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Trotz Scheuheit: Mehr Wolfssichtungen in der Region

Landratsamt meldet weitere Sichtungen des Wildtiers - 23.03.2018 06:00 Uhr

Ein seltener, aber kein unmöglicher Anblick: Wie im ganzen Freistaat werden Wölfe auch im Landkreis Forchheim wieder heimisch. Grundsätzlich sind die Rudeltiere sehr menschenscheu. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa


"Wenn Wölfe auf Menschen treffen ducken sie sich", erklärt Leo Anwander von der Ökologischen Kreisentwicklung. Ausgenommen seien Tiere, die in Reservaten leben und an Menschen gewöhnt sind. Wenn solche Wölfe entwischen - wie im Bayerischen Wald geschehen - verhalten sie sich anders. Oft würden Wölfe auch mit streunenden Hunden oder Schakalen verwechselt.

Der Landkreis könne von jungen Rüden durchwandert werden, die auf der Suche nach einem eigenen Territorium oder einer Wölfin sehr weite Strecken laufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich im dicht besiedelten Landkreis Forchheim niederlassen, sei nicht sehr hoch. "Einem Wolf zu begegnen, ist wie ein Lottogewinn", meint Anwander.

Gemütliches Tier

Ein solches "Glücksgefühl" hatte wohl Helmut Taut, Bürgermeister von Wiesenttal. Am 1. Januar war er morgens mit seinem Hund Richtung Wald unterwegs, als ein Reh auf ihn zukam. Zuerst war er überrascht, bis er sah, dass das Reh einen Wolf entdeckt hatte und anschließend aufgebracht Reißaus nahm. "Der Wolf ist gemütlich weitergeschlendert", meint Taut und erinnert sich, dass er Respekt empfand. Er sei sich hundertprozentig sicher, dass es ein Wolf gewesen sei.

Udo Burkard, dritter Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim des Landesjagdverbandes Bayern, weiß von drei Sichtungen im Landkreis: "Die erste war in Weilersbach. Da haben mehrere Jäger einen Wolf gesehen, der dann weiter in Richtung Bamberg gezogen ist", berichtet Burkard. In Thuisbrunn (Gräfenberg) und in Muggendorf (Wiesenttal) seien es Privatpersonen gewesen, die gemeldet hätten, einen Wolf gesehen zu haben.

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Die Gemeindeverwaltung Gräfenberg war allerdings nicht über eine Wolfsichtung informiert worden. Auch eine angebliche Begegnung in Kunreuth konnte von Bürgermeister Konrad Ochs nicht bestätigt werden. Der erste Vorsitzende des Landesjagdverbandes Bayern, Kreisgruppe Forchheim, Hans-Jürgen Dittmann, hat erst vor Kurzem bei einer Sitzung einen Vortrag über Wölfe gehalten.

"Der Wolf war hier 150 Jahre ausgerottet", erklärt Dittmann. Seit 1996 leben in Deutschland aber wieder Wölfe. In Bayern gibt es in drei Regionen standorttreue Tiere:

Im Nationalpark Bayerischer Wald, am Truppenübungsplatz Grafenwöhr und im Veldensteiner Forst. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) informiert auf seiner Seite über Wölfe. Hier gibt es das "Wildtiermanagement große Beutegreifer".

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Außerdem arbeitet das LfU mit dem "Netzwerk große Beutegreifer" zusammen. Jäger, Förster, Landwirte und Naturschützer werden ausgebildet, um Begutachtungen bei einem Nutztier- oder Wildriss vornehmen zu können. Wolfsberater beim LfU ist Manfred Wölfel.

"Wenn wir Jäger gerissene Tiere finden, machen wir sofort Meldung beim Veterinäramt Forchheim", berichtet Hans-Jürgen Dittmann und erklärt weiter, dass das Tier dann geborgen werden muss, damit durch die Witterung keine Spuren verloren gehen. Am Speichel, Fell, Blut oder Schweiß, den das angreifende Tier hinterlassen hat, kann dessen Art bestimmt werden. Es werden auch Tritt-, Kot- und Bissspuren begutachtet.

Dittmann hat allerdings mehr Sorge, dass durch die Wölfe wieder Tollwut eingeführt werden könnte. Den letzten Fall von Tollwut habe es vor zehn Jahren gegeben. "Unsere Aufgaben als Jäger sind beobachten und schnelles Melden", fasst Dittmann zusammen.

Die NN haben zum Thema Wölfe in Nordbayern auf Facebook eine Gruppe gegründet. Sie soll eine offene Plattform zum Austausch, zur Information und Diskussion sein. Hier können Sie Mitglied werden.

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Carmen Schwind

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