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Amazonaserde könnte Frankens Landwirtschaft verändern

Terra Preta ist äußerst fruchtbar und bindet CO2 - Auch in Fürth erhältlich - 30.04.2011 10:00 Uhr

Der Amazonas lässt grüßen: Sitki Kurhan neben einem Haufen dampfender, schwarzer Erde, die nach seinen Worten wahre Wunderdinge bewirken soll.

Der Amazonas lässt grüßen: Sitki Kurhan neben einem Haufen dampfender, schwarzer Erde, die nach seinen Worten wahre Wunderdinge bewirken soll. © Günter Distler


Theoretisch müsste Sitki Kurhan neben einem Haufen Mist stehen, der vor acht Wochen auf dem Feld in Unterfürberg abgeladen wurde. Tatsächlich blickt er aber auf einen riesigen Hügel dampfender, schwarzer Erde. „Im Inneren hat es 60 Grad“, sagt der Unternehmer, für den das Geschäft mit dem schwarzen Gold gerade erst begonnen hat. Mit dem Agraringenieur Willibald Dressel hat er im November vergangenen Jahres die Firma Terra Magica gegründet und handelt seitdem mit Erde.

Was banal klingt, ist die letzte Phase eines Forschungsprozesses, der in den 1990er Jahren begann. Wissenschaftler der Universität Bayreuth fanden heraus, wie Amazonasindianer, die bereits vor 2000 Jahren in großen Städten lebten, ihr Volk ernähren konnten. In tieferen Erdschichten wurde die schwarze Erde entdeckt, die im Gegensatz zu dem üblichen Boden des Amazonasgebiets äußerst nährstoffreich war. Prof. Bruno Glaser, mittlerweile an der Universität Halle-Wittenberg tätig, bewies außerdem, dass Terra Preta — portugiesisch für schwarze Erde — von den Indianern selbst hergestellt wurde.

Während ihrer Forschungsarbeiten gelang es verschiedenen Wissenschaftlern, eine ähnliche Erde zu produzieren. Indem sie der Biomasse Kohlenstoff und weitere Mikroorganismen hinzufügten, entstand binnen weniger Wochen ein äußerst humusreicher Boden. An der besten Mischung wird indes noch gefeilt.

Daran beteiligt sich nun auch die Firma aus Fürth. Geschäftsführer Kurhan hat zusammen mit seinem Partner Dressel eine Zusammensetzung gefunden, aus der eine „extrem fruchtbare Erde“ entsteht, die für jede Pflanzenart geeignet sei, wie Kurhan sagt. Neben der Biomasse, die aus tierischen Nebenprodukten, verrottendem Laub, aber auch Küchenabfällen bestehen kann, ist Kohlenstoff die wichtigste Beigabe. Dieser wird als Abfallprodukt aus einer Pyrolyseanlage gewonnen.

Während dort das Holz zur Wärme- und Stromerzeugung lediglich verkohlt, nicht aber verbrannt wird, entsteht der Holzkohlestaub als Abfallprodukt. „In der Erde speichert dieser Kohlenstoff Nährstoffe und Energie wie ein Akku“, sagt der Unternehmer.

„Nie wieder düngen“

Zusätzlich werde die Biomasse mit Mikroorganismen und Gesteinsmehl versetzt. „Die Erde bindet CO2 und Wasser, gleichzeitig braucht man nie wieder zu düngen, da der Humus so nährstoffreich ist“, schwärmt Kurhan. Für chemische Düngemittel, die dem Grundwasser schaden, gebe es dann keine Verwendung mehr. „Bereits nach einer Woche zieht die Biomasse zahlreiche Regenwürmer an, die den Kompost in nährstoffreichen Humus verwandeln“, so Kurhan. Tatsächlich wimmelt es nur so von Kriechtieren, wenn man einen Blick unter die Erde wirft. Sogar ihre Eier hätten die Insekten bereits in die schwarze Erde gelegt.

Die Zusammenarbeit mit den Regenwürmern droht allerdings am bayerischen Wasserrecht zu scheitern. „Wenn man mehr als 3000 Tonnen Kompost pro Jahr behandelt, muss unter der Biomasse eine Bodenplatte errichtet werden“, sagt der Umweltschutz-Fachmann des Fürther Ordnungsamts, Jürgen Tölk. Das aber würde verhindern, dass die Regenwürmer in den Kompost gelangen. „Natürlich wissen wir, dass die schwarze Erde nicht umweltgefährdend ist“, sagt Tölk. Trotzdem sei er an die Gesetze gebunden.

Für Terra Magica ist das ein Problem, schließlich wollte man pro Jahr 10000 bis 20000 Tonnen der Erde produzieren. In einem Forschungsprojekt mit der Hochschule Triesdorf soll nun jeglicher Zweifel zerstreut werden. Dort steht Prof. Wilhelm Pyka der Erforschung der Terra Preta positiv gegenüber. „Die Grundidee ist interessant“, sagt der Spezialist für Boden- und Grundwassertechnik auf FN-Anfrage „Die Frage wird sein, ob durch organische Verbindungen schädliche Stoffe entstehen, die dann in den Boden gelangen könnten“, so Pyka. Auch Bachelor- oder Masterarbeiten seien auf diesem Gebiet denkbar.

Bis alle Fragen geklärt sind, wird Kurhan vorerst in kleinem Stil produzieren. Ausprobieren kann man das mutmaßliche Wundermittel trotzdem: Egal ob Hobbygärtner oder Landwirt, auf dem Hof in der Unterfürberger Straße 115 gibt es die Erde bereits. 

KATHARINA TONTSCH

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