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Freitag, 16.11.2018

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Zwei Franken fahren 8000 Kilometer für guten Zweck

Forchheimer und Bubenreuther sammelten nicht nur Eindrücke, sondern auch Spenden - 10.07.2018 12:00 Uhr

Opel „Astrid“ am Polarkreis: Mit ihm sind Thoss und Naumann von Hamburg aus durch zehn baltische Länder und mehr als 8000 Kilometer gefahren.


"Ich bin noch ganz überwältigt, der Zieleinlauf in Hamburg war total surreal", erzählt Stefan Thoss. Er hatte kaum glauben können, dass die 16 Tage Roadtrip durch zehn Länder schon vorbei sind – er hatte bis dahin kaum Zeit zum Verarbeiten der Eindrücke gehabt.

Davon gab es jede Menge: durch die Prärie brettern, das Nordkap sehen, die Sonnwende auf den Lofoten in Norwegen feiern, WM-Stimmung in Russland erleben - diese Highlights machten den Reiz der Rallye aus, berichtete Thoss vor der Teilnahme.

Und auf der Fahrt galt es, zusätzlich noch kleine Challenges zu bestehen. An der dänischen Grenze musste das Auto zum Beispiel auf so viele Legosteine aufgebockt werden, dass es zehn Zentimeter höher steht.

Vergorenen Fisch essen

Eine Challenge hatten sie sich selbst auferlegt: Bei der Rallye sammelt jedes Team Spenden für ein Hilfsprojekt. "Um die Leute zu animieren, hatten wir gewettet, 200 Kilometer lang mit einer geöffneten Dose Surströmming im Wagen zurückzulegen. Das ist vergorener Hering, eine schwedische Delikatesse". Wenn genügend Leute spenden, würden sie ihn auch essen, teilten sie mit. "Die Leute wollten uns wohl leiden sehen", meint Thoss. Also wurde die Dose mit Klebeband auf dem Armaturenbrett angebracht und nach 200 Kilometern in den sauren Apfel, also den Fisch, gebissen. "Der Gestank und der Geschmack waren übel. Es sträubt sich wirklich jede Faser des Körpers das zu essen."

"Unser ursprüngliches Ziel waren 750 Euro. Innerhalb von so kurzer Zeit spendeten so viele Menschen, das war einfach unglaublich", sagt er. Inzwischen sind rund 3700 Euro zusammengekommen, bis Ende Juli werden noch Beiträge entgegengenommen. "Eine Person hat anonym ganze 500 Euro gespendet. Es macht uns unglaublich stolz zu sehen, wie sehr wir die Menschen motivieren konnten", sagt Thoss, noch immer merklich gerührt. Der Betrag kommt dem Projekt Klinik-Clowns Franken zugute.

Kurz vor Sankt Petersburg lernte das Duo die russische Gastfreundschaft kennen. "Einmal waren wir gegen 22 Uhr noch unterwegs. Wir hatten eine Mammut-Etappe von rund 1000 Kilometern hinter uns, waren seit 16 Stunden im Auto und wussten noch nicht, wo wir schlafen würden", erzählt der IT-Projektleiter.

Einladung zum WM-Schauen

Eigentlich wollten sie nicht mehr weiterfahren, aber die Gegend war so finster, dass sie dort nicht im Auto übernachten wollten. "Dann erreichten wir einen Campingplatz mit Blockhütten, wo uns ein Russe in sein Häuschen einlud, um zusammen das Spiel Deutschland gegen Schweden anzuschauen. Er bot uns an, dort kostenlos zu übernachten — das war ein Riesenglück."

Frank Naumann (links) und Stefan Thoss (rechts) bei einem Zwischenstopp in Estland.


Bei russischem Bier fieberten alle bei der Partie mit. "An diesem Abend war der hilfsbereite Russe für Deutschland", meint Thoss lachend. In Sankt Petersburg erlebten sie "grandiose WM-Stimmung". "Das war wie 2006 in Deutschland. So viele Fanmeilen und jubelnde Fans", schwärmt Thoss.

Das Abenteuer hätte aber auch jederzeit scheitern können. 8000 Kilometer in einem 20 Jahre alten Auto zurücklegen und dabei ohne Navi, sondern nur mit Kompass über Landstraßen fahren — das war eine echte Herausforderung.

Thoss selbst hatte immer wieder Zweifel, ob er und sein Teamkollege bis zum Zieleinlauf durchhalten würden. "Schon nach einem Drittel der Reise, am Nordkap, habe ich gesagt, dass wir es so weit geschafft haben, ist schon ein Wunder." Da hatten sie noch rund 5000 Kilometer vor sich.

Weitere Infos und Rückblicke zu den einzelnen Etappen finden Sie hier. 

Lea-Verena Meingast E-Mail

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