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Mittwoch, 19.09.2018

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100 Tschernobylkinder kamen nach Stein

Völkerverständigung zum Anfassen beim Sommerfest - 30.07.2018 11:00 Uhr

Unbeschwerte Stunden weit ab vom radioaktiv belasteten Umfeld in der Heimat verbringt Kristina derzeit in der Region. Beim Sommerfest wartete sie geduldig, bis sie beim Schminken an die Reihe kam. © Foto: Marion André


Kristina ist elf. Wie die meisten der anderen Mädchen findet sie das Kinderschminken toll. Geduldig wartet sie mit ihrer Limonade darauf, an die Reihe zu kommen. Und damit es keine Missverständnisse gibt, übersetzt Betreuerin Anna Metzger alle Fragen und Antworten.

Kristina macht zurzeit mit 100 weiteren Kindern und Jugendlichen zwischen neun und 18 Jahren Erholungsurlaub in Mittelfranken. In ihrer Heimat im Südosten Weißrusslands werden 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl immer noch erhöhte Strahlungswerte gemessen, sind Lebensmittel belastet. Im Vergleich mit ihren Altersgenossen in weniger belasteten Gebieten leiden die Kinder häufiger unter gesundheitlichen Problemen. Um hier zu helfen, nehmen jedes Jahr rund 80 Familien in und um Stein ein bis zwei Kinder auf.

Vier Wochen sorgloser und fröhlicher Familienalltag mit gesunder Ernährung und viel frischer Luft helfen den kleinen Gästen nachweislich, sich psychisch und körperlich zu erholen. Familie Höck aus Zirndorf ist seit 15 Jahren dabei. "Wenn man Geld spendet, weiß man nicht, wo es hinkommt. Hier können wir es ganz konkret sehen", finden sie. "Es ist eine wertvolle Erfahrung, wir kennen uns mittlerweile und haben auch schon die nötigsten russischen Wörter gelernt."

Die Verständigung sei kein Problem, findet auch Familie Kraheberger. Heinrich Kraheberger ist beinahe ein wenig stolz darauf, dass seine langjährige "Pflegetochter" beim Kartenspielen sogar mit zünftigen fränkischen Kommentaren wie "alter Schmarrer" aufwarten kann.

Karin Schaepe, das "Gesicht" der Initiative und Organisatorin des Ganzen, ist Ansprechpartnerin für alle Beteiligten. "Lehrerinnen, die auch als Begleiterinnen dabei sind, haben die Kinder ausgewählt. Sie kennen sie. Oft kommen sie aus kinderreichen Familien, haben alleinerziehende Mütter und soziale Probleme. Auch der Gesundheitszustand muss für die Reise stabil genug sein", erklärt Schaepe. "Um allen Kindern eine Chance zu geben, ist der Aufenthalt für sie fast kostenfrei – auch die sehr kleine Unkostenbeteiligung wird bei besonders bedürftigen Kindern von der Initiative übernommen."

Da kommen Spenden natürlich gerade recht – die Ortsfraktion der CSU überreichte beim Sommerfest einen ordentlichen Scheck. Und auch das beispiellose Engagement der Firma defacto Software, die jedes Jahr mit kompletter Belegschaft den Aufbau und die Bewirtung übernimmt, ließ das Fest zu einem Glanzpunkt des Aufenthaltes werden.

Initiative "Hilfe für Tschernobylkinder" der Paul-Gerhardt-Gemeinde Stein/Deutenbach, E-Mail: k.schaepe@pg-hilfe-fuer-tschernobylkinder.org, Spendenkonto: Sparkasse Fürth, Paul-Gerhardt-Kirche/Tschernobylhilfe, IBAN: DE35 7625 0000 0000 3102 01 BIC: BYLADEM1SFU 

Marion André

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