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Knapp ein Jahr ist es jetzt her, dass der Recycling-Unternehmer Roland Belz viel zu früh einer heimtückischen Krankheit erlegen ist. Er hatte noch viel vor und hat somit der Witwe, Architektin von Beruf, jede Menge Aufgaben hinterlassen, die sie auf Dauer überfordern mussten. Deshalb ist sie jetzt dabei, die verschiedenen Bereiche neu zu ordnen. In einem Gespräch mit den Nordbayerischen Nachrichten hat sie ihre wichtigsten Entscheidungen dargelegt.
Das ehrgeizigste Vorhaben von Roland Belz war die Revitalisierung von Schloss Frankenberg nahe Scheinfeld, wo er auf einem weit ins Land grüßenden Berg Landwirtschaft und Weinbau betreiben, sowie touristische Betriebe vom Ausflugslokal bis zum Luxus-Schlosshotel aus- und aufbauen wollte. Sein Denkmalschutz-Konzept ist dabei allenthalben auf größte Anerkennung gestoßen.
Obwohl das Amtshaus inzwischen fertig umgebaut und auch schon als Café in Betrieb war, hat Irmgard Belz die „Landrefugium Schloss Frankenberg GmbH & Co. KG“ mit Wirkung zum 31. Januar 2012 stillgelegt. Ihrer Meinung nach ergibt es wirtschaftlich nur einen Sinn, wenn es ganzheitlich vermarktet werden kann. Dies ist aktuell jedoch nicht möglich, weil das Ausflugslokal erst im Rohbau fertig ist und die Schloss-Sanierung noch nicht einmal begonnen ist. Hier hofft sie, dass sich der Traum ihres Mannes zusammen mit einem Investor erfüllt. Sie allein sei damit überfordert, weil es mit dem Umbau alleine nicht getan sei. Viel schwieriger seien hier ein Konzept und der spätere Betrieb.
Die Landwirtschaft und der Weinbau auf Schloss Frankenberg würden dagegen weitergeführt, das vorher schon bestehende Schloss-Restaurant stehe zusammen mit der inzwischen sanierten Kapelle für geschlossene Veranstaltungen zur Verfügung. Auch die Ferienwohnungen würden weiter vermietet.
Stillgelegt wird zum 29. Februar 2012 auch die Aaglander-Produktion in Kühlenfels. Irmgard Belz freut sich, dass mit dem Hotelier Richard Gebert aus Prichsenstadt ein Investor aus Franken gefunden werden konnte, der die Idee der Motorkutschen weiterleben will. Der Eigentümer des Tagungs- und Event-Hotels „Freihof“ hat die Vermögensgegenstände in der vergangenen Woche erworben. Er prüft momentan, ob und wie er den Standort in Kühlenfels in die unternehmerischen Handlungen seiner neu gegründeten Firma einbinden kann. Aus emotionalen Gründen hat sich Irmgard Belz auf alle Fälle die beiden ersten Aaglander gesichert.
Die Architektin will in Kühlenfels auch die Leidenschaft ihres verstorbenen Mannes, den Reit- und Fahrbetrieb, zusammen mit dem Reit- und Kutschfahrlehrer Jörg Wildung professionell fortsetzen. Aktuell stehen sechs Fahrpferde im Stall, darunter zwei Andalusier, mit denen Wildung Zweier- und Vierergespann fährt, für Hochzeiten und diverse Veranstaltungen. Am Sonntag erst nahm er am Braunschweiger Faschingsumzug teil und hat dort mit den Pferden Aventurero und Kintero vor laufenden Kameras den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff in Form einer Pappfigur „heimgefahren“.
Schloss Kühlenfels soll auch künftig zu besonderen Anlässen für die Öffentlichkeit zugänglich sein. so wurde für den Samstag, 21. Juli, schon die Aufführung der Komödie „Tartuffe“ mit dem Fränkischen Theatersommer vereinbart. Auch einen Weihnachtsmarkt auf Schloss Kühlenfels kann sich Irmgard Belz wieder vorstellen, hat doch diese Veranstaltung nicht unwesentlich zum Zusammenhalt des Dorfes beigetragen.
Halfen hier praktisch alle Einwohner für einen guten Zweck mit — der Erlös ging unter anderem an die NN-Aktion „Schmücken & Helfen“ —, so will die Witwe die aufopferungsvolle und ehrenamtliche Pflege der Fischweiher im Klumpertal nicht länger von den Helfern verlangen. Der Pachtvertrag mit der Kirchenstiftung wird deshalb im April 2012 beendet. Damit ist auch das Fernziel von Roland Belz, den früheren Landschaftsgarten Klumpertal wieder aufleben zu lassen, Geschichte.
Wichtig ist Irmgard Belz auch ein unverändert gutes Verhältnis zu Laurenz, dem Sohn aus einer ersten Beziehung von Roland Belz, auch wenn der studierte Betriebswirtschaftler beruflich nunmehr in Zürich tätig ist. Sie hatte es einst geschafft, Vater und Sohn nach Jahren der Trennung wieder zusammenzubringen, was Roland Belz nach eigenen Aussagen zu Tränen gerührt hat. Deshalb sei es für sie selbstverständlich, Laurenz mit Rat und Tat auf seinem beruflichen Lebensweg zu begleiten und mit ihm auch alle unternehmerischen Entscheidungen gemeinsam zu treffen.
Irmgard Belz verhehlt nicht, dass das vergangene Jahr nicht leicht für sie war. „Es war für mich geprägt von der Aufarbeitung und Strukturierung des Nachlasses meines vor knapp einem Jahr verstorbenen Mannes. Er hat mich nicht nur zur Unternehmerin gemacht, sondern mir auch viele Ideen und begonnene Vorhaben hinterlassen. Nun bin ich dabei, die in Zukunft für mich persönlich entscheidenden Projekte herauszufiltern. Künftig plane ich, mich wieder verstärkt meinem eigenen Beruf zu widmen und mich wieder stärker in meinem Kühlenfelser Architekturbüro einzubringen. Der Schwerpunkt bleibt hier weiterhin die Denkmalpflege.“
Die millionenschwere Sanierung des ältesten Anwesens in Forchheim wird demnächst mit der Eröffnung eines Lokals abgeschlossen. Der geplante Umbau des Hösch’n-Kellers am Fuß des Pegnitzer Schlossbergs zu einem Wein-Bistro dagegen ist ad acta gelegt. Interessenten können das Objekt erwerben, samt der fertigen Umbaupläne.
