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Abstriche am Bau auf dem Reichsbodenfeld

Größerer Grüngürtel zur Offizierssiedlung und eine weniger dichte Anordnung der Gebäude beschlossen - 23.04.2013 11:00 Uhr

Die geplante Bebauung des Reichsbodenfeldes (im Bild: der Brünnleinsweg mit Blick zur Südwesttangente) soll zur benachbarten ehemaligen amerikanischen Offizierssiedlung links mit größerem Abstand erfolgen.

Die geplante Bebauung des Reichsbodenfeldes (im Bild: der Brünnleinsweg mit Blick zur Südwesttangente) soll zur benachbarten ehemaligen amerikanischen Offizierssiedlung links mit größerem Abstand erfolgen. © Hans-Joachim Winckler


„Variante 12“ ist das Bebauungskonzept überschrieben, das jetzt Bauausschuss und Stadtrat durchgewunken haben. Ein Dutzend Mal schon ist die Planung im jahrzehntelangen Bemühen zur Besiedlung der großen Freifläche zwischen Forsthausbrücke und Graf-Stauffenberg-Brücke an der Südwesttangente geändert worden. Allein das zeugt schon von der Problematik des Vorhabens. Rund 300 Wohneinheiten vor der Haustür der Offizierssiedlung und Villenkolonie: das ist ein gewagtes Vorhaben.

Die Bedenken ließen nicht lange auf sich warten. Wie in Oberfürberg, wo am nördlichen Ortsrand eine ähnlich große Siedlung entstehen soll, machten Nachbarn Front gegen das Projekt. „Variante 12“ ist nun ein Kompromiss zwischen einer möglichst effektiven Grundstücksnutzung und dem Schutz der vorhandenen Wohnstrukturen. Wesentliches dafür sind ein stärker ausgeprägter Grüngürtel am Rand der Offizierssiedlung, die Verringerung der Gebäudegrößen an der Breslauer Straße und der Verzicht auf eine Einmündung der Erschließungsstraße in die Hardenbergstraße.

In das als „Dambach-West“ bezeichnete Siedlungsgebiet soll man mit dem Auto nur von der Breslauer Straße aus und über den Brünnleinsweg gelangen. Die in Kurven geführte Erschließungsstraße soll Raser ausbremsen. Am dichtesten ist die Bebauung nun im südlichen Zipfel des Reichsbodenfeldes gleich hinter der Lärmschutzwand. In anderen Bereichen wurden Reihenhäuser durch Doppelhäuser ersetzt und Doppelhäuser durch Einzelhäuser. Im Baugebiet ist auch eine Kindertagesstätte vorgesehen, für die vom Stadtplanungsamt ein dringender Bedarf attestiert wird. Auf der Grundlage der „Variante 12“ wird nun ein Bebauungsplan aufgestellt. Einen potenziellen Erschließungsträger hat die Stadt nach eigenem Bekunden bereits an der Angel.

Noch vor den Wohnhäusern soll an der Breslauer Straße das von der Norma geplante Nahversorgungszentrum entstehen. Nachdem im Fürther Norden eine ökologische Ausgleichsfläche für die hier beheimateten Kiebitze gefunden wurde, gaben Bauausschuss und Stadtrat dem Projekt nun grünes Licht. Einwände, die keine Notwendigkeit für ein Verkehr generierendes Nahversorgungszentrum auf der grünen Wiese unweit der Oberfürberger Geschäfte sehen, wurden ebenso zurückgewiesen wie Bedenken der Naturschützer hinsichtlich der ihrer Ansicht nach unzulänglichen Ersatzbrutflächen für Kiebitze.

In Oberfürberg wird die Zurücknahme der Verdichtung auf dem Reichsbodenfeld begrüßt. „Das hat Vorteile für beide Seiten“, sagt Reinhard Hammerbacher, Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet Fürberg“. Die lehnt eine Bebauung zwischen dem nördlichen Ortsrand und der Südwesttangente weiterhin kategorisch ab. Wie mehrfach berichtet, hat die Stadt ihr Siedlungsvorhaben unter dem Eindruck der massiven Proteste bereits auf etwa ein Drittel der ursprünglichen reduziert. Nachdem der Projektentwickler Insolvenz angemeldet hat, übernahm die Stadt die Realisierung. Sie hat selbst daran ein elementares Interesse, weil ihr große Teile der zur Besiedlung vorgesehenen Restfläche gehören.

Bei der Bürgerinitiative „Rettet Fürberg“ ist man jedoch überzeugt, dass angesichts der großen Neubauprojekte an der Heilstättenstraße und im Grundig-Park kaum Bedarf an zusätzlichen Eigenheimen besteht. Sorge bereitet nicht nur die Veränderung der überschaubaren Siedlungsstruktur, sondern auch der zusätzliche Verkehr. Hiobsbotschaften wie der Abbau von Arbeitsplätzen bei Siemens nähren zudem die Annahme, dass der ohnehin in Fürth schon hohe Anteil der Pendler noch weiter zunehmen wird. 

VON VOLKER DITTMAR

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