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Rätsel um toten Bruder: Französische Autorin in Forchheim

Charlotte Erlih las für Gymnasiasten aus ihrem Roman - 01.02.2017 06:00 Uhr

Die französische Jugendbuchautorin Charlotte Erlih stellte sich in Forchheim den Fragen von rund 150 Schülern, nachdem sie aus ihrem Roman „20 Fuß unter der Erde“ vorgelesen hatte. © Foto: Martin Regner


Im Mittelpunkt der Handlung steht das Mädchen Manon, dessen Bruder Théo auf den Schienen eines Pariser U-Bahn-Schachts an einem Stromschlag stirbt. Wie es das Titelbild des Buches – eine farbverschmierte Hand, die eine Spraydose hält – verrät, trieb sich Théo vor seinem Tod in der Szene der Graffitisprayer herum.

Der Titel „20 pieds sous terre“, so verriet es Charlotte Erlih in Forchheim, ist ein Wortspiel: Er greife die englische Redewendung „six feet under“ auf, die bedeutet, dass jemand tot ist. Im Deutschen kommt „Radieschen von unten“ dem wohl am nächsten. Andererseits sind 20 Fuß etwas mehr als sechs Meter, was laut Erlih in etwa der Tiefe eines Pariser U-Bahn-Schachts entspricht.

Außerdem habe sie sich bei der Titelfindung von Jules Vernes weltbekanntem Werk „20.000 Meilen unter dem Meer“ inspirieren lassen, erklärte die Autorin. In dem Buch bezweifelt das Mädchen Manon die offizielle Version der Polizei, nach der Théos Tod ein Unfall war, und steigt in die Sprayerszene ein, um das Geschehen aufzuklären. Dass Théos geheim gehaltene Homosexualität eine wichtige Rolle spielt, ist realen Geschehnissen in Frankreich seit 2013 geschuldet: Damals wurde dort die Homo-Ehe legalisiert. Als Erlihs 2014 erschienener Roman entstand, habe es in Frankreich eine gesellschaftliche Debatte gegeben; Homosexuelle seien verbal und körperlich angegriffen worden.

13 Stunden schreiben pro Tag

Sie sitze manchmal 13 Stunden am Tag beim Schreiben, erklärte Erlih ihrem Forchheimer Publikum außerdem. Davon allein könne sie nicht leben, meinte sie auf Nachfrage. Quasi nebenbei arbeitete sie auch noch an Comics, schreibe Drehbücher für Filme und führe Regie. Die Veranstaltung am Herder-Gymnasium war Teil des Lesewettbewerbs „Prix des lycéens allemands“, einer Initiative, die es deutschen Schülern ermöglichen soll, französische Jugendautoren zu treffen und zu sprechen.

Eine Gelegenheit, die in Forchheim rege genutzt wurde: Charlotte Erlih befindet sich gerade auf einer Tour durch Bayern, so Fabrice Gonet, der Erlih als Sprach- und Bildungsattaché des „Institut Français“ begleitete. Zu dem Termin am Herder-Gymnasium reiste die 38jährige Autorin aus München an und machte sich noch am selben Tag weiter auf den Weg nach Kitzingen in Unterfranken. 

Martin Regner

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