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Allein oder in der WG — wie lebt es sich im Alter?

Eine Leserin regt an, Wohngemeinschaften zu gründen — Ex-Kreisbaumeister will Studenten für das Thema begeistern - 19.09.2012 09:00 Uhr

Im Film „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ gründen fünf Senioren eine Wohngemeinschaft. Kann das auch jenseits der Kinoleinwand als Vorbild dienen?

Im Film „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ gründen fünf Senioren eine Wohngemeinschaft. Kann das auch jenseits der Kinoleinwand als Vorbild dienen? © Pandora Filmverleih


Wenn zwei Menschen im reifen Alter beschließen, sich ein Haus zu teilen, kann man schon von einem Wagnis sprechen. „Da muss man sich zuvor erst mal beschnuppern“, sagt eine ältere Frau aus dem Landkreis. Weil sie weiß, dass viele Senioren allein in großen Häusern leben, hat sie sich an die FN gewandt. Sie glaubt, dass etliche bereit wären, eine Mitbewohnerin oder einen Mitbewohner aufzunehmen. Man müsse diese Menschen lediglich zusammenbringen. Was fehlt, wäre also eine Art Vermittlungsbüro, aber wer kann das leisten?

Das Seniorenbüro der Stadt Fürth? Elke Übelacker ist skeptisch: Sie spricht zwar von einem interessanten Gedanken, denn natürlich gebe es genügend Menschen, denen das Eigenheim im Alter zur Last werde. Allerdings sieht sie praktische Probleme: „Fürs Zusammenleben muss die Chemie einfach stimmen“, sagt die Seniorenbeauftragte.

Viele ältere Menschen seien aber nicht mehr flexibel genug, um sich auf eine Wohnform einzulassen, die einer Studenten-WG ähnelt. „Am besten wäre wohl, man hätte zwei Bäder und im Idealfall noch zwei Küchen“, glaubt sie. Es mag Wohnhäuser geben, die dem entsprechen, aber „in der klassischen Reihenhaussiedlung“, so Übelacker, sei das nicht der Fall.

Alois Schuster vom Zirndorfer Seniorenrat hat ebenfalls Vorbehalte. Zwar findet er die Vorstellung sympathisch, dass sich zwei „Gleichgesinnte“ ein großes Haus teilen und sich gegenseitig unterstützen, aber er gibt zu bedenken, dass Menschen im Alter nicht einfacher werden, dass sie Marotten haben. Immerhin findet er den Vorschlag so interessant, dass er das Thema bei einer der nächsten Sitzungen des Zirndorfer Seniorenbeirats ansprechen möchte.

Einen Schritt weiter ist man beim Freiwilligenzentrum Fürth. Dort plant Thomas Henrich eine Nachbarschaftshilfe für alte Menschen, eine Art Besuchsdienst. Ihm zufolge gibt es viele Menschen, die im Alter allein leben, vielleicht sogar vereinsamen. Unterfüttern kann er das mit Zahlen. Als Grundlage hat er 600 Fürther Innenstadtbewohnern, die über 65 Jahre alt sind und alleine leben, einen Fragebogen zukommen lassen.

Immerhin 21 Prozent antworteten. „Eine gute Quote“, sagt Henrich. Ein Drittel davon zeigte auch Interesse an dem geplanten Besuchsdienst. Weitere 16 Prozent können sich vorstellen, in einigen Jahren darauf zurückgreifen zu wollen. Die meisten Senioren gaben laut Henrich an, sie hätten gern jemanden zum Reden. Andere bräuchten den Besuchsdienst, um Einkäufe zu erledigen, zum Spazierengehen, um kleinere Alltagshilfen zu leisten oder gemeinsam auszugehen. Sind das nicht alles Dinge, die auch ein Mitbewohner leisten könnte? „Natürlich“, sagt Henrich. Er glaubt aber, dass die Hemmschwelle, einen Besuchsdienst in Anspruch zu nehmen, sicherlich geringer sei, als einen anderen Menschen bei sich aufzunehmen.

Einer, der sich mit dem Phänomen „allein im großen Haus“ beschäftigt, ist Wolfram Messow, Kreisbaumeister im Ruhestand. Messow kennt die „alten Neubaugebiete“ aus den 70er Jahren, wo nun ein oder zwei Menschen auf vielen hundert Quadratmetern wohnen. Platz, von dem man sich nicht trennen möchte, schließlich hat man ja die Möbel — und die Kinder kommen ab und an mal zu Besuch.

Ideen sind gefragt

Messow treibt dieses Thema derart um, dass er etwas bewegen möchte. Das heißt: Er will mit Nürnberger Professoren in Kontakt treten, damit diese ihre Architektur-Studenten darauf ansetzen, Lösungsmöglichkeiten zu finden. Auch Bürgermeister aus dem Landkreis hätten bereits Interesse bekundet, sagt Messow.

Wie kann man diese Wohngebiete umgestalten, ohne die alten Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben?, lautet die Frage. Umbauen, wäre eine Möglichkeit — oder zurückbauen. Und Wohngemeinschaften bilden? „Warum nicht“, sagt Messow, der aber erst einmal abwarten will, was die Arbeiten der Studenten ergeben: „Davon“, sagt der Ex-Kreisbaumeister, „verspreche ich mir viele Ideen.“ 

VON JOHANNES ALLES

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