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Wer es wagt, sich Gosberg im Auto von Westen her zu nähern, wird gleich am Ortseingang beschimpft: „Du bist einer von mehr als 10000 Gründen täglich für die Ostspange!“ Abgesehen von der unangemessen vertraulichen Anrede: Sofort bekommt der arglose Autofahrer ein schlechtes Gewissen.
Auf einem anderen Transparent ist ein Auto durchgestrichen: „Lärm und Gestank machen uns krank!“ Ja, zum Kuckuck: Fahren die Gosberger nicht selbst auch mit ihren Autos? Sind die leiser und stinken weniger?
Reinhard Kraus, der im Zentrum der Ortsdurchfahrt wohnt und hier einen Hofladen betreibt, hält gar nichts davon, den Durchgangsverkehr auf eine Ostspange der Südumgehung von Forchheim zu verlagern oder auch nur eine Ortsumfahrung entlang der Bahnlinie zu planen: „Wenn die Autos dort ungebremst vorbeirasen, rauscht das ganze Dorf“, glaubt er.
So wie er, sagt Kraus, denken die meisten Gosberger. Nur einige wenige malten Transparente und protestierten für eine Umgehung. Kraus’ Nachbar Andreas Heilmann bestätigt ihn. Er gibt aber auch zu: Wenn die Umgehung kommt, macht sein Hofladen weniger Geschäft.
Richtig laut, das sagen Befürworter wie Gegner, sind die vier Stunden Berufsverkehr. Früh zwischen halb sieben und halb neun, abends zwischen halb fünf und halb sieben. Sonst, sagt Kraus und deutet hinaus vor sein Hoftor, „ist es doch still im Dorf“. Die paar Laster stören ihn nicht.
In den Straßenzügen, die weiter weg von der Durchfahrt liegen, ein ähnliches Bild. Ingrid Maderer aus der Bahnhofstraße will die Ortsumfahrung entlang der Bahnlinie nicht. Sie würde aus der ruhigen Randlage ein tosendes Inferno machen: „Wir dahinten sind davon nicht begeistert.“ Dass alle Gosberger für die Umgehung wären, sagt sie, sei ein „falscher Eindruck“.
Gudrun Leuker aus dem Hirtenbach, die auch sehr ruhig wohnt, kann allerdings die Proteste nachfühlen: „Mein Bruder wohnt oben an der Reuther Straße: Im Sommer versteht man auf der Terrasse sein eigenes Wort nicht mehr.“ Jedenfalls während der genannten Zeiten.
Schlimm sei es manchmal auch im sonst so ruhigen Hirtenbach: „Manche Auswärtige meinen, sie könnten eine Abkürzung nehmen und rasen dann mit 80 bis 100 durch unsere Tempo-30-Zone.“
Ruhiger werden soll es sofort in Burk. Denn die Bundesstraße 470 führt ja jetzt am Ort vorbei. Ab Januar wird dieser Ast zur reinen Ortsstraße herabgestuft. Die Stadt verhandelt mit dem Staatlichen Bauamt derzeit darüber, wer noch die letzten Reparaturen zu bezahlen hat. Eventuell, so Bauamtsleiter Gerhard Zedler, wird die Stadt sogar ein Durchfahrtsverbot für Lkw verhängen. Davon kann Gosberg noch lange träumen.
