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Wer reinkommt ist noch lange nicht automatisch drin

Bewerbungsverfahren für die lukrativen Plätze unter den Eichen — Hau den Lukas seit 1880 - 27.07. 21:19 Uhr

FORCHHEIM  - In der Münchner Schickeria gilt der Satz: Wer reinkommt, ist drin. Auf dem Annafest können das nicht alle Schausteller von sich behaupten.


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Im Wohnwagen geboren und seit Generationen auf Volksfesten unterwegs

In jedem Jahr wechselt die Stadt mindestens zehn Prozent der Schausteller aus, so Bürgermeister Franz Streit. Man will gerade bei den großen Fahrgeschäften für Abwechslung sorgen.

Wer rein will, muss sich bis zum 30. September des Vorjahres beworben haben. 250 Bewerbungen landeten letztes Jahr bei Platzmeister Matthias Gräbner auf dem Schreibtisch. 80 Plätze sind zu vergeben. Immer dabei sind Traditionsgeschäfte wie Lützelberger oder Drliczek. Doch wer keinen Stammplatz hat oder kein systemrelevantes Geschäft (Kinderkarussell, Autoscooter, Riesenrad), der muss sich jährlich neu um die lukrativen Plätze unter den Eichen bemühen.

Gräbner sortiert zuerst nach Branche (Fahrgeschäft, Imbissbuden etc.) und trifft eine Vorauswahl. Ein Gremium, das aus ihm, dem Leiter der Hauptverwaltung Andreas Ramisch, Streit und Klaus Backer vom Ordnungsamt besteht, geht dann die Bewerber durch. Nicht selten wird ein Test gemacht, wie bei den neuen Großfahrgeschäften auf dem unteren Festplatz. Auf dem Münchner Oktoberfest nahmen Forchheims Fest-Beauftragte die Geschäfte eingehend unter die Lupe...


Stefano Störzer haut den Lukas. Aufs dritte Mal gelingt ihm das Kunststück. Die Wucht des Hammers haut den „Frosch“ bis ganz nach oben.
Stefano Störzer haut den Lukas. Aufs dritte Mal gelingt ihm das Kunststück. Die Wucht des Hammers haut den „Frosch“ bis ganz nach oben.
Foto: Huber

Schließlich erhalten alle, die das Annafest bereichern sollen, bis Jahresende die Zusage. Werbung machen muss das Annafest nicht, sagt Gräbner: „Die Information fließt unter den Schaustellern.“ Die Anna-Kirmes in Düren übrigens erweist sich alljährlich als übermächtige Konkurrenz. Dieses „Riesenvolksfest“ bindet die eine oder andere Attraktion, die man auch gern im Kellerwald hätte.

Die Standmiete beträgt je nach Geschäft zwischen 250 und 2000 Euro für die zehn Tage Festbetrieb. Gräbner: „Wir sind damit nicht das billigste Volksfest.“ Aber Forchheim habe ja auch einiges zu bieten.

Alles andere als neu ist die Schaustellerfamilie Störzer aus Höchstadt am Annafest. Ponyreiten, Schießbude, Autoscooter, Stardancer: alles von Störzer. Stefano, 22-jähriger Spross der Familie, haut heute den Lukas – will heißen, er betreut die gleichnamige Attraktion.

Eine solche ist die blaue Kiste nämlich, auch wenn sie zunächst etwas unscheinbar aussieht: „Die hat mein Uropa schon gehabt“, so Stefano Störzer. Von 1880 stammt der eisenbeschlagene Holzkasten. Nur wer neben Kraft auch die richtige Technik drauf hat, kann den „Frosch“ bis in die Spitze der Säule schlagen.


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Prima Wetter und ermäßigte Preise - da war der Andrang beim Familien- und Kindertag auf dem Annafest natürlich groß. Die kleinen Besucher wagten sich auf den Karussells hoch hinaus und ließen sich die Zuckerwatte schmecken.

Stefano greift zum Hammer, um dem Publikum zu zeigen, wo derselbe hängt. Er holt aus, schlägt brachial auf den Knopf, doch der Frosch schafft es nicht bis oben. „Drei Versuche hat jeder“, sagt Störzer. Nach dem zweiten Schlag zieht er die Jacke aus: „Die engt mich ein.“

Ungefähr hundert Mal am Tag, erzählt er, haut er den Lukas. Weil viele halt nicht glauben wollen, dass man den Frosch tatsächlich bis in die Spitze bekommt. Jetzt holt er nochmal aus, macht dabei eine leichte Drehung, wuchtet den Hammer auf den Knopf – und tatsächlich: Jetzt saust der Frosch auf seinem Schlitten bis ganz in die Spitze.

Festleitung und Rettungsdienste sitzen wie im Vorjahr gleich am Eingang in den Wald an der Unteren Kellerstraße, neben den neuen Toiletten. Hier hält immer ein Helfer von BRK oder ASB Wache. Beide Dienste sind am Annafest regelmäßig mit bis zu 20 Kräften im Einsatz. Hier ist auch die Warnzentrale aufgebaut. Platzmeister Matthias Gräbner oder ein Kollege können von hier aus die beiden Alarmsirenen bedienen und Durchsagen für die Festgäste machen. Die Wetterlage wird übers Internet ständig beobachtet. Gräbner: „Hier sind wir Aug’ und Ohr für die Besucher.“ Wer etwas verloren hat, muss ebenfalls hier im Fundbüro vorsprechen, oder zumindest anrufen: (09191) 702570.

Thomas Willer vom BRK erklärt, wofür die unterschiedlichen Farben auf dem Wegeplan des Kellergeländes und des ganzen Umgriffs stehen: Im Notfall können die Einsatzkräfte so sehr schnell sehen, wo Einbahnverkehr herrscht, wo Halteverbot und wo ganz gesperrt ist. 



VON ULRICH GRASER



Zum Thema
Annafest
Seit:
1840
Termin:
21.7. bis 30.7.2012

Zeiten:
Täglich von 13 bis 23 Uhr
Kurzbeschreibung:
Um den 26.7., dem Namenstag der Heiligen Anna, wird jedes Jahr im Forchheimer Kellerwald das Annfest gefeiert. Das beliebte Volksfest findet auf über 20 Bierkellern statt.

Infografik mit den Standorten aller Keller

   Infografik Annafest.
Besucher:
350.000 Besucher im Jahr 2011