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Das Wohnhaus liegt mitten im Ort so versteckt, dass es nicht einmal das Navi findet. Anni Schneider wartet schon und lotst das Auto in den Hof. Vorn im alten Bauernhaus wohnt Sohn Bruno. „Da hinter dem Gemüsegarten baut grad die Johanna, meine Enkelin“, erzählt sie voller Stolz. Die Familie ist ihr ein und alles. „Wichtig ist, dass man sich versteht.“ Ihre drei Mädchen und zwei Buben, zwischen 43 und 49 Jahre alt, wohnen alle in der Nähe — in Langensendelbach, Gosberg und Kirchehrenbach.
Auch die zwölf Enkel und Urenkel Jonathan besuchen die Oma gern und sitzen dann am liebsten in der Wohnküche um den großen Tisch, der sich noch ausziehen lässt, damit alle Platz haben. Die wohlige Wärme liefert der alte Holzküchenofen. Während des Gesprächs legt die 68-Jährige ein, zwei Mal ein Holzscheit nach.
Anni Schneider stammt aus Großenbuch, den Bauernhof in Langensendelbach hat sie 1965 geerbt. Seither lebt sie hier mit ihrem Mann Mathias. „Die Landwirtschaft hab vor allem ich gemacht“, erzählt die Bäuerin. Früher gab es am Hof Kühe, dann nur noch Schweine, inzwischen sind 25 Hühner und ein Hahn die einzigen Tiere auf dem Gelände. „Wir haben Erdbeeren, Spargel, Kartoffeln und Getreide angebaut und einen Obstgarten bewirtschaftet“, zählt sie auf. Das war hauptsächlich ihre Aufgabe, der Ehemann, der als Metzger gearbeitet hat, hat natürlich immer geholfen.
Dass sie fünf Kinder groß gezogen hat, erwähnt sie kaum. Das ist einfach selbstverständlich. Sohn Bruno hat 2005 den Bauernhof übernommen und Schwiegersohn Markus Galster hat die landwirtschaftlichen Flächen gepachtet. Seither hat Anni Schneider, wenn sie nicht gerade im Gemüsegarten hinterm Haus werkelt, ein wenig mehr Zeit. Die nutzt sie nicht etwa, um mal in Ruhe im Lehnstuhl zu sitzen, sondern um sich für den Bauernverband (BBV) zu engagieren.
„Von 2001 bis 2006 war ich Ortsbäuerin in Langensendelbach“, erzählt sie. Danach habe sie den BBV auch immer unterstützt. Anni Schneider gehört zum alten Schlag: Ihre Aktivitäten hat sie akribisch genau und feinsäuberlich in ein Schulheft notiert, damit alles passt und sie nichts vergisst: Alle Aktivitäten sind durchnummeriert, mit Datum, Ort, Uhrzeit und Zahl der Teilnehmer versehen.
Dann zählt sie auf, wofür sie zuständig ist: Im Januar 2011 hat sie wie schon häufig den Einkehrtag für die Langensendelbacher Landfrauen auf Feuerstein organisiert: Das heißt Termin festlegen, Frauen einladen, Geld kassieren. Seit zehn Jahren organisiert sie den Tagesausflug nach Altötting und seit fünf Jahren die achttägige Busreise nach Bad Füssing. „Das ist wie ein Wellness-Urlaub.“ Heuer sei sie hier mit ihrem Mann das zehnte Mal dabei gewesen.
„Früher haben wir für Urlaub keine Zeit gehabt“, sagt sie. Das sei jetzt besser. Seit fünf Jahren nimmt sie daher an den Fahrten des Vereines für landwirtschaftliche Fachschulabsolventen teil. Im Mai war sie in Tschechien und in Prag, im Oktober in Düsseldorf und Köln. Sie ist ferner für „Mariä Himmelfahrt“ zuständig, an dem die Frauen in Tracht in die Kirche gehen.
Die Würzbüschel, die dort geweiht werden, hat Anni Schneider mit Hilfe einer Bekannten gemacht. Zum Kürbisfest in Muggendorf ist sie mit vier selbstgebackenen Kuchen gefahren. Mit weiteren Frauen hat sie da Kaffee und 100 Kuchen verkauft. Den Erlös spendeten sie den Pfarrheimen in Langensendelbach und Poxdorf, die mit Wasserschaden zu kämpfen hatten.
Sie hat auch wieder den Busausflug zum Wallfahrtsort Habsberg organisiert. Damit alles klappt, ist sie eine Woche zuvor mit ihrem Sohn schon einmal hingefahren. Den Landfrauentag in Langensendelbach hat sie ebenfalls organisiert („Da haben wir alle zusammen geholfen“) und beim großen Landfrauentag in Forchheim hat sie an der Kasse ausgeholfen.
„Ja, wo Hilfe gebraucht wird, bin ich dann da“, sagt sie und lächelt. Sie schaut nochmal genau ihre Notizen durch. Die montägliche Gymnastik, bei der sich die Landfrauen fit halten, fehlt noch. Ach ja: Seit zehn Jahren schmückt sie mit weiteren Frauen den Osterbrunnen und bei ihrer Tochter hat sie im Maislabyrinth Küchla gebacken. Denn Anni Schneider ist eine begnadete Küchla-Bäckerin. Und wenn einer fragt, „dann helf ich halt“.
