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Freitag, 21.09.2018

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Willersdorf: Früh üben sich künftige Küchenmeister

Forchheimer Montessori-Miniköche bereiten im Profi-Ambiente der "Kellerwaldschänke" Schweinebraten zu - 22.02.2018 10:00 Uhr

Die drei Mini-Köchinnen (von links): Amelie Frenznick, Lina Werner und Sofia Dottori mit der Teamleitein Birgit Eberle. Nach einer IHK-Prüfung erhalten sie ein Zertifikat für ihre erbrachten Leistungen. © Foto: Sylvia Hubele


Dass alles hervorragend geklappt und hinterher prächtig geschmeckt hat, bewiesen die Miniköche nicht nur selbst beim anschließenden Essen, das bestätigte auch Landrat Hermann Ulm, der selbstverständlich als Schirmherr der Aktion zum Essen eingeladen war.

Jedes Jahr dürfen maximal zehn Kinder der Montessori-Schule als Miniköche ausprobieren, wie es ist, wenn sie selbst den Kochlöffel in der Hand halten. Sie lernen nicht nur theoretisch, sondern stehen praktisch bei Gastronomen in den Küchen, wie hier in der Küche der "Kellerwaldschänke Lunz" in Willersdorf. Die Messer, mit denen die Kinder hantieren, sind selbstverständlich so scharf, wie es sich für Profimesser gehört.

Kindern wird zu wenig zugetraut

"Oft wird den Kindern einfach zu wenig zugetraut", ist sich Teamleiterin Birgit Eberle sicher. Sie betreut die Miniköche bereits seit drei Jahren und hat erlebt, wie sehr sich die Kinder konzentrieren können, wenn sie an dem interessiert sind, was sie machen. Für die Teilnahme an dem Projekt der Miniköche müssen sich die Schüler bewerben, berichtet Eberle: "Dann sind sie selbst motiviert und es macht ihnen Spaß!"

Sofia kocht inzwischen auch zu Hause und liebt als Italienerin vor allem Nudeln: "Wir machen den Teig für Pasta und Pizza selbst", erzählt sie. Amelie hilft ihrer Mutter gerne beim Kuchenbacken und Lina berichtet, dass zu Hause jedes Jahr ein Schwein gefüttert und auch geschlachtet wird: "Ich finde, das schmeckt echt besser."

Keine Zweifel bei der Motivation

Birgit Eberle sucht die Rezepte aus, nach denen die Kinder kochen und bespricht alles mit dem Gastronomen, in dessen Küche sie zu Gast sein dürfen. Diese stellen sich und ihre Küche oft am eigentlich freien Tag zur Verfügung und sorgen für die notwendige Vor- und Nachbereitung.

Seine Motivation ist für Christian Lunz ganz klar: Als er selbst vor zwölf Jahren seine Ausbildung absolvierte, hatte er in der Berufsschule rund 120 Mitschüler, die ebenfalls Koch lernten. Aktuell sind keine 25 Auszubildenden mehr in einem Jahrgang, weiß Lunz. Vielleicht findet ja einer der Miniköche so viel Spaß am Kochen, dass er sich später für diesen Beruf entscheidet. Für die Miniköche nimmt sich der junge Koch richtig Zeit und kocht mit jeweils der Hälfte der Gruppe. Er möchte sich gerne um jeden kümmern und alle Arbeitsschritte einzeln erklären.

Die Kinder beginnen mit dem Projekt in der fünften Klasse. An der Schule selbst bekommen sie eine Einführung in die Ernährungslehre und kochen auch hier regional und saisonal. "Wir beginnen mit einfachen Themen", erklärt Birgit Eberle, die als Hauswirtschaftsmeisterin auch am beruflichen Fortbildungszentrum (bfz) unterrichtet. Jetzt sind die Kinder schon das zweite Jahr dabei. Sie kochen, falten Servietten, mixen einen Cocktail, decken den Tisch und essen anschließend gemeinsam.

Scharfes Messer 

Für dieses Projekt zahlen die Eltern der Kinder einmalig 150 Euro für das Handwerkszeug ihrer Kinder. Schließlich braucht jedes Kind eine Kochjacke und Kochmütze, scharfe Messer und andere Utensilien. Die nötigen Lebensmittel werden gesponsort, um die gesamte Korrespondenz mit Gastwirten, der Industrie- und Handelskammer und den Sponsoren kümmert sich Sabine Scherbaum-Werner.

Dabei kommen die Miniköche in Deutschland herum. So waren auf der AIDS-Gala in Stuttgart zehn von ihnen dabei. Weitere Exkursionen führen die Miniköche zum Gewürzhändler, zum Bäcker, zu Kree- und Beerenbauern und zum Fischhändler, wo extra für sie ein Fisch geschlachtet wurde. Nach Projektende legen die Kinder eine IHK-Prüfung ab und bekommen dafür ein Zertifikat. 

SYLVIA HUBELE

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