Mittwoch, 21.11.2018

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Bahn frei: Fürther Lokschuppen wird gerettet

P & P-Chef Peter will das denkmalgeschützte Gebäude nach langem Trauerspiel sanieren - 14.11.2016 06:00 Uhr

Nicht nur der Lokschuppen, auch die dazugehörige kleine Schmiede (rechts) hat wieder eine Zukunft. © Foto: Hans Winckler


Das Wetter passt so gar nicht zu der guten Nachricht. Es nieselt, ein kalter Wind treibt braune Blätter vor sich her. Da wirkt der ohnehin marode Lokschuppen gleich noch ein bisschen trostloser. In ein paar Jahren soll sich dieses Bild ins Gegenteil verkehrt haben. Wenn die Fürther Firma P & P die langgezogene Brachfläche zwischen Jakobinenstraße und Stadtgrenze zu einem neuen Gewerbepark entwickelt, bekommt auch das Baudenkmal aus dem Jahr 1860 endlich eine Zukunft: Der vermutlich älteste erhaltene Lokschuppen in ganz Deutschland wird saniert.

Um das der Öffentlichkeit mitzuteilen, hat die Stadt vor Ort zum Pressegespräch geladen. Oberbürgermeister Thomas Jung, P & P-Chef Michael Peter und Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz haben sich im Schatten des verfallenden Gebäudes versammelt. Die ehemalige Eigentümerin, die frühere Bahntochter Aurelis, hatte sich geweigert, Geld für die Instandsetzung auszugeben. Neueigentümer P & P will nun einen anderen Weg einschlagen und das alte Gebäude erhalten. Damit enden auch alle gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Firmenchef Michael Peter stellt "zeitnah" Maßnahmen in Aussicht, um das Relikt abzusichern. Möglicherweise verzichte man aber darauf und beginne gleich mit der Sanierung. Während sein Unternehmen auf dem Areal entlang der Bahngleise, das größer ist als fünf Fußballfelder, Büros, Forschungsstätten und Studentenwohnungen bauen möchte, will er sich der Rettung des Lokschuppens nach eigenen Worten als Privatmann widmen.

Ideen habe er bereits einige – zum Beispiel einen Ort für Veranstaltungen. Wenn in unmittelbarer Nachbarschaft in einigen Jahren rund 2000 Menschen arbeiten werden, könne er sich auch eine dauerhafte gastronomische Nutzung vorstellen. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege hatte er erst vor zwei Wochen einen Vor-Ort-Termin, um die Pläne abzustimmen.

Bei Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz rennt Peter offene Türen ein. Ein Museum sei an dieser Stelle ohnehin nicht realisierbar. Die Hauptsache sei doch, das Gebäude bleibe erhalten und werde obendrein für die Öffentlichkeit zugänglich. Jungkunz räumt in Sachen Lokschuppen gern ein, die Früchte der Arbeit ihrer beiden Amtsvorgänger zu ernten. Jetzt träumt sie bereits von touristischen Führungen: von der Hornschuchpromenade, wo einst die Trasse der Ludwigsbahn verlief, hin zu dem historischen Schaustück.

Rathauschef Jung pflichtet bei: Einen Bundesligisten hätten viele Städte, aber neben Fürth könne sich nur Nürnberg mit der ersten deutschen Eisenbahn schmücken. Für Touristen sei das in der Kleeblattstadt noch viel zu wenig greifbar.

Erschlossen wird das Areal über die Gebhardtstraße. Mitte 2017 will P & P die Baugenehmigungen in der Tasche haben, 2018 soll es losgehen, 2019 könnten erste Gebäude stehen. Laut Jung wird ein Fahrradweg durch das Gelände führen, der die Freiheit mit der Stadtgrenze verbindet. Überlegt wird zudem, den neuen Gewerbepark per Fußweg mit dem U-Bahn-Halt Stadtgrenze zu verbinden – fast unmittelbar dahinter stehen der Lokschuppen und die kleine Schmiede. Auch sie bleibt erhalten, verspricht Peter. 

JOHANNES ALLES

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