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Angler an der Bibert klagen über "Enteignung"

Zaun zum Schutz der Wasserfassung behindert Zugang zum Unterlauf des Flusses - 13.12.2017 06:00 Uhr

Bis zur Rednitz verläuft der Zaun entlang der Bibert. Stein des Anstoßes: Nur zwei Schlüssel will die infra dem Verein mit über 800 Mitgliedern zugestehen. © Foto: Thomas Scherer


Gerade mal zwei Sicherheitsschlüssel für das Zauntor hat ihnen die infra zugestanden. Viel zu wenig, wie Vereinschef Udo Hummer im Hinblick auf die Masse der Vereinsmitglieder meint. Sauer ist er aber auch auf das Fürther Landratsamt, das der infra als Grundeigentümer die Baugenehmigung erteilt hat, ohne vorher die Angler zu informieren. Gegen die Entscheidung des Landratsamtes klagt der Verein nun beim Verwaltungsgericht in Ansbach. Begründet wird dieser Schritt mit dem materiellen Schaden, der durch das Absperren verursacht werde.

Der Zaun markiert die Grenze der Fürther Trinkwasserfassung. Er wurde gezogen, um das Gelände vor Hundekot zu schützen, der immer wieder für großen Ärger gesorgt hatte. Schilder, die auf die Gefahren von Hundekot in den für Tierfutter genutzten Wiesen aufmerksam machten, erwiesen sich als wirkungslos, zumal die grob von Bibert, Rednitz und Rothenburger Straße umgrenzte Wiese in den vergangenen Jahren immer mehr Zulauf von Hundehaltern aus dem Ballungsraum gefunden hat.

Ein Großteil der Wiese kann nach wie vor noch für den Hundeauslauf genutzt werden, denn für eine weiträumigere Absperrung gibt die sogenannte Wasserschutzgebietsverordnung Rednitzgrund keine Rechtsgrundlage her. Vor Jahren schon wurde das gegenüberliegende Ufer der Bibert mit Rücksicht auf die Brunnenfassung abgezäunt. Die Sportangler haben das hingenommen, weil sie von der Hundewiese aus noch ans Wasser konnten. Rund 500 Vereinsmitglieder besuchten laut Hummer in den vergangenen Jahren diesen 830 Meter langen Flussabschnitt, leisteten Gewässerdienste und besetzten ihn nach ökologischen Vorgaben mit Fischen. 14 verschiedene Fischarten wurden 2012 bei einer Artenschutzprüfung im Unterlauf der Bibert ermittelt, darunter etliche bedrohte Arten.

Schon 1956 hat der Verein das Wasserrecht an der unteren Bibert erworben. Das einzige Recht, das losgelöst von Grund und Boden ist, wie Rechtsberater Wilhelm Baier von der Fischereiberatung des Bezirks Mittelfranken erläutert. Wird dieses Recht behindert, müsse es entschädigt oder die Behinderung aufgehoben werden. Einen Fall wie den an der Bibert habe er noch nicht erlebt.

Höchstes Gut

Für Rudolf Hoffmann, Technischer Leiter der infra, ist der Fall hingegen klar: "Wasserschutz geht vor Privatrecht." Es handle sich um das höchste Gut. Eine Ansicht, in der sich Hoffmann durch das Landratsamt bestätigt sieht. Der Interessenskonflikt an der Bibert überrascht ihn nicht. "Den gibt es in jedem Wasserschutzgebiet", sagt der infra-Sprecher und verweist auf das Tauziehen um einen Ausbau des Biberttal-Radwegs.

Die infra habe keine Wahl gehabt, sagt Hofmann. Sie musste den Zaun errichten, weil alle Schilder ignoriert wurden. Über die Zahl der Schlüssel könne man reden. Auf zwei mehr oder weniger kommt es Hoffmann nicht an. Nur 800 wären zu viel. Die infra wolle vor allem sichergehen, dass keine vereinsfremden Angler in die Sperrzone gelangen. Und es gehe ihr um Klarheit, wer in Streitfällen zur Verantwortung gezogen werden kann.

Die Herausgabe der Schlüssel hatte die infra an eine spezielle Schulung geknüpft. Zudem sollten die Angler mit infra-Jacken gekennzeichnet sein. Als dann auch noch Gebühren für das Betreten der Sperrzone ins Gespräch kamen, brach der Verein die Verhandlung ab. Hummer: "Wir können kein Exklusivrecht für 2,5 Promille unserer Mitglieder vergeben."

Keine Verletzung der Sorgfaltspflicht lässt sich indes das Landratsamt vorwerfen. Wie Jörg Döhler, für Oberasbach zuständiger Bereichsleiter der Bauabteilung, auf Anfrage der Fürther Nachrichten erklärt, sei das Erteilen der Baugenehmigung keine Ermessensentscheidung gewesen, sondern zwingende Notwendigkeit. Und eine Pflicht zur Information der Angler sehe das Gesetz nicht vor. Nur die unmittelbaren Nachbarn müssten verständigt werden. 

Volker Dittmar

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