Die Bedeutung des Wortes "Biodiversität" kann man hören. Zumindest, wenn man am Rande des Blumenfeldes des Serlbacher Landwirts steht: Dort summt, brummt, zirpt und schwirrt es. Mehr als 100 Blumensorten sind Lebensraum für zahllose Insekten und andere Tiere: Bienen, Hummeln und Schmetterlinge bedienen sich am Blütennektar; Vögel picken die Samen auf; Hasen, Rebhühner und Rehe verstecken sich zwischen den Stängeln und Blättern der Stauden.
"Der Staat hat die Verpflichtung, Lebensräume und Artenvielfalt zu erhalten", sagt Hans Matussek vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth. Als Mitarbeiter in der Abteilung Agrarökologie und Boden betreut er das Förderprogramm, das der Freistaat vor diesem Hintergrund gemeinsam mit der EU aufgelegt hat. Rund 500 oberfränkische Landwirte haben bei ihm im vergangenen Jahr den Antrag zur Aufnahme in das Programm gestellt. Im Landkreis Forchheim waren es etwa 120 Antragsteller mit einer Gesamtfläche von 250 Hektar, die meisten Felder liegen im Wiesenttal.
Alfred Seitz war einer von ihnen. Der Nebenerwerbslandwirt baut auf insgesamt 35 Hektar Fläche eigentlich Getreide, Raps und Mais an. Durch einen Artikel ist er auf das Förderprogramm mit dem offiziellen Titel "Agrarökologische Acker- und Grünlandnutzung" aufmerksam geworden und hat sich bei Hans Matussek nach den Bedingungen erkundigt.
Es gibt nicht viele: Sofern die Flächen, die der Landwirt zur Verfügung stellen will, nicht gerade mit Unkraut übersät sind, mitten in Ortschaften oder zwischen Autobahn und Bahnübergang liegen und nicht größer als fünf Hektar sind, steht der Aufnahme nichts im Weg. Für den Landwirt bedeutet das, dass er seinen Acker für fünf Jahre in den "Dienst der Biodiversität" stellen muss. Dabei bekommt er im ersten Jahr vom Landwirtschaftsamt spezielle Saatmischungen, die ein-, zwei- und mehrjährige Pflanzen enthalten.
Drei unterschiedliche hat Alfred Seitz auf seinem etwa ein Hektar großen Acker ausgesät: Am Rande wächst Sonnenblume, roter Fuchsschwanz und Ringelblume der "Marke Sommerzauber", weiter hinten kommen Wicke, Mariendistel und Futtermalve aus der Mischung "Veitshöchheimer Lebensraum" dazu und noch ein Stück weiter locken Klatschmohn, Kornblume und Klee auf der "Bienenweide" alles an, was summt und brummt.
Im Mai hat der Landwirt gesät. Dann wartete er - und war vom Ergebnis, das vor etwa einem Monat zu blühen begann, begeistert. "Das es so schön wird, hätte ich nicht erwartet", sagt er. Er komme oft her und beobachte, was sich auf dem Feld so abspielt. Dabei sieht er auch, dass nicht nur so manches Tier von den leuchtenden Blumen angezogen wird. "Es halten so viele Leute an, gehen hier spazieren oder schneiden sich Sonnenblumen ab", sagt er sichtlich stolz.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.