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Auf Rentieren durch Lappland

Lebenshilfe und Bühne Erholung 27 bieten Theaterworkshops an - 22.05.2015 11:00 Uhr

Aus anfänglicher Schüchternheit wird ungezwungene Vertrautheit: Die Workshops der Erholung-27-Jugendgruppe wnden sich an Menschen mit und ohne Behinderung. Für die Zukunft ist ein eigenes Theaterstück geplant. © Brigitte Riemann


Raumschiff kaputt? Macht nichts. Die Crew steigt kurzerhand auf einen Traktor um und düst mit ihm weiter durchs Weltall. Zwei Sandkörner in der Wüste sinnieren über ihre Zukunft. Drei Rentier-Reiter traben auf der Suche nach etwas Essbarem durch die ewige Weite Lapplands und führen dabei hochphilosophische Gespräche. Wo sonst als im Theater ist so etwas möglich?

An diesem Samstagnachmittag sind die 15 Männer und Frauen mit und ohne Behinderung voller Feuereifer bei der Sache. Der inklusive Theaterworkshop der Offenen Hilfen Fürth in der Karolinenstraße geht bereits in die zweite Runde: „Der erste war so erfolgreich, dass wir fünf zusätzliche Anmeldungen für den nächsten hatten, das ist eine tolle Sache“, erzählt Sebastian Mahler von den Offenen Hilfen begeistert. Er organisiert dort das Freizeit- und Bildungsangebot.

Theaterspielen war schon immer ein großer Wunsch der Teilnehmer. Der Auftritt des traditionsreichen Fürther Amateur-Theaterensembles beim 25-jährigen Jubiläum der Offenen Hilfen im vergangenen Jahr führte dazu, dass man einander näher kennenlernte. Erholung-27-Theaterpädagogin Susanne Lauterbach und ihre Tochter Chiara waren sofort begeistert. Die angehende Kinderkrankenschwester Chiara hat bereits Erfahrung im Theaterspiel mit Menschen mit Behinderung. Bei einem Auslandsaufenthalt in Indien hat sie einen Kurs für gehandicapte Kinder geleitet. Seit Anfang 2015 findet jetzt jeden Monat zusammen mit der Jugendgruppe des Theatervereins ein inklusiver Workshop statt.

Ungezwungener Zugang

Die neuen Teilnehmer sind anfangs noch etwas schüchtern; doch die Lauterbachs schaffen es mit ihrer ungezwungenen Art, sie mitzureißen. „Ich gehe immer ganz offen auf die Teilnehmer zu, nehme jeden, wie er ist und versuche, mich in ihn hineinzufühlen“, erklärt Susanne Lauterbach, und Chiara fügt hinzu: „Jeder kann hier so sein, wie er will. Es ist toll, zu sehen, mit wie viel Spaß alle dabei sind und wie sich jeder einbringt.“

Spiel und Stimmung werden während der Impro-Theaterübungen immer ausgelassener. Manche wagen in dem geschützten Rahmen auch mal Dinge, die sie sich sonst nicht trauen würden. „Im Theater könnt ihr alles spielen, was ihr euch ausdenkt, probiert es aus, macht einfach mit!“, fordert Susanne Lauterbach — und Helga überwindet sich: „Na gut, ich versuch’ es.“ Sie klatscht bei einer Rhythmusübung mit, obwohl sie vorhin noch sagte, sie könne das nicht. Und siehe da, nach ein paar Runden schafft sie es, den Takt zu halten.

Das selbstverständliche Miteinander der Teilnehmer, egal ob mit oder ohne Behinderung, begeistert Workshop-Initiator Mahler: „Jeder hier ist etwas Besonderes und bringt sich mit seinen Fähigkeiten und Gedanken ein. Das ist so interessant und spannend zu beobachten, was dabei entsteht!“ An diesem Nachmittag sind es viele lustige und fantasievolle Spielszenen — bis hin zu existenziellen Dialogen darüber, warum man mühsam in Lappland Nahrung sucht und nicht einfach nach Deutschland oder Italien geht. Jörgs Antwort: „Weil wir da nur fett und faul werden!“

Die Zusammenarbeit der Offenen Hilfen und der Bühne Erholung 27 soll weitergehen. Für das (interne) Sommerfest der Bühne Erholung 27 ist der erste Auftritt geplant, und im Herbst soll eine feste inklusive Theatergruppe gegründet werden, die sich regelmäßig trifft und eigene Stücke auf die Bühne bringen will. 

BRIGITTE RIEMANN

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