10°C
Sonntag, 19.05. - 22:59 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Alles läuft wie geschmiert

Gärtnerplatztheater gastiert mit „Mahagonny“ im Stadttheater - 29.06.2012 10:00 Uhr

FÜRTH  - Wenn sich eine fette Watsche gegen den Kapitalismus als große Oper aufbrezelt, dann sind Bert Brecht und Kurt Weill am Werk: Ihr „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ gab beim Gastspiel des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz im Stadttheater allerdings vor allem Weills vielschichtiger Musik die Ehre.

Marianne Larsen (von rechts), Holger Ohlmann und Cornel Frey mit Frack und Zylinder beim Abgesang auf eine dekadente Gesellschaft.
Marianne Larsen (von rechts), Holger Ohlmann und Cornel Frey mit Frack und Zylinder beim Abgesang auf eine dekadente Gesellschaft.
Foto: Martin Bartmann
Marianne Larsen (von rechts), Holger Ohlmann und Cornel Frey mit Frack und Zylinder beim Abgesang auf eine dekadente Gesellschaft.
Marianne Larsen (von rechts), Holger Ohlmann und Cornel Frey mit Frack und Zylinder beim Abgesang auf eine dekadente Gesellschaft.
Foto: Martin Bartmann

Da bislang noch keine Nachrichten von Shopping-Boykotten in Fürth oder von spontanen Schmähreden gegen den schnöden Mammon durchgedrungen sind, hat dieser Opernabend im Sinne von Bert Brecht wohl seinen Zweck verfehlt. Wollte der große Dramatiker nicht, dass wir angesichts seiner Werke aufstehen und die Gesellschaft verändern? 1930 jedenfalls löste die Uraufführung von „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ den wohl größten Theaterskandal in der Weimarer Republik aus. Faszinierend frisch wirkt Brechts Libretto bis heute: Eine Gesellschaft, die dem Geld die Alleinherrschaft andient und nur noch Spaß haben will, wird alles verlieren, was recht und billig ist.


Regisseur Thomas Schulte-Michels verzichtet allerdings komplett darauf, allzu offensichtliche Parallelen heraufzubeschwören. Kein Schielen also auf Finanzkrise und Ellenbogen-Gesellschaft 2012, sondern eine absolut stringente Konzentration auf Kurt Weills Musik, die einen weiten Bogen schlägt und einen überschäumenden Formenreichtum in der Partitur vereinigt. Dieses Konzept gelingt zum einen dank Andreas Kowalewitz, der das Gärtnerplatz-Orchester ausgezeichnet im Griff hat. Locker und gelöst klingt das, nach Spaß an den anspielungsreichen Herausforderungen, die Weill den Musikern stellt. Zum anderen entfalten zum Beispiel Wolfgang Schwaninger (Jim Mahoney) oder Heike Susanne Daum (Jenny Hill) eine begeisternde Präsenz. Kompliment auch an den großen Chor, der auf jeden Fall zu den Pluspunkten des Abends zählt.

Die deutliche Absage an Brechts episches Theater lässt dennoch eine Lücke, in der Thomas Schulte-Michels nicht mit irgendwelchen Regie-Einfällen stört. Stattdessen setzt er schlicht auf eine Art Nummern-Revue, was diese Oper freilich auch hergibt. Mit sanfter Hand ist die ein oder andere Provokation aus dem Haus Brecht/Weill dabei geglättet worden. Gelungen ist dennoch die sinnvolle Straffung auf rund zweieinhalb Stunden Spielzeit. Und so läuft die Geschichte der Stadt Mahagonny, deren Leitspruch heißt „Du darfst“, wie geschmiert.

Ziemlich brav ist die Bühnengestaltung, die ebenfalls von Schulte-Michels stammt. Seine Idee, kleine und große Stühle als wandelbare Versatzstücke einzusetzen, zählt längst zum Repertoire. Ein Hauch von Biedermeier zieht sich auch durch die Gesten und Beschäftigungen, denen das Ensemble nachgeht: Wird das Fressen besungen, klopft man sich auf dicke Bäuche. Geht’s um den Sex, sind ein paar dezent vulgäre Gesten an der Reihe. Am Gärtnerplatz hat man seine Hausaufgaben gemacht und ein Brecht-Zitat ausgegraben, das diesem Spiel um die endlose Freiheit den Segen erteilt. Der große Meister selbst schrieb nämlich einst: „Ist Mahagonny ein Erlebnis? Es ist ein Erlebnis. Denn Mahagonny ist ein Spaß.“ In diesem Sinne: Ziel erreicht. 

SABINE REMPE


Ihr Kommentar

Name:
 
 Bitte beachten Sie unsere Netiquette.
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.


Themen am Wochenende

Aktueller Zeitungstitel Fürther Nachrichten
  • Verdruss ohne Ende: Peter Abspacher erklärt, warum das G8 in Bayern nie ganz akzeptiert wurde
  • Der Einsiedler von Bad Abbach: Michael Kasperowitsch hat einen Eremiten besucht
  • Dichter, Revolutionär, Egomane: Eine Sonderseite zum 200. Geburtstag von Richard Wagner
Grillplätze in der Region
Grillplätze
Karte zum Öffnen anklicken
Nachrichten aus der Region
Alle Regionen

17:00 Uhr:

flirt.nbi
Baustellen in der Region
Karte zum Öffnen anklicken

Brightcove Video Lokal Regional

Sägenhaft. Stadttheater Fürth

Augenblick mal - Der Fürth Blog

Kultig, manchmal ein bisschen eigen, auf jeden Fall aber liebenswert: So ist Fürth, und so sind die Fürther. Facetten der kleinen Großstadt mit Herz beleuchtet dieser Blog.

Moststraße
Täglich frisch aus der Lokalredaktion, die Kolumne der Fürther Nachrichten. Schmunzeln Sie mit.

Aktuelle Gewinnspiele
Aktuelle Gewinnspiele
Lese-Tipps im Mai:
Wir verlosen Bücher.

Konzert-Highlights im Mai:
Wir verlosen Tickets.

Festivals in der Region:
Wir verlosen Tickets.

User-Kommentare
Suche wird durchgeführt...

Fußball in der Region
Fußball in der Region
Spielberichte, Statistiken und Hintergründe von der Regionalliga bis zur B-Klasse. Umfassend, aktuell und kompetent.
Infografik: Der Fürther Stadtrat
Infografik: Der Fürther Stadtrat (zum Öffnen anklicken)

Glabsders naa
Jede Woche greifen wir in den Fürther Landkreis-Nachrichten Witziges, Ärgerliches und Kurioses auf.

Fußballtippspiel
Suche wird durchgeführt...