Mittwoch, 14.11.2018

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Pretzfelder Kirschenfest feiert 50. Geburtstag

Rückblick auf die Anfänge - "Ein echtes Fest für die Bevölkerung" - 10.07.2018 09:00 Uhr

Das Kirschenfest ist ein Ereignis für die Bevölkerung und ein Besuchermagnet für Touristen, wobei auch die Bürgeremeister aus Nürnberg gern vorbeischauen. © Foto: Marquard Och


Der 85-jährige Theo Haas kann sich noch gut an das allererste Kirschenfest erinnern. Er war Ideengeber und hat entscheidend mitgeholfen, dieses allererste Kirschenfest im größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands zu veranstalten. "Das war alles viel bescheidener und kleiner", erinnert er sich an die Anfangszeit. Der inzwischen seit vielen Jahren übliche fünftägige Veranstaltungsreigen lag damals noch in weiter Ferne.

Die Nutzung des eigentlichen Festgeländes im Kellerwald reicht aber noch viel weiter zurück als das Kirschenfest, weiß der Pretzfelder Altbürgermeister Walter Zeißler. Er hat bis zum heutigen Tag kein einziges dieser Kirschenfeste versäumt.

"Da ist nie eines ausgefallen, auch nicht bei Regen oder Gewitter." Der Kellerwald war an Sommersonntagen ein beliebtes Ausflugsziel der Pretzfelder. "Links vom heutigen Festgelände ist früher Sandstein abgebaut worden."

Im Kellerwald gab es früher über 30 Keller. In diesen waren vor langer Zeit Essensvorräte wie Kraut und Kartoffeln, später auch Bier gelagert worden. Der spätere Festplatz sei früher "ziemlich verwildert" gewesen. In "Handarbeit" hätten diesen Mitglieder vom Fränkische-Schweiz-Verein sowie "einige Gemeinderäte" freigelegt. Dann wurde der Platz planiert. Um eine große Linde herum seien Bänke aufgestellt worden.

Beim ersten Kirschenfest wurden die gespendeten heimischen Süßkirschen für einen guten Zweck verkauft. Zeißler: "Der Erlös diente zur Renovierung der Anna-Kapelle."

Festzüge erst später

Die heute so beliebten Festzüge habe es laut Zeißler "nicht von Anfang an gegeben". Immer mehr Besucher kamen zum Jahresfest der Pretzfelder "Kerschtnzupfer" (Hochdeutsch: "Kirschenzupfer").

Rund 30 Jahre lang hat sich Altbürgermeister Zeißler um das Aufstellen der Festzüge gekümmert — zuerst als Gemeinderat und später als Gemeindeoberhaupt. Heuer hat dieser rund 1000 Teilnehmer. Immer ausgefeilter wurde das Programm. Beim allerersten Festumzug marschierte noch die Waischenfelder Blasmusik voran. Heutzutage ist das Musikprogramm deutlich vielfältiger. Es reicht vom Musikverein Pretzfeld beim Festauftakt des Jubiläumskirschenfest bis hin zu den Leutenbacher Musikanten, der "Knallerband Gerchli" und "Aeroplane".

Mit seiner Sing- und Volkstanzgruppen und Gastauftritten befreundeter Trachtengruppen sorgte die Organisatoren des Pretzfelder Kirschenfestes von Jahr zu Jahr für steigende Besucherzahlen. Schließlich musste die Gemeinde dorthin sogar die Zufahrt verbessern. 1993 wurde 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Im Jahr 2006 wurden bei diesem größten Pretzfelder Gemeindefest sage und schreibe 5000 Besucher gezählt.

In den ersten Jahren des Kirschenfestes wurden von privaten Kellerbesitzern Bänke vor den eigenen Kellereingang gestellt und Bier verkauft. Aber schon bald hat die Gemeinde selbst die Getränkeversorgung übernommen. "Wir konnten das aber schließlich nicht mehr stemmen und haben das an einen Festwirt vergeben", so Bürgermeisterin Rose Stark.

Sie weiß, wie wichtig das Kirschenfest für ihre Kommune ist. "Das ist ein echtes Fest der Bevölkerung." Nicht nur Bürger und Bürgermeister aus Nachbarkommunen, aus Nürnberg oder Bamberg kämen. Selbst Berliner Urlaubsgäste würden beim fränkischen Kirschenfest regelmäßig mitfeiern.

Natürlich klappte in dieser Zeit nicht immer alles wie am Schnürchen. Walter Zeißler rückblickend: "Beim Besuch des damaligen Landwirtschaftsministers Eisenmann schoss eine Böllergruppe Salut." Eisenmanns Leibwache wusste davon nichts und witterte sogar einen "Terroranschlag". Nach ein paar Schrecksekunden konnte das Missverständnis aufgeklärt werden.

Minister beim Frühschoppen

Beim diesjährigen Besuch von Innenminister Joachim Herrmann zum Jubiläumsfest ist man mit Sicherheit besser vorbereitet. Aus Termingründen marschiert der Minister aber nicht beim Festzug mit, sondern kommt zum Gottesdienst. Anschließend nutzt er im Wahlkampfjahr die Gelegenheit und spricht beim Frühschoppen.

Weniger prominent, dafür aber mit (noch) mehr Herzblut beim Kirschenfest dabei sind vier Traktorfahrer. Sie legen die lange Anfahrt von der Partnergemeinde Bretzfeld bis zum Pretzfelder Kellerberg auf ihren Traktoren zurück und feiern dann bestimmt mächtig mit. 

FRANK HEIDLER

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