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Kälte? Welche Kälte? Ganz gleich, wie viele Minusgrade das Thermometer vor der Haustür auch anzeigte, im Stadtmuseum Fürth Ludwig Erhard kletterte die gefühlte Temperatur unvermittelt auf „herzerwärmend“. Es ging um Fürth. Und weil der Blick des Zugereisten meist eine Spur unverstellter ausfällt als die Ansichten der Eingeborenen, waren die Amerikanerin Nicole King und der Franzose Frederic Ridou gefragt — zwei Neu-Fürther, die sich als aufrichtige Fans dieser Stadt entpuppten.
Der Fürther als solcher sieht sich für gewöhnlich ja nicht mit einem Übermaß an Komplimenten überschüttet. Vertrauter sind ihm vermutlich Kommentare wie der des Schriftstellers Horst Krüger, der 1972 notierte, es sei alles „total vergammelt“ hier. Eine Wertung, die Alexander Jungkunz, stellvertretender Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten und Moderator des Gesprächs, zu Beginn zitierte.
Doch, bestätigte Nicole King, die vor sieben Jahren nach Fürth zog, ihr erster Eindruck sei auch nicht eben enthusiasmierend gewesen: „Aber seither hat sich so viel getan, Fürth sieht heute wie eine andere Stadt aus“, lobte die gelernte Verkehrsplanerin aus Miami, die mittlerweile das Columbia Bakery Café in der Königstraße eröffnet hat.
Auch Frederic Ridou, der als Fachmann für erneuerbare Energien bei SAFT arbeitet, gestand: „Ich habe sehr schlimme Dinge über Fürth gehört, bevor ich im vergangenen August hierher kam.“ Als er dann tatsächlich von der Stadtgrenze aus in die City fuhr, habe er die Vorurteile zunächst bestätigt gesehen, doch dann habe sich sein Eindruck nach und nach gewandelt. Heute gibt es „explizit nichts“, was ihm nicht gefällt. Doch der 37-Jährige ist sich sicher: „Fürth leidet unter seinem schlechten Ruf.“ Dabei gebe es so viel, was für ihn unbedingt lobenswert ist. „Man findet hier ein sehr bürgerliches Dekor, aber ohne die übliche bürgerliche Meinung“, heißt so ein Pluspunkt, den Ridou ausgemacht hat. Es sei auch kein Problem, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. „Die Leute hier sind locker, Fürth ist eine Stadt mit offenen Armen“, bestätigt King, die ihre Besucher zunächst gerne zu einem Drei-Stunden-Rundgang mitnimmt. Sie fühle sich hier „sehr aufgehoben“. Staunen muss sie allerdings noch immer über eine Bemerkung, die sie hörte, bevor sie hierher zog: „Da hat jemand gefragt, was wir in Fürth wollen, da würden doch die ganzen Ausländer wohnen.“
Beide Talk-Gäste gaben im Gespräch mit Jungkunz zu, dass der Ruf Fürths bislang nicht in ihre jeweilige Heimat vorgedrungen ist. „Die deutsche Kultur zieht Amerikaner generell nicht so an“, erklärte Nicole King. Man erwarte, auf Ingenieure und Technik zu treffen, nicht auf Lebenskunst und Kultur. Eine Lanze brachen die beiden übrigens fürs Einkaufen in der Kleeblattstadt: „Man findet hier sehr schöne Sachen“, versicherte der Franzose und verwies, wie auch King, auf kleine Läden, die Handwerkliches bieten.
„Beinahe schwindelig“ sei ihm, bekannte Moderator Jungkunz nach so viel Lob. Auch Martin Schramm, seit 2010 Hausherr im Stadtmuseum, stimmte der Talk-Runde zu, wunderte sich aber: „Ich bin aus der Fränkischen Schweiz nach Fürth gezogen und hatte heute manchmal das Gefühl, von viel weiter weg zu kommen als die beiden Gesprächspartner.“ Frederic Ridou brachte das wohlige Fürth-Gefühl, das dieser Abend vermittelte, auf eine griffige Formel: „Fürth hat etwas Warmes, man wohnt hier nicht nur, man kann hier leben.“
„Abend-Kultur im Stadtmuseum“: Nächster Termin am 1. März (Rainer Wenzel, „Schrecken und Wunder des Alltags“), 19 Uhr, Ottostraße 2.



