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Ausstellung: Die letzten Tage der alten Cadolzburg

Eine neue Schau zeigt die Veste vor ihrer Zerstörung am Kriegsende - 22.11.2017 06:00 Uhr

Oben die sanierte Cadolzburg — wie Künstler die Veste sahen, zeigt die neue Ausstellung. © Hans-Joachim Winckler


Die Cadolzburger schätzen ihre Burg neuerdings als Besuchermagneten. Die neue Ausstellung "HerrschaftsZeiten" ist nicht nur gelungen, sondern zieht auch die Menschen in Massen an. Dieser Boom existiert jedoch erst seit diesem Jahr. Zuvor war die Cadolzburg eine Ruine. Als Kinder spielten die Einheimischen zwischen den Mauerresten.

Während der NS-Zeit diente sie als Gebietsführerschule der Hitlerjugend. Bis heute kommen ältere Gäste in die Burg, die hier einmal an einem Lehrgang der Nazis zur Ertüchtigung der Jugendleiter teilgenommen haben. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges hatten sich deutsche Truppen und Angehörige des SS-Heimatschutzes in der Burg verschanzt. Wer genau für die Zerstörung verantwortlich war, ist bis heute umstritten. In jenen letzten Tagen des Dritten Reiches zogen Amerikaner, die nach Nürnberg wollten, an der Burg vorbei. Es kam zu Feuergefechten. Anschließend stand die Burg lichterloh in Flammen. Im Ort selbst erzählt man sich, das letzte Aufgebot in der Burg hätte die Amerikaner ohne Not angegriffen.

Jedenfalls dauerte der Großbrand viele Tage, und was von der alten Hohenzollernburg übrig blieb, war erschreckend wenig. Jahrzehnte war sie danach den Witterungseinflüssen schutzlos ausgeliefert. Drei Fotos zeigen die zerstörte Burg. Erst ab 1979 begann der teure Wiederaufbau.

Heute gilt die Burg selbst in ihrer zeitgemäßen Erscheinungsform als eine der Hauptattraktionen des Museums: "Eindrucksvolle Mauern des 13. Jahrhunderts, Erker und Gewölberäume des 15. Jahrhunderts, ein ganzer Trakt ohne Zwischendecken und –wände als Zeugnis des 20. Jahrhunderts zeigen im Zusammenspiel die anschauliche Geschichte dieser mächtigen Fürstenburg", so steht es auf den Seiten der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Beim Wiederaufbau ging es nicht exakt darum, die alte historische Echtheit wieder herzustellen. "Man vermisst einiges an Fenstern und Giebeln, an gestalterischen Elementen und selbst der Haupteingang wurde verlegt", berichtet Museumsleiterin Uta Piereth mit Hinweis auf eine Lithografie von 1834, die diese Details aufweist. Die ausgestellten Aquarelle zeigen in vielen Facetten eine andere Cadolzburg als das Ergebnis des Wiederaufbaus: "Die Burg hatte mehr Fenster und Erker", weist Piereth auf pragmatische Veränderungen beim Wiederaufbau hin. Der frühere Eingang, eine schmale steile Treppe, die baulichen und Brandschutz-Richtlinien der Moderne nicht entspricht, wurde durch ebenerdige Tür ersetzt.

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Die kleine, aber aufschlussreiche und in ihren Details äußerst spannende Sonderausstellung "Heile Welt" zeigt anhand von Originalgraphiken aus dem Bestand der Bayerischen Schlösserverwaltung und Fotografien die Cadolzburg vor ihrer Zerstörung. Dabei hat die Burg viele Stadien durchgemacht. Im 13. Jahrhundert verlegten die Hohenzollern ihren Herrschaftsschwerpunkt in Franken von Nürnberg auf die Cadolzburg. Wertvolle Schnitzereien in einzelnen Räumen, auf Schwarz-Weiß-Fotos der Ausstellung zu sehen, vermitteln ein Bild von der hochwertigen Ausstattung.

Romantisches Burgenbild

Wie die Räume allerdings einmal möbliert waren, erfährt man auch hier nicht. Von den Hohenzollern wurde die Cadolzburg bis 1791 als gelegentlicher Wohnsitz genutzt. Dann ging sie an den preußischen Zweig des Geschlechtes. Seit 1806 gehört Cadolzburg zu Bayern, die Burg diente danach als Amtssitz und Landgericht.

So sahen Künstler die Veste Cadolzburg. © Repro: Bayerische Schlösserverwaltung


Ganz trauen kann man den festgehaltenen Bilddokumenten aus dem 19. Jahrhundert nicht: So sind Menschen vor der Burg in mittelalterlicher Tracht gemalt – Teil eines typisch romantischen Burgenbildes, das damals gepflegt wurde.

"Die Zeugnisse zeigen nicht unbedingt ein historisch korrektes Bild der Cadolzburg. Man muss immer bedenken, dass die Wahrnehmung des Künstlers und vielleicht auch dessen Absichten eine Rolle spielen", erklärt Piereth anhand von einigen unstimmigen und unterschiedlichen Details. Andere Einzelheiten wie ein oft auf den Bildzeugnissen zu sehendes Engelsfigürchen am Kapellentrakt sind verschwunden. Diese Ausstellung wird Historikern und Freunden der Cadolzburg viele Entdeckungen ermöglichen. Sie kann im Rahmen der Dauerausstellung bis 28. Januar ohne weitere Kosten besichtigt werden. Führungen sind nach Vereinbarung möglich. 

PETER BUDIG

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