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Samstag hat mehrere heiße Eisen im Feuer

Das Publikum hat die Wahl: Autofrühling, lange Einkaufs- und lange Museumsnacht locken in die Innenstadt - 17.05.2012 11:37 Uhr

Vor zwei Jahren begeisterten diese feurigen Künstlerinnen das Publikum in der Kaiserpfalz.

Vor zwei Jahren begeisterten diese feurigen Künstlerinnen das Publikum in der Kaiserpfalz. © Roland Huber


Bayern München spielt am Samstag ab 20.45 Uhr gegen den FC Chelsea London um die Krone der europäischen Fußball-Königsklasse, der Champions League. Derweil lädt die Kaiserpfalz unter dem Motto „Fränkisch! Was sonst?“ in ihre historischen Mauern zu Kunst, Krimi, Trachten und Musik ein. Während gleichzeitig innerhalb der alten Stadtmauern die meisten Geschäfte bis Mitternacht ihre Türen geöffnet halten und ihre Waren feilbieten dürfen.

Wächst hier im zweiten Versuch zusammen, was vielleicht gar nicht zusammen gehört? Oder passt das ehemals so genannte „Midnight Shopping“ gerade so gut zur Sonderausgabe der Kulturpfalz wie der süße Senf zur Weißwurscht?

Mehr Besucher gezählt

Jedenfalls zählte die Kaiserpfalz bei Ausgabe Nummer eins des Kombi-Events vor zwei Jahren deutlich mehr Besucherinnen und Besucher als in den Jahren zuvor in der Rolle als Einzelkämpfer. Letztes Jahr hingegen wurde das altehrwürdige Gemäuer auch ganz ohne die Möglichkeit des Stadtbummels erstürmt.

Am Samstag bekommt die Stadt aber noch eine weitere Attraktion zu sehen: Der 4. Forchheimer Autofrühling präsentiert zwischen 10 und 18 Uhr Autos, Motorräder, Zubehör und Dienstleistungen rund ums Auto und Zweirad auf dem Parade- und dem Rathausplatz.

Wer sich jetzt wundert, warum plötzlich alles auf einmal kommt: Da steckt System dahinter.

Zuerst kam die Lange Museumsnacht. Mit ihrer siebten Ausgabe hat sie quasi schon Tradition. Es geht darum, die Kaiserpfalz und die dort befindlichen Museen zu ungewöhnlicher Zeit und mit ungewöhnlichem Rahmenprogramm einem breiteren Publikum zugänglich, man könnte auch sagen: schmackhaft zu machen. Vorbilder dafür finden sich in vielen anderen Städten. Dass hier nächtens ein Publikum unterwegs ist, das vielleicht nicht so sehr auf den Cent schaut und dessen Portemonnaie an diesem Abend gleichzeitig nicht fest verschlossen bleiben muss, hat vor zwei Jahren die Werbegemeinschaft als organisierte Vertretung des Einzelhandels entdeckt. Und sich an die Museumsnacht gehängt.

Wobei zu beachten ist: Die Regierung von Oberfranken genehmigte die Lange Einkaufsnacht nur unter der Voraussetzung, dass sie sich an ein kulturelles Ereignis kettet — Kultur als Lok, Konsum als Passagierwagen, gewissermaßen.

Stefan Schick, Sprecher der Werbegemeinschaft, zieht als Einzelhändler die Lange Einkaufsnacht sogar dem verkaufsoffenen Sonntag vor: „In der Einkaufsnacht ist die Stadt zwar nicht so voll wie beim verkaufsoffenen Sonntag, aber der Umsatz ist trotzdem besser.“ Weil mehr gekauft wird, während es sonntags vor allem um „sehen und gesehen werden“ gehe.

Die meisten Forchheimer Geschäfte schließen samstags spätestens um 16 Uhr. Die Kunden wissen das und stellen ihre Einkäufe daher rechtzeitig vorher ein — oder verlagern sie gleich in die nächstgelegenen Großstädte. Um diese Kapitalflucht kommenden Samstag zu bekämpfen, wurde der Forchheimer Autofrühling von 10 bis 18 Uhr bestellt. Am Rathausplatz und in der Sattlertorstraße, so Schick, werden die Autohändler ihre Karossen sogar bis spät in die Nacht stehen und bewundern lassen. So wird einerseits der befürchteten Umsatzlücke zwischen 16 und 20 Uhr begegnet, andererseits könne das Publikum von hier aus gleich weiterlaufen in die Kulturpfalz.

Übrigens präsentieren sich im Rahmen des Autofrühlings auch die Nordbayerischen Nachrichten und die Nordbayerische Zeitung auf dem Paradeplatz. Während die NN Zeitungstitelseiten mit dem eigenen Foto anbieten, schenkt die NZ kostenlos Kaffee aus.

Punkige Trachten

In der Langen Museumsnacht wird von 20 bis 1 Uhr dem „Fränkischen“ auf verschiedenen Feldern nachgespürt: Sprache, Literatur und Theater, Film und Musik, Kleidung und Essen. Dass eine Tracht nicht altbacken sein muss, verspricht Museumsleiterin Susanne Fischer: „Unsere Trachtenmodenschau zeigt die modernen und punkig-schrillen Entwürfe der Volkskundlerin Sandra Müller. Diese Mode beweist, dass unsere fränkische Tracht für junge Frauen tragbar ist. Das ist der Gegenentwurf zu den oberbayerischen Dirndln, die man jetzt bei uns auf jedem Volksfest sieht.“

Kinder können von 20 bis 22 Uhr eine Rallye durch das Trachtenmuseum mitmachen. „Wortsammler“ schickt das StaTTTheater durchs Haus. Fränkische Redewendungen und Begriffe werden eingesammelt, pantomimisch umgesetzt und müssen erraten werden.

Autoren in der Roten Mauer

Im Innenhof spielt das Freie Fränkische Bierorchester Hof fränkische Musik, instrumentiert auch mit Dudelsack und afrikanischer Djembe. Die fränkischen Krimi-Autoren Tessa Korber, Luc Bahl, Petra Nacke und Christian Klier lesen im neuen Erlebnismuseum Rote Mauer aus ihren Werken.

Märchen und Sagen aus der Fränkischen Schweiz bringt die Märchenerzählerin Barbara Maikranz Kindern und Erwachsenen ins Stadtmuseum mit. Für Großeltern und Enkel hält Agil Bamberg im Pfalzgraben eine Überraschung bereit: Ein „Fränkische-Schweiz-Memory“, bei dem die beiden Parteien gegeneinander antreten.

Stadtarchivar Rainer Kestler präsentiert den Film „Die Fränkische Schweiz“ von 1934. Typisch fränkisches Essen zeigt die lebensfrohe Seite der Franken, für dieses sorgt Uwe Koschyk.

Und der Fußball? Sollte es zu Verlängerung und Elfmeterschießen kommen, dürfte spätestens gegen 23.20 Uhr der Sieger feststehen. Dann bleiben noch 100 Minuten für die Museumsnacht, aber nur 40 Minuten für die Einkaufsnacht... 

VON ULRICH GRASER

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