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Protest für „Armin“

Kinder und Eltern setzen sich für Jugendpfleger ein - 03.02. 10:00 Uhr

POXDORF  - Die Bürgerversammlung stand ganz im Zeichen des Protestes vieler Bürger gegen das unlängst vom Gemeinderat beschlossene Ende der gemeindlichen Jugendarbeit.

Mit Protestplakaten kamen Kinder in die Bürgerversammlung in Poxdorf.
Mit Protestplakaten kamen Kinder in die Bürgerversammlung in Poxdorf.
Foto: Dagmar Niemann
Mit Protestplakaten kamen Kinder in die Bürgerversammlung in Poxdorf.
Mit Protestplakaten kamen Kinder in die Bürgerversammlung in Poxdorf.
Foto: Dagmar Niemann

Drangvolle Enge herrschte in der großen Gaststube des Sportheims in der Jahnstraße, wo traditionsgemäß die Bürgerversammlungen in Poxdorf stattfinden. Trotz der schneidenden Kälte hatten sich gut 100 Bürgerinnen und Bürger eingefunden, um sich über den Fortgang der Baumaßnahmen im Dorf, über die missliche Haushaltslage und den Hochwasserschutz, vor allem aber über das Ende der nicht vereinsgebundenen gemeindlichen Jugendarbeit Informationen aus erster Hand zu beschaffen.

Im Wechsel mit Geschäftsstellenleiter und Kämmerer Andreas Pfister legte Bürgermeisterin Gunhild Wiegner ihren Rechenschaftsbericht für das Jahr 2011 vor.



Nach der Behandlung der ersten Punkte drängten sich weitere unerwartete Besucher in den Raum: Mehr als 20 Kinder hielten Plakate hoch, die ihre Solidarität mit Jugendpfleger Armin Stingl und ihren Protest gegen die Beendigung seines Beschäftigungsvertrages zum Ausdruck brachten. Da die Kinder gerne bleiben wollten, bis der Punkt „Jugendpflege“ abgehandelt würde, zog Bürgermeisterin Wiegner auf Vorschlag aus der Zuhörerschaft diesen Punkt wie auch die Diskussion darüber vor.

Armin Stingl berichtete über seine Arbeit und kündigte noch Ferienprogramme für die Oster- und Pfingstferien sowie einige Einzelprojekte bis zum Ende seiner Beschäftigungszeit an. Dann eröffnete die Bürgermeisterin die Diskussion mit der Frage: „Braucht Poxdorf Jugendpflege?“

Zahlreiche Bürger sprachen sich eindeutig dafür aus: „Man sollte in die Zukunft der Kinder investieren.“ (Reiner Pracht). „Die Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde St. Georg funktioniert wunderbar, das sollte man nicht aufs Spiel setzen.“ (Gemeindereferentin Margit Kaiser). „Sparen müssen wir, aber nicht an der falschen Stelle, nicht bei unserer Jugend. Außerdem ist die Vernetzung durch den Zweckverband mit den beiden anderen Gemeinden auch noch ein Wert.“ (Monika Martin). „In den meisten Gemeinden im Landkreis überwiegt die ältere Bevölkerung. Gerade für die sollte es aber auch Jüngere als Ansprechpartner geben. Auch deshalb sollten wir überlegen, wie wir Jüngere halten und wie wir unsere Dörfer für junge Familien attraktiv machen können.“ (Wilmya Zimmermann).

Auch Kontra

Aber es gab auch Gegenstimmen: „Man kann doch nicht einfach darüber hinwegsehen, dass die Haushaltslage extrem angespannt ist. Und 2012 wird das alles noch viel, viel schlimmer.“ (Paul Steins). „Ich möchte erklären, warum ich mich gerade auch als Jugendbeauftragter gegen die Vertragsverlängerung des Jugenpflegers ausgesprochen habe. Auch ich will die Ansiedlung junger Familien in Poxdorf fördern, aber eine so hohe Verschuldung kann ich nicht verantworten.“ (Thomas Heilmann).

Dann bezog Hannah Gawehns im Namen einer Elterngruppe Stellung. Diese Eltern ersuchen den Gemeinderat, die Entscheidung, den Jugendpfleger nicht über den Sommer 2012 hinaus zu beschäftigen, zurückzunehmen, alternative Finanzierungsmöglichkeiten eingehend zu prüfen und dann eine andere Entscheidung zu treffen, denn „die bisher geleistete Arbeit und die Vernetzung mit den Nachbargemeinden darf nicht zunichte gemacht werden. Kinder und Jugendliche kehren ihrem Heimatdorf nicht den Rücken wegen der gemeindlichen Haushaltslage, sondern weil es dort keinen Raum für ihre Bedürfnisse und keinen verständnisvollen Ansprechpartner gibt. Jugendarbeit trägt dazu bei, junge Menschen von sozial unerwünschtem Verhalten wie Besäufnisse und Vandalismus abzuhalten. Jugendarbeit ist ein wesentlicher Standortfaktor für Familien bei ihrer Entscheidung über einen dauerhaften Wohnsitz. Und Jugendarbeit kann mit dazu beitragen, dass Jugendliche nicht in die Fänge radikaler Gruppierungen geraten, die deren Bedürfnis nach Rückzugsorten und Gemeinschaft ansprechen.“

Unterschriften übergeben

Hannah Gawehns übergab der Bürgermeisterin eine Liste mit 150 Unterschriften, die in der letzten Woche gesammelt worden waren. Die Unterzeichner bitten ebenfalls darum, dass der Gemeinderat seine Entscheidung nochmals überdenkt, da „es nicht angehen könne, dass Poxdorf als eine der einkommensstärksten Gemeinden im Landkreis die Mittel für Kinder und Jugendarbeit nicht aufbringen will“.

Dazu noch einige Zahlen aus dem Rechenschaftsbericht von Bürgermeisterin Wiegner für 2011: Der Pro-Kopf-Schuldenstand in Poxdorf liegt bei 215 Euro (Landesdurchschnitt 655 Euro, Kreisdurchschnitt 980 Euro), der Gesamtschuldenstand beläuft sich auf 325792 Euro. Einer Grafik ist zu entnehmen, dass 2004 Schulden in Höhe von 850645 Euro vorlagen. Diese sind inzwischen deutlich abgebaut worden, werden aber im kommenden Jahr wegen der Investitionen der Gemeinde in Bauprojekte wie das Rathaus/Feuerwehrhaus, energetische Sanierung, Brandschutz und Umbau der Schulturnhalle zur Versammlungsstätte sowie den Hochwasserschutz wieder steigen. 



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