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Städtebau: Gößweinstein entwickelt seine Zukunft neu

Wohnraum auf dem Hallenbadgelände ist möglich - Lang stimmt dagegen - 19.07.2018 15:00 Uhr

Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (rechts) zeigt auf dem Parkplatz des Hallenbades mit ausgestreckten Armen wohin es in Gößweinstein in den nächsten 15 Jahren gehen könnte. © Foto: Thomas Weichert


Nun ist es fertig, der Isek-Plan für den Hauptort Gößweinstein der gleichnamigen Marktgemeinde. Gemeinsam mit einigen Bürgern hatte der Marktgemeinderat mit den Experten Roland Wölfel und Sylvia Auerswald vom Forchheimer Büro CIMA ein altes Konzept überarbeitet. Städteplaner Hartmut Holl hatte dieses bereits vor acht Jahren angefertigt. Herausgekommen ist nun ein Orientierungsrahmen für die nächsten 15 Jahre. Wölfel und Auerswald präsentierten das Ergebnis während der Marktgemeinderatssitzung.

Ex-Bürgermeister Georg Lang (CSU) meldete sich jedoch danach zu Wort und erklärte, dass er das Ganze nun doch nicht mittragen könne. Als einzig Positives stellte Lang fest, dass man nun auf dem Hallenbadgelände tatsächlich Wohnraum schaffen wolle. Bedauerlich sei schon gewesen das sich am Workshop im Hotel Stempferhof so wenig Bürger beteiligt hätten.

Dass im neuen Gutachten von einem hohen Verkehrsaufkommen durch Gößweinstein die Rede ist, hält Lang für falsch. "Es ist eher ein geringer Verkehr." So lange durch den Ort eine Staatsstraße führt, macht es für Lang auch keinen Sinn, etwas anderes zu planen — wie etwa die Neugestaltung des Marktplatzes und die Schaffung von drei angedachten Eingangs- und Infobereichen mit Parkplätzen, Toiletten, E-Auto-Ladesäulen oder freiem Internetzugang am Höhenschwimmbad, dem Friedhof und dem Steinackerparkplatz.

Reisebusse dürfen nicht vor Basilika halten

Priorität habe für ihn die Umgehungsstraße, damit der Durchgangsverkehr umgeleitet und aus dem Ort verbannt werden könne. Nur dann würden Parkplätze an den Ortseingängen Sinn machen. Das nach dem neuen Konzept auch Reisebusse nicht mehr bis vor die Basilika fahren und dort halten können, hält Lang für "schwierig". Denn ein Hochlaufen von den Parkplätzen bis zur Basilika sei für beeinträchtigte Menschen nicht machbar. In diesem Punkt gab ihm Busunternehmer, Kreis- und Gemeinderat Rainer Polster (FWG) recht. "Wenn Busse nicht mehr ins Zentrum fahren können, kommen auch keine Senioren mehr." Denn gerade die Senioren seien das Klientel, dass die Basilika besuche.

Auch mit dem geplanten Umzug der Verwaltung vom alten Rathaus in der Burgstraße ins katholische Pfarrhaus am Marktplatz kann sich Lang nicht anfreunden. Steht das alte Rathaus erst einmal leer wird es nach Langs Meinung auf Dauer so viel Geld kosten wie das Hallenbad. "Ich sehe die Gefahr, dass sich der Markt Gößweinstein überhebt", warnte er. Lang hält so manches im neuen Konzept nicht für realistisch. So mancher seiner Ratskollegen blickte nach seiner ersten Wortmeldung verwundert drein.

Bis dritter Bürgermeister Georg Bauernschmidt (SPD) das Wort ergriff und erklärte, dass das nun vorliegende Entwicklungskonzept das Ergebnis der zweitägigen Klausurtagung sei, in der man dieses selbst erarbeitet habe. "Deshalb kann ich diese Kritik nicht ganz verstehen", sagte Bauernschmidt, an Lang gewandt. Die Aufenthaltsqualität in Gößweinstein wäre natürlich besser, hätte man die Ortsumgehung schon, so Bauernschmidt. Schneller käme sie jedoch, wenn man mit kleinen Schritten für eine Verbesserung sorge. Bernhard Vogel (SPD) hielt das neue Konzept für sehr gelungen: "Ich gehe damit zuversichtlich in die Zukunft." So ein Konzept sei eine "langfristige Sache", die über die nächste Gemeinderatswahl hinausgehe. "Skepsis", wie von Lang geäußert, hält Vogel für unangebracht.

Jürgen Kränzlein (SPD) vermisste hingegen das Thema Marktplatzgestaltung. Er wünscht sich ein Zentrum für Touristen und Einheimische gleichermaßen, mit abgesenkten Gehsteigen und einer Verkehrsberuhigung. Das stünde im Konzept aber drin, erklärte Planer Wölfel. Er sieht es als Riesenchance, wenn das Rathaus ins Pfarrhaus kommt und der Pfarrgarten dann für die Öffentlichkeit geöffnet werden kann. Auch Daniela Drummer (FWG) fand es sehr schade, dass sich nur wenige Bürger am Workshop beteiligt hatten. Und, in Richtung Lang: "Es wäre schön, wenn der amtierende Gemeinderat das Konzept einstimmig annehmen würde."

Dieser wiederum wich nicht von seiner Meinung ab. "Wenn Gößweinstein für die Staatsstraße keine Ausnahme bekommt, können wir uns den Platz abschminken", so Lang. Denn bevor man sich über eine Marktplatzgestaltung unterhalte, brauche man erst die Umgehung. Zuversicht, wie von Vogel geäußert, reiche nicht aus. "Da braucht es auch Realitätssinn", sagte Lang.

Wichtiges Signal für die Bürger

"Heute ist ein wichtiger Tag, weil wir ein wichtiges Handbuch bekommen, das wir selbst erarbeitet haben", sagte letztendlich Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG). Außerdem sei das neue Konzept ein wichtiges Signal an die Bürger, die für Privatprojekte im Sanierungsgebiet auch Zuschüsse bekommen können. Für Zimmermann ist im neuen Konzept alles drin, und jeder hätte auch die Chance gehabt, seine Ideen einzubringen. "Wir sind sehr optimistisch das wir in den nächsten Jahren viele Projekte des Isek umsetzen können", so der Rathauschef, bevor er abstimmen lies. Als einziger Gemeinderat verweigerte Lang seine Zustimmung. 

THOMAS WEICHERT

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