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Präzision zur Premiere

„Schola Cantorum“ überzeugt beim ersten Auftritt - 21.01.2013 12:00 Uhr

A cappella: der Chor im Forchheimer Rathaussaal. © Udo Güldner


„Die Schwierigkeiten stecken in den verschiedenen Tempi, Tonarten und Rhythmisierungen.“ Herbert Graf und Git.Art.M.-Leiter Michael Mauser lassen die frühromantischen Romanzen des Italieners Ferdinando Carulli erklingen. „Wir freveln, denn die zwölf Miniaturen sollten alle am Stück aufgeführt werden“, so Michael Mauser. Tatsächlich sind sie in drei Blöcken zu hören.

Während der 72-jährige Herbert Graf, der sich rund ein halbes Jahr auf das Duett vorbereitet hat, die durchaus diffizile Melodienführung übernimmt, begleitet Michael Mauser auf seiner speziellen Abel-Carlevaro-Gitarre. Die hat kein Schalloch, sondern einen Schallrand. „Der Spieler nimmt das Instrument leiser wahr, trotzdem trägt der Ton sehr weit.“ Die Form des Gitarren-Korpus, die dem Konzertflügel nachempfunden ist, sorgt zudem für mehr Transparenz in den tiefen Lagen. Für den Forchheimer Rentner, der erst mit 55 Jahren zum ersten Mal in die Saiten griff, ist es neben dem Git.Art.M.-Chef eine umjubelte Premiere.

Gleichberechtigt spielt sich das ungleiche Paar durch melancholische Erinnerungen, munteres Glockenläuten und bukolische Episoden spanischen Einschlags. „Ich liebe diesen Chor“, schwärmt Michael Mauser, nur um schnell den Platz zu wechseln. Er legt die Gitarre beiseite und beginnt als Bass, zusammen mit seinen Stimmkollegen Peter Friesleben, Michael Schulz, Rüdiger Kutz und Alexander Puritscher.

In Hälsen und Herzen

Es sind nur wenige Sänger, doch die haben es in sich. Nicht nur in den Hälsen, auch in den Herzen. „Eigentlich sollte es ein Chor aus Musiklehrern und Eltern unserer Schüler werden. Doch heute sind es nur noch zwei Pädagogen, Michael Mauser und ich“, so der Chorleiter Gerhard Moller, der Gründer und spiritus rector des Ensembles. Ihm ist ein homogener und stupend textverständlicher Klangkörper zu verdanken. Wie die englischen Straßenhändler zur Zeit Elisabeths I. lärmen, hat John Dowland zu Papier gebracht. Die weiblichen Sänger, allen voran die Soprane Michaela Henze, Kerstin Franz, Claudia Zitzmann, Martina Schulz und Barbara Stirnweiß interessieren sich für die „Fine Knacks for Ladies“, den Krimskrams, der auf dem Markt feilgeboten wird.

Die fabelhafte Präzision, mit der die „Schola Cantorum“ sich einiger religiöser Purcellscher Hymnen annimmt, die subtilen dynamischen Nuancen, denen sie in Giuseppe Pittonis „Cantate Domino“ nachspürt, und die Vielfalt des Melodischen im Loblied des zeitgenössischen englischen Komponisten John Rutter auf die Schöpfung und ihren Schöpfer, mit der der Chor seine ganze Begeisterung hörbar werden lässt, lassen den Funken auch auf die Zuhörer überspringen.

Ihrem Namen gerecht

Größtenteils singt die „Schola Cantorum“ a cappella und – um ihren Namen gerecht zu werden – lateinische Texte. Nur hin und wieder darf die aus Kasachstan stammende Pianistin Gulnara Büttner eingreifen. Während eines irischen Segenswunsches wechselt dann sogar Stefanie Barthelmann, bis dahin als Sopran aktiv, an ihre Harfe. Nicht nur das geistliche Lied wie Gounods „Ave verum corpus“ liegt den acht Männern und elf Frauen, auch bei „Hit the road Jack“ treffen sie jeden Ton, und damit auch die Stimmung des Originals. Nicht zuletzt beim glänzend intonierten finalen Decrescendo.

Dann taucht das gelbe U-Boot der Beatles auf, und die drei Tenöre Heinz Hofmann, Ingo Lemme und Klaus Ullrich tauchen ab. Vorerst zumindest, denn zum hinreißenden „Only you“ sind sie wieder an Bord. Farbenprächtig, atmosphärisch dicht und entkernt von allzu überladendem Beiwerk, legt die „Schola Cantorum“ die musikalische Struktur frei, lässt das Publikum in die Komposition und ihren Aufbau blicken, oder besser lauschen.

Das Konzert endet wenig spektakulär mit einem fein austarierten und zurückhaltenden, doch nicht weniger prägnanten Negro Spiritual. Der nächste Auftritt der „Schola Cantorum“ füllt dann hoffentlich den Rathaussaal bis auf den letzten Platz. Denn ein Vokalensemble solcher Qualität verdient ein zahlreicheres Publikum. Die Forchheimer Musikszene, besonders die vokale, ist seit diesem Abend um ein sängerisches Kleinod reicher geworden. 

UDO GÜLDNER

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