerke selbst in Form von Erdgas.
Im Forchheimer Norden, einer Wohngegend mit vielen Mietshäusern, sind ebenfalls dezentrale Wärmeversorgungen angedacht. Aktuell für die Bammersdorfer Straße 26 samt Nachbarhäusern, die gerade saniert werden. Sie erhalten eine gemeinsame Nahwärmeversorgung über eine Holzpellets-Heizung. Wirtschaftlich, so Professor Brautsch, würden die kleinen Lösungen immer dann, wenn die Anschlussdichte 60 Prozent erreicht.
Der Gesamtwärmebedarf der Stadt beträgt rund 460 Millionen Kilowattstunden. Davon bestreiten die Stadtwerke mit ihrem Erdgas etwas weniger als die Hälfte. Sollte der Energienutzungsplan (Kostenpunkt: 50000 Euro, davon 40 Prozent bezuschusst) umgesetzt werden, müssen die Stadtwerke in den nächsten zehn Jahren rund 20 Millionen Euro investieren.
