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Rekordjahr für Zwetschgenbauern ist angebrochen

Mit der Ernte im Landkreis Forchheim wurde drei Wochen früher begonnen - 17.08.2018 06:00 Uhr

Prall, blau, saftig und süß, alles zusammen sind die Zwetschgen, bei deren Kontrolle Herbert Hubmann von der Absatzgenossenschaft assistiert. © Foto: Roland Huber


Nachtblau schimmern sie durch die Zweige, füllen die Körbe und finden auf den Großmärkten reißenden Absatz: Die fränkischen Zwetschgen, die in diesem Jahr früher, süßer — und obendrein preiswerter zu haben sind.

Die Gründe für die reiche Ausbeute sind frühe Blüte und lange Trockenzeit. Während andere Pflanzen und Bäume Köpfe und Kronen hängen lassen, haben die Zwetschgenbäume den schwierigen Sommer unbeschadet überstanden. "Na ja, die Früchte sind kleiner als sonst", weiß Herbert Hubmann, Geschäftsführer der Fränkischen Obstabsatzgenossenschaft, auch hier einen kleinen Wermutstropfen zu träufeln.

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Klein, süß, fruchtig: Zwetschgenbauern freuen sich über Rekordernte

Über 400 Tonnen - die Zwetschgenbauern in der Region dürfen sich über ein absolutes Rekordjahr freuen. Noch nie gab es mehr Früchte für die Landwirte zu ernten. Hier kommen zuckersüße Bilder, die jedem Feinschmecker das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.


Dankbare Hauszwetschge

Dabei sind die Zwetschgen vielfach noch qualitätvoller, weil sie nicht aufgeplatzt sind. Außerdem sind die Früchte in diesem Jahr so gut wie nicht madig. "Ich habe heuer noch keine wurmige Zwetschge in der Hand gehabt", bestätigt Hubmann.

Die Fränkische Schweiz ist Zentrum des bayrischen Zwetschgenanbaus. Pretzfeld, Igensdorf, Mittelehrenbach sind die Ortschaften mit Großmarkthallen, aber die blauen Früchte, wobei es sich hauptsächlich um die fränkische Hauszwetschge handelt, sind überall anzutreffen. Vielfach gibt es sogar uralte Baumbestände, deren Früchte gar nicht mehr geerntet werden.

Laut Statistik gibt es in Bayern eine Baumobstanbaufläche von 2824 Hektar, davon 622 in Oberfranken. 13,1 Prozent davon sind mit Zwetschgenbäumen bepflanzt. Herbert Hubmann spricht von insgesamt etwa 1000 Obstbetrieben in der Fränkischen Schweiz, 400 davon bauen hauptsächlich Zwetschgen an und pflegen den Bestand an Bäumen auch. Die Zwetschge ist nach der Süßkirsche die wichtigste Frucht in den oberfränkischen Betrieben und sie erlebt jetzt in diesen Tagen ihre große Zeit.

Man kann jetzt schon von einem Rekordjahr sprechen. Die Obstabsatzgenossenschaft rechnet mit gut 1000 Tonnen der blauen Früchte; im vorigen Jahr hatte man aufgrund der Ausfälle durch den Frost während der Blütezeit nur etwa 600 Tonnen Früchte in den Verkauf gebracht.

Auerbacher, Schönberger, Ortenauer heißen die hier gebräuchlichen Sorten die schon seit einigen Tagen von den Bäumen geholt werden, sie weisen eine relativ längliche Form auf. Zur Zeit ist die Sorte "Jojo" dran und in der kommenden Woche ist die überall vorzufindende Hauszwetschge mit ihrer ovalen Form reif. Die Hauszwetschge wird etwa so groß wie ein kleines Hühnerei und hat süßes, goldgelbes Fruchtfleisch.

Das "blaue Gold" Frankens wird wie eh und je eingebracht, indem die Leiter unter den Baum gestellt wird. Wer in der Familie kraxeln kann ist angehalten, bei der Ernte mitzumachen. Saisonale Erntehelfer sind bei der Obsternte nur in geringem Maße im Einsatz, sagt Hubmann, "hie und da ist vielleicht einer anzutreffen, aber hier sind Zwetschgen noch Familiensache".

Auf die Öchsle kommt es an

Der Reifezustand der Früchte lässt sich an der Farbe, an ihrem weißlichen Duftfilm festmachen, der sie vor dem Austrocknen schützt. Die Zwetschgen werden vom Baum in Ein- und Zwei-Kilo-Körbchen abgepackt und kommen hauptsächlich auf Groß- und Frischmärkte, wo sie für den Frischverzehr in den Handel gelangen.

Weil das Angebot die Nachfrage und den Preis regelt, sind die Zwetschgen in diesem Jahr für den Verbraucher etwas günstiger zu haben. Das Kilo kostet etwa 1,50 Euro, der Anbauer erhält davon etwa 80 Cent. "Die Preise verändern sich von Woche zu Woche", so der Geschäftsführer der Genossenschaft. Herbert Hubmann kontrolliert täglich die angelieferte Ware auf Größe und Qualität, bevor sie auf die Märkte kommt.

Sogar im Rekordjahr findet er noch einen klitzekleinen negativen Aspekt. Aufgrund der langen Trockenheit sind die Früchte etwas kleiner ausgefallen. Dass sie dann einen besonders guten Zwetschgenbrand ergeben, mag Herbert Hubmann nicht gelten lassen: "Nicht alle Zwetschgen sind vom Geschmack her zum Brennen geeignet", wehrt er ab, "die Früchte haben dann oft nicht den notwendigen Öchsle-Grad, weil die entsprechende Süße fehlt".

In früheren Jahrzehnten brauchte man die fränkischen Hauszwetschgen hauptsächlich für den Schnaps. Hier hat sich der Qualitätsanspruch erheblich verändert. Man wählt sorgfältig aus, um sortenreine Brände anbieten zu können. Allerdings wird weniger gebrannt, seit Ende 2017 das alte Steuergesetz abgelaufen ist, bei dem quasi in Naturalien bezahlt werden konnte. Jetzt müssen die Schnapsbrenner mit Bargeld ihre Steuern entrichten, das setzt mehr Zwetschgenwasser voraus.

Das sollte den Genuss an den saftig-süßen violettblauen Zwetschgen nicht nehmen. Jede Frucht frisch vom Baum ist ein Vitaminspender mit viel Kalzium, Kalium, Phosphat und Eisen. Frischer Zwetschgenkuchen, lauwarm gegessen, ist einfach eine Delikatesse.

Wie die Kirschenernte in diesem Jahr verlief, lesen Sie hier. 

Ursula Persak

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