|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Die Fähe (weiblicher Wolf) und die beiden Rüden (männlicher Wolf) haben den Auftrag, ein neues Rudel zu gründen und so zu einer weiteren Attraktion im Wildpark zu werden. „Wölfe passen sehr gut zu uns“, freut sich Karola Wendschuh, Leiterin des Tiergeheges in Hundshaupten. „Denn wir haben überwiegend heimische Haus- und Wildtiere.“ Der Wolf sei ja vormals ein heimisches Raubtier gewesen.
Und die drei Neulinge finden im Tierpark eine ansehnliche Wohnstatt vor. Ihr Grundstück hat zirka 3,5 Hektar, darauf sind künstlich geschaffene Höhlen, in die sie sich zum Schlafen und zum Kuscheln zurückziehen können, oder wenn ihnen die vielen neugierigen Blicke der Tierparkbesucher mal zu viel werden. Die haben die einmalige Chance, den Wölfen ganz nahe zu kommen; denn eine 70 Meter lange Brücke führt über das Wolfsgehege, um aus verschiedenen Perspektiven einen Blick auf das künftige Rudel werfen zu können.
Ein Gegenbesuch ist den Tieren nicht möglich. Ihr Gehege ist gut nach außen gesichert. Um Ausflüge der Wölfe nach draußen zu verhindern, haben Mitarbeiter des Kreisbauhofes rund um das Gelände einen zwei Meter hohen Zaun gezogen, der zudem mit einem Elektroschutz versehen ist. Entlang dem Außenzaun ist auf einen Meter Tiefe ein Untergrabungsschutz aus Beton gemauert worden. Die Menschen und die übrigen Tiere des Wildparks wie Rehe oder Schafe sind also gut gesichert gegen Ausbruchsversuche der Wölfe.
Die müssen aber auch nicht hinaus auf die Jagd, denn ihr Tierpfleger, der schon eine Woche zum Kennenlernen bei ihnen im Innsbrucker Zoo war, füttert sie täglich - und zwar nicht zu knapp: Vier bis fünf Kilo Fleisch am Tag verzehrt jedes der Tiere. „Aber es darf auch einmal ein Hungertag dabei sein“, weiß Karola Wendschuh.
Nach einem Jahr Bauzeit am Gehege ist es nun also so weit: Am Dienstag werden Tristan und sein Bruder Jaskov und Rabea in Innsbruck betäubt und in Transportkisten verfrachtet. Wenn sie aus der Betäubung erwacht sind, kann die Fahrt nach Hundshaupten beginnen, „nicht vorher“, betont Dirk Ullrich, zuständiger Zoologe im Innsbrucker Alpenzoo.
Er kennt sowohl den Wildpark Hundshaupten als auch dessen Chefin Karola Wendschuh und ist froh, seine drei Schützlinge in gute Hände zu geben. Die drei Wölfe waren unsere Lieblinge“ sagt er mit weicher Stimme. Tristan und Jaskov kamen mit zwei Monaten aus dem Bayerischen Wald nach Innsbruck und wurden von der Wolf-Expertin Pascale Jüch mit der Flasche groß gezogen.
Jaskov, obwohl physisch kräftiger als Tristan, musste bald anerkennen, dass Tristan das Alphatier ist. „Tristan ist sehr aufmerksam, wach und ein verantwortungsvolles Leittier“, beschreibt Ullrich den Charakter des Rudelführers. Der Rüde gibt zwar das Kommando zur Jagd, oder im Zoo zum Futter abholen. Doch er habe stets auch die Stimmungen seiner Alpha-Wölfin Rabea wahrgenommen und gut interpretiert. Alle drei Tiere, die jetzt nach Hundshaupten kommen, sind außerdem nicht scheu, sind Publikum gewöhnt.
Wieso aber gibt der Alpenzoo solche Prachtexemplare ab? Dafür nennt der Zoologe aus Innsbruck verschiedene Gründe. Erstens ist das Gehege in Innsbruck eigentlich nur für fünf Wölfe plus Nachwuchs gebaut. „Aber auch der Nachwuchs wird mal größer“, und so sind derzeit neun Wölfe im Alpenzoo. Mit der Verkleinerung des Rudels geht eine neue Begrünung des Geheges einher, betont Ullrich.
Wichtigstes Argument sind allerdings die Spannungen im Rudel. Tristan muss sich immer mehr der Attacken jüngerer Rüden erwehren. „Da spielen wir ersatzweise für die Natur ein wenig höhere Gewalt“, bekennt Dirk Ullrich, „um schwere Verletzungen zu verhindern.“ Rabea ist bereits 14 Jahre alt, Jaskov und Tristan haben auch schon jeweils zwölf Jahre auf dem Buckel.
Und bei Wölfen, erklärt Ullrich, werde die Rangordnung beinahe täglich aufs Neue festgelegt. Tristan falle es immer schwerer, sich gegen die „jungen Wilden“ zu behaupten. „Wenn er den höchsten Rang verliert, muss er in freier Natur beim Futter hinten anstehen oder das Rudel verlassen.“ Für Tristan, sein Alphaweibchen und seinen Bruder ist der Umzug nach Hundshaupten wie das Weggehen in der freien Natur.
Nur, hier hat der Leitwolf die Chance, ein neues Rudel zu gründen — laut Ullrich sind alle drei Wölfe fertil, also zeugungs- oder empfängnisfähig. Dabei ist es den beiden Alpha-Tieren vorbehalten, für Nachwuchs zu sorgen. Jaskov darf die Brut mit großziehen. Er genießt als nachrangiges Tier dafür den Schutz des Rudels.
Bis dem zwölfjährigen Tristan ein junger Raufbold aus seinem Rudel die Führung in Hundshaupten streitig macht, wird er wahrscheinlich ohnehin amtsmüde sein. Wölfe haben ähnlich wie Hunde eine Lebenserwartung von 16 bis 18 Jahren.
Bevor jedoch an Nachwuchs zu denken ist, heißt es erst einmal „langsam eingewöhnen“. Dirk Ullrich ist sicher, dass die Wölfe in Hundshaupten in der ersten Zeit vorsichtiger agieren werden als in der bislang gewohnten Umgebung, zum Beispiel bei der Fütterung. Auch Tierpark-Leiterin Karola Wendschuh legt größten Wert darauf, dass die Tiere zunächst Ruhe haben, damit sich die Wölfe in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen.
