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In der Schwüle des amerikanischen Südens, wo die Uhren bekanntlich ein wenig anders tick(t)en, wird Helen Keller 1880 gesund geboren. Durch eine Hirnhautentzündung verliert sie im Alter von 19 Monaten Gehör und Augenlicht. Was tun mit dem verzweifelten, zu blinden Wutausbrüchen neigenden Kleinkind, das in stummer Dunkelheit gefangen ist? Nach langem Hin und Her entscheiden sich die Eltern für eine Privatlehrerin aus dem elitären Norden. Annie Sullivan wird mit Handkuss begrüßt, gleichwohl bleiben die Eltern misstrauisch: So jung, selbst blind und mit radikalen Erziehungsideen ...Wo sich die Familie mit ihrem Kaspar Hauser doch so schön arrangiert hat: Zickt das „kleine Äffchen“, gibt es Schokolade.
Lehrerin Annie indes weiß: Nur wenn sie das Mädchen vom Mitleid der Familie isoliert, hat es eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Was schließlich auch funktioniert: Durch Berührung, über ein Fingeralphabet, das ihr auf die Handfläche buchstabiert wird, nimmt die Pädagogin Kontakt zu dem behinderten, gleichwohl hochintelligenten Kind auf und feiert erste kleine Erfolge. Worte als Augen, Sprache als Schlüssel zur Welt. Doch die Eltern gewähren der Lehrerin gerade mal zwei Wochen allein mit Helen im Gartenhaus...
Soweit die autobiographische Geschichte, die man jedoch gut und gerne auch voll Bewunderung bei Wikipedia nachlesen kann und fertig. Zumal das eigentliche Ende der wie gesagt wahren Geschichte auf der Bühne nur angedeutet wird: Aus dem hilflosen kleinen Tyrannen wird eine erfolgreiche, weltweit geachtete Schriftstellerin.
Laia Sanmartin löst die schwierige Rolle der kindlichen Helen tänzerisch. Im Dauer-Krampf heult, tobt, schmollt und zickt die zierliche Spanierin und macht die ohnmächtige Hilflosigkeit des kleinen Mädchens greifbar. TV-Mimin Birge Schade — gerade erst wurde auf der Berlinale der neue Film von Hans-Christian Schmid „Was bleibt“, in dem sie mitwirkt, vorgestellt – spielt die Lehrerin hölzern und mit Hang zum Overacting. Der Rest der Besetzung agiert solide, tritt jedoch leider nicht aus seinen Nebenrollen heraus.
Leider trägt das Konfliktpotenzial zwischen Lehrerin und Schülerin, aber auch zwischen Lehrerin und Eltern nicht auf abendfüllender Distanz. Vor allem fehlt dieser doch recht rustikalen Inszenierung von Anfang an der Schwung. Dass einem das Zurückholen ins Leben und in die Gesellschaft nicht als Wunder verkauft wird, das mal eben schnell nebenher passiert, ehrt Stückautor und Regie. In der Praxis sieht das dann aber leider so aus, dass da minutenlang auf der Bühne um ein einzelnes Wort gerungen wird und das Publikum zusieht wie beim Einreiten eines wilden Pferdes – ein mühsames, kraftraubendes Experiment am lebenden Objekt, das jedoch nicht weiter berührt.
Regisseur Volker Hesse hat das Tempo völlig zurückgeschraubt, zu Gunsten von schönen Bildern (Ausstattung: Stephan Mannteuffel) und einer möglichst wahrheitsgetreuen Darstellung. Nur bleibt bei einer derart hauchdünnen Geschichte ohne Dramatik und ohne Spannungsbogen fast nichts mehr übrig.
Wahrscheinlich liegt’s wirklich am Stoff. „Licht im Dunkel“ (1959) war als breitenwirksames Broadway-Stück wichtig für seine Zeit. In einer Epoche, in der man Behinderte gerne im Keller versteckte oder in irgendwelche Heime abschob, berührte das autobiographische Schicksal des blinden und tauben Mädchens generationsübergreifend.
Im Jahr 2012 ist die Botschaft angekommen: Längst gibt es breitenwirksame Förderprogramme, gibt es blinde Maler und taube Musiker, Bildhauer ohne Arme und Bergsteiger ohne Beine — Erfolgsgeschichten, für die das 1962 mit großem Erfolg verfilmte Drama gekämpft und vielleicht auch Türen geöffnet hat. So bleibt am Ende nur die Botschaft, dass ein unbeugsamer Wille Berge versetzen kann. Freundlicher Premierenapplaus nach zwei ereignisarmen Stunden.
„Licht im Dunkel“: weitere Termine am 25./26. Februar und 28./29./30./31. März, jeweils 19.30 Uhr. Karten (11–28 Euro) unter Tel. 9742400 oder an der Abendkasse.



