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Luise Kinseher ist eine wie keine? Ach was. Die Frau ist eine wie viele. Zu behaupten, dass diese Übermutter der Vielseitigkeit lediglich in verschiedene Rollen schlüpft, trifft es nicht. Die 43-Jährige okkupiert ihre Figuren nämlich mit einer derart umfassenden Perfektion, dass die Zuschauer ihr ohne den geringsten Argwohn durch das weibliche Panoptikum folgen, das sie auf die Bühne stellt.
Sie lässt herzige, grantige und knauserige Mitschwestern auftreten, keifende, zickige und abgeklärte. Vor allem aber — und das macht einen Abend mit Luise so unbezahlbar — erlaubt sie einen Blick in Hirn und Herz der Mädels. Schneller als man eine dieser russischen Matroschka-Holzpuppen auseinanderbasteln kann, zaubert die Frau ein neues Alter Ego hervor. Und jedes Mal passen Stimme, Bewegungen, Blicke, Meinungen peinlich genau.
Die Kabarettistin und Schauspielerin hielt im vergangenen Jahr als erste Frau eine — grandiose — Fastenpredigt auf dem Nockherberg, im März soll sie dort wieder als klarsichtige Bavaria antreten. Bekanntwurde Kinseher unter anderem auch als resolute Revierleiterin in der TV-Serie „München 7“ im Ersten, die ebenfalls ab März fortgesetzt wird.
In die ausverkaufte Comödie hat sie ihr Programm „Einfach reich“ mitgebracht und das dreht sich ebenso schlicht wie mitreißend ausschließlich um den Mammon. Wer hätte nicht geahnt, dass dieses Thema abendfüllend ist? Beeindruckend kurz ist dagegen ihre Analyse der Bankenkrise: „Unser Wohlstand basiert auf Geld, das es nicht gibt.“ Wer jetzt hektisch danach suche, benehme sich in etwa so sinnvoll wie einer, der durch Berlin läuft und verzweifelt nach den Alpen Ausschau hält.
Persönlich hat Luise bereits einen Ausweg aus dem ewigen Geifern nach Barem im Visier: Sie verzichtet auf das ganze überflüssige Gedöns und Gedings und zieht auf eine Alm. Da braucht sie dann bloß eine Kuh für ihre entspannende Muh-Meditation. Und die Espresso-Maschine für den Fall, dass George Clooney vorbei schaut.
Klarer Fall — die Frau hat vernünftige Pläne. Reizend, dass sie ihre Zuschauer sogar an ihren unschlagbaren Survival-Strategien teilhaben lässt. Unbedingt merken: Falls in Fürth im Zuge der garantiert bald drohenden Apokalypse ein Alligator zuschnappt, schnell dem Tier aufs Maul hauen. Dann lässt es sein Opfer sausen.
Und das ist halt das Feine an einem Abend mit Luise Kinseher. Man lernt was fürs Leben. Manchmal sogar direkt aus dem Publikum. Von dort kam nämlich auf Kinsehers Frage, ob man denn überhaupt Angst vor dem möglicherweise anstehenden Weltuntergang habe, die prompte Antwort: „Wenn man verheiratet ist, nicht.“ Die Stimme des Rufers war übrigens männlich.
Jetzt sage noch einer, ein Abend mit der Kinseher mache nicht reich?



