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Ein eisiger Wind weht über den Frachter, als Schiffer Thomas Mang aus seiner Kabine auf das Deck tritt. Seit Sonntagabend ist sein Frachter THB aus Marktheidenfeld im Oberwasser vor der Schleuse Hausen im Eis gefangen. Mit 2600 Tonnen Stahlrollen an Bord ist das Schiff auf dem Weg nach Wien eingefroren. Die Minusgrade zwingen Mang und seine fünf Mitarbeiter zum Nichtstun.
„Persönlich komme ich mit der Kälte klar“, so Mang, „aber jeder Tag, den wir hier im Stillstand verbringen, nagt mehr an unseren Finanzen.“ Rund 2500 Euro kostet es den Schiffer täglich, an denen er gezwungen ist, untätig auf wärmeres Wetter zu warten. Und auch die Mitarbeiter auf dem Schiff wollen bezahlt werden. Normalerweise sei so eine Situation für ihn der finanzielle Ruin, meint Mang, der seit 1983 als Schiffer arbeitet. Natürlich kalkuliere man solch katastrophale Situationen mit ein, aber allein ließen sich die Ausfälle durch die Kälte nicht stemmen.
Deshalb hat Mang sich mit knapp 70 anderen eigenständigen Schiffern zur Main-Schifffahrtsgenossenschaft zusammengeschlossen, mit deren Hilfe finanzielle Belastungen bewältigt werden können. Lieferungen, die dringend zum Kunden transportiert werden müssen, können im Notfall auch auf die Bahn umgeladen werden. „Das ist jedoch sehr umständlich. Meine Kunden in Wien müssen eben einfach warten“, sagt der Schiffer. Schließlich könne niemand etwas für diesen plötzlichen Kälteeinbruch.
Jeweils zwei Schiffe stecken zurzeit im Ober- und Unterwasser der Schleuse Hausen fest. Jörg Blömer vom Außenbezirk Neuses des Wasser- und Schifffahrtsamtes Nürnberg sieht die Lage so: „Die letzten Jahre waren immer die Eismassen unser Problem. Dafür sind wir mittlerweile voll und ganz gerüstet.“ Als Verantwortlicher für Bau und Unterhaltung des Main-Donau-Kanals kümmert sich der 42-Jährige um den reibungslosen Ablauf des Schiffsverkehrs.
„Doch dieses Jahr lassen die tiefen Minusgrade die Technik der Schleusen streiken.“ Beim Öffnen der Schleusentore friert das Wasser sofort an die Obertore und dann frieren diese durch die Feuchtigkeit auch noch an die Dichtungen und die Tore sitzen fest. Dieses Phänomen legt jetzt vor allem das große Tor der Schleuse Hausen lahm. Insgesamt neun Schleusen im Bereich zwischen Hausen und Bachhausen (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) sind davon betroffen.
Am Samstagmittag hat das Wasser- und Schifffahrtsamt festgestellt, dass es den Schleusenbetrieb nicht mehr aufrecht halten kann. „Natürlich hatten wir Elektroniker, Industriemechaniker und Wasserbauer im Einsatz, um die Schiffe aus den Schleusen zu bekommen“, versichert Blömer, „aber dennoch sind Schiffe zeitweise in den Schleusen festgesessen.“
Insgesamt sechs Eisbrecher sind seit Anfang letzter Woche auf dem Main-Donau-Kanal bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad unterwegs gewesen, um auch die Schleuse in Hausen von dicken Eisschollen zu befreien. Am Montag schließlich hat der letzte Eisbrecher Hausen verlassen
Im Landkreis Forchheim sind bis Sonntagabend zehn Frachter zu sicheren Liegestellen geführt worden. Wie lange die Schiffe bei diesen anhaltenden Minusgraden noch feststecken, kann Blömer nicht genau sagen, doch wohl mindestens bis zum Ende dieser Woche. Schiffer Thomas Mang findet trotz seiner misslichen Lage etwas Positives an der Kälte: „Jetzt habe ich wenigstens etwas mehr Zeit, um Gitarre zu üben.“
