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Planspiel macht Lust auf Kommunalpolitik

Mittelschüler legten in „Stadtratssitzung“ Anträge vor: Fitnessraum für Schule und Sprungbecken im Bad - 19.07.2011

Fast wie in einer richtigen Stadtratssitzung: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse M8 stellten im Rathaussaal Anträge, diskutierten und stimmten ab. Bürgermeister Kraus (hinten) leitete die Sitzung.

Fast wie in einer richtigen Stadtratssitzung: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse M8 stellten im Rathaussaal Anträge, diskutierten und stimmten ab. Bürgermeister Kraus (hinten) leitete die Sitzung. © Maria Däumler


Der Altersdurchschnitt im Sitzungssaal des Rathauses ist wohl einmalig: 21 Schülerinnen und Schüler der Klasse M8 der Mittelschule, alle zwischen 14 und 16 Jahre alt, haben an den Tischen Platz genommen. Vorne sitzt Bürgermeister Franz Josef Kraus und eröffnet die etwas andere Stadtratssitzung.

„Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, darf ich Sie bitten zu beten“, fordert Kraus auf. „Oh?!“, entfährt es einem Mädchen und der Bürgermeister erklärt, dass in Ebermannstadt vor jeder Stadtratssitzung das „Vater Unser“ gebetet wird. „So steht es in der Geschäftsordnung.“ Alle stehen auf und falten brav die Hände.

Intensiv vorbereitet

Auf Initiative des Jugendpflegers Andreas Kirchner und in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung geht das „Planspiel Kommunalpolitik – Ohne Jugend ist kein Staat zu machen“ über die Bühne. An drei Terminen haben sich die Mittelschüler auf diese Sitzung intensiv vorbereitet. Zuerst wurde erklärt, wie Kommunalpolitik funktioniert, wer welche Aufgaben und Funktionen hat, wie das so mit den Parteien und Fraktionen ist. Die Jugendlichen haben auch eine Stadtratssitzung besucht, danach kamen drei Stadträte in die Schule, erzählten aus der Praxis und formulierten gemeinsam mit den Jugendlichen Anträge, die sie nun zum Abschluss der Aktion in der fast echten Stadtratssitzung vortrugen.

Tobias Sponsel, Fraktionssprecher der Blauen, stellt den ersten Antrag: „Sehr geehrter Bürgermeister, im Fußballplatz am Skaterplatz sind viele Löcher, die Netze kaputt, und eine Latte zersägt.“ Das alles soll repariert werden, fordert der 16-Jährige. Kraus zeigt sich erschrocken: „Von den Mängeln hab ich nichts gewusst.“ Da müsse mal der Bauhof ran. Ob es noch Wortmeldungen zum Thema gebe, fragt der Bürgermeister in die Runde.

Erst mal herrscht Stille. Dann hebt Rike Beckh, Sprecherin der Fraktion Festival für Jugendliche, die Hand: Ob man nicht gleich Alulatten installieren könne, weil man die nicht zersägen kann, fragt sie. „Das wird teuer“, meint Kraus. Dann lässt er über ein neues Tor für den Fußballplatz abstimmen. Alle heben die Hand. „Einstimmig“, stellt der Bürgermeister fest.

Tobias Bauch, Fraktionssprecher der Schwarz-Weißen, möchte einen Fitnessraum in der Mittelschule. Etwa 10000 Euro würde das kosten. Wo soll der hin, wer wird ihn nutzen, will der Bürgermeister wissen, der Verständnis für den Antrag zeigt. In der Stadthalle gebe es einen Fitnessraum, der kaum genutzt werde, sagt Kraus dann. „Wäre das eine Möglichkeit?“ Tobias fände das auch o.k. Der Bürgermeister will mit der Schulleitung sprechen, ein Nutzungskonzept soll ausgearbeitet werden. Einstimmig wird der Antrag angenommen.

Kontroverser geht es beim Antrag für ein extra Sprungbecken im Freibad zu; die Mädchenriege ist dagegen, weil sich die Eintrittspreise erhöhen würden. Dennoch findet der Antrag eine Mehrheit. Abgelehnt wird dagegen der Antrag von Rike Beckh, ein Hiphop-Festival für Jugendliche einzurichten. „Was ist denn Hiphop?“, will der Bürgermeister wissen. Die Mädchen kichern. „Das ist schwierig zu erklären“, meint eine. „Das muss man hören“, springt Jugendpfleger Andreas Kirchner zur Seite. „Eher so ein Sprechgesang“, sagt Rike Beckh.

Kraus begreift langsam und summt was vor. Jetzt kichern auch die Jungs. Dann wird diskutiert, ob es sinnvoll ist, neben dem SoundFeel-Festival noch ein zweites Festival zu veranstalten. Kraus bietet an, bei der Miniolympiade an Pfingsten so was auf die Beine zu stellen. Doch der Antrag fällt mit einem Stimmenpatt durch.

Diesmal sind die Jungen dagegen und einer fragt: „Was krieg ich, wenn ich für euch stimm?“ Die Mädchen sind sauer und enttäuscht. „Das ist doch nicht demokratisch“, findet eine. Der Bürgermeister gibt Tipps: „Ihr müsst euch Verbündete suchen, den Antrag ein bisschen umformulieren und in der nächsten Sitzung wieder vorlegen.“ So funktioniert Politik, das merken die Jugendlichen ganz genau.

Nach ein paar Anfragen geht diese ungewöhnliche Stadtratssitzung zu Ende. Nicht nur Klassenlehrer Berthold Schaubert findet das Projekt sehr gut. Die 14-jährige Rike sagt am Ende: „Man lernt echt was über Politik. Vielleicht werd ich mal für den Stadtrat kandidieren.“ 

VON MARIA DÄUMLER

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