Sonntag, 18.11.2018

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Tourismus schon 1885 angekurbelt

Vor 125 Jahren Wanderwege beschildert - Gästeabende und Ausflüge organisiert - 12.04.2010

Einer der ersten »Parapluis» entstand im »Grüblein» Ende der 20er Jahre. Von dort aus hatte man einen tollen Blick auf die Kirche und das untere Tor. © privat


Pfarrer Fugmann gründete im Februar 1885 zusammen mit Bürgermeister Hofmann, Apotheker Böhe, den Lehrern Spörlein und Pflaum und 43 weiteren Bürgern vor 125 Jahren den Heimat- und Verschönerungsverein Waischenfeld. Fast das gesamte Geld wurde in die touristische Infrastruktur investiert: Er beschilderte Wanderwege, stellte Ruhebänke auf, unterhielt nach dem Zweiten Weltkrieg sogar ein Freibad und zeitweise ein Reisebüro.

Der Nordbayerische Verkehrsverbund erstellte 1927 die erste Urlauberstatistik: Demnach zählte Waischenfeld damals schon 1042 Gäste mit 1641 Übernachtungen. Im Vergleich dazu hatte Pottenstein 1792 Gäste mit 4753 Übernachtungen; Pegnitz 2303 Besucher mit 3473 Übernachtungen.

Ende der 20er Jahre waren die Hänge rings um Waischenfeld als Wandergelände bereits bestens ausgeschildert und »Parapluies» (französisch und heißt Regenschirm), hölzerne Aussichtspunktplattformen. aufgestellt. 1934 bekam Waischenfeld, gleichzeitig mit Egloffstein, ein von den Nazis erbautes Freibad geschenkt.

Richtig »Gas» gab der Verein mit seiner Neugründung 1948. Obsthändler Karl Herzing rief zusammen mit dem »Pulvermüller» Johann Bezold, der zu jener Zeit Hauptvorsitzender des Fränkische-Schweiz-Verein war, den Heimat- und Verschönerungsverein wieder ins Leben. Baptist Braun und nach ihm Josef Grimm leiteten das 1958 gegründete »Reisebüro».

Das Berliner Reiseunternehmen »Napirala» entdeckte Waischenfeld, ebenso Strier-Reisen aus Ibbenbühren, Fehlhaber aus Hamburg und Scharnow-Reisen aus Hannover. Der »Verkehrsverein», der sich mittlerweile im Heimatverein gebildet hatte, kümmerte sich nur um den Tourismus und veranstaltete Gästeabende, Pauschalangebote und die berühmte» Vier-Täler-Ausflugsfahrt» durch die Fränkische Schweiz.

1959 übernahm der Verein auch das Freibad. Es wurde ein hoher Aufwand betrieben, um die Gäste vor allem aus dem Ruhrgebiet, aus Berlin, Hamburg und aus Holland bei Laune zu halten. 1965 verzeichnete das städtische Verkehrsamt bereits 15 000 Übernachtungen in den 300 gewerblichen Gästebetten, die rund 300 000 Mark Umsatz bescherten. Da die Urlauber meist mit dem Bus anreisten, gaben sie ihr Geld vornehmlich in Waischenfeld aus; was der heimischen Wirtschaft gut tat.

Burgmadla gegründet

Zum 1. Januar 1971 ist der Vereinstourismus mit der Übergabe des Reisebüros in die Hände der Stadt gelegt worden. Seither steht wieder mehr der Heimatgedanke im Mittelpunkt. 1972 gründeten sich die Burgmadla und Waischenfeld feierte »650 Jahre Stadterhebung». Volksmusikalische Heimatabende wurden inszeniert und die Sanierung der Burg zum Haus des Gastes voran getrieben.

1978 feierte der Verein das 100-jährige Bestehen in Verbindung mit dem »Heimattag des Fränkische- Schweiz- Verein». 1984 entstand auf Betreiben des Heimatvereins zwischen der Hammermühle und Rabeneck einer der ersten »Behindertenwanderwege» der Region. Die 90er Jahre waren vereinsintern weiter geprägt vom Tourismus, da die meisten Vereinsmitglieder nach wie vor Gästebetten vermieten, und vom alljährlichen Fest im »Kraußngarten». Der Aufwand hat sich zum Wohle der ganzen Stadt gelohnt. 2009 verzeichnete Waischenfeld 18 660 Gästeankünfte mit 73 881 Übernachtungen. Legt man eine vom Deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Institut festgelegten Betrag von 55 Euro pro Übernachtung zugrunde, generiert allein der Übernachtungstourismus in Waischenfeld derzeit rund vier Millionen Euro Umsatz pro Jahr. 

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