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Allianz gegen Zwangsräumungen

Sozialdienst der Stadt kooperiert erfolgreich mit Wohnungsbaugesellschaften - 29.06.2012 22:00 Uhr

Wenn ein Mieter Probleme hat, urplötzlich seine Miete nicht mehr zahlt, dann rückt der Sozialdienst der Stadt aus — und sucht nach Lösungen, um das Möbelpacken zu vermeiden.

Wenn ein Mieter Probleme hat, urplötzlich seine Miete nicht mehr zahlt, dann rückt der Sozialdienst der Stadt aus — und sucht nach Lösungen, um das Möbelpacken zu vermeiden. © colourbox.com


Herr G. ist gewissermaßen beispielhaft. Mehrere Monate hatte er seine Miete nicht gezahlt – und erhielt folgerichtig die fristlose Kündigung. Allerdings wollte die Genossenschaft, bei der Herr G. eine Wohnung hatte, den Mieter eigentlich ganz gern behalten, denn zuvor hatte es nie Probleme mit ihm gegeben.

Also suchte der Sozialdienst der Stadt Fürth Herrn G. auf. Es stellte sich heraus, dass dieser wegen einer Firmeninsolvenz seinen Job verloren hatte. Jetzt arbeitete er auf 400-Euro-Basis und kam mit dem Geld nicht mehr über die Runden. Der Mitarbeiter vom Sozialdienst erstellte mit dem Mann einen Haushaltsplan, half ihm dabei, Arbeitslosengeld II zu beantragen, wodurch die Mietzahlungen wieder gesichert waren. Die bereits aufgelaufenen Schulden für Miete und Strom konnte er durch ein Darlehen bezahlen, das er über das Jobcenter aufnahm. Dieses Darlehen zahlt er nun monatlich von seinem Arbeitslosengeld ab.

Seit zwei Jahren nun arbeitet die Stadt Fürth mit fünf Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften zusammen. In dieser Zeit hatte der Sozialdienst rund 70 Fälle wie Herrn G. zu betreuen. Beim Großteil, sagt der Sozialpädagoge Mario-Christian Schmidt, sei es gelungen, die fristlose Kündigung und damit auch die Zwangsräumung abzuwenden. Das bringt doppelten Nutzen: Die Menschen landen nicht auf der Straße, die Vermieter haben weiter einen Mieter und müssen nicht die hohen Kosten einer Zwangsräumung aufbringen.

Weil sich die Zusammenarbeit in der zweijährigen Pilotphase bewährt hat, haben die Kooperationspartner nun eine vorerst auf drei weitere Jahre befristete Zusammenarbeit vereinbart – und einen neuen Partner ins Boot geholt: die Wohnungsbaugenossenschaft Fürth-Oberasbach. Bereits an Bord sind die WBG der Stadt Fürth, die König-Ludwig-Stiftung, das Siedlungswerk Nürnberg, das Evangelische Siedlungswerk Bayern und die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Volkswohl. Insgesamt werden damit 6064 Wohnungen abgedeckt, was nach Angaben der Stadt 14 Prozent aller Mietswohnungen in Fürth entspricht.

Fürths Sozialreferentin Elisabeth Reichert spricht neudeutsch von einer klassischen „Win-Win-Situation“. Oder anders ausgedrückt: Bei dieser Form der Zusammenarbeit gibt es ihr zufolge ausschließlich Gewinner.

  

JOHANNES ALLES

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