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Freitag, 20.07.2018

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Ballett Forum Franken lädt ein zum "Fest der Besten"

Gala mit früheren Teilnehmern der "Goldener Schuh"-Wettbewerbe im Stadttheater Fürth - 11.07.2018 19:10 Uhr

Am Sonntag mit dabei: Christoph Schedler, hier 2004 beim Training für den "Goldenen Schuh", ist aktuell Tänzer am Koblenzer Theater. © Mark Johnston


Zuverlässig werden Klassentreffen erst gegen zwei Uhr früh interessant, wenn nach dem vierten Bier die Fassaden der Perfektion fallen und der irrsinnig erfolgreiche Kardiologe bekennt, dass seine Ehe am Abgrund steht. Das "Fest der Besten" am Sonntag aber ist — ja, was eigentlich? Irgendwie ein Klassentreffen und irgendwie doch nicht. Doch das hier könnte es werden: ein großes Vergnügen. Aber schon ab 15 Uhr. Und: Blendwerk gilt nicht.

Dieses Fest zu organisieren, erforderte die Nervenstärke eines Klassentreffen-Organisators, der gleich zehn Zusammenkünfte zu stemmen hat. Zehn Mal nämlich leitete BFF-Chefin Julia Vitez bislang die Ballett-Talentbiennale "Der Goldene Schuh", im Frühjahr war 20-Jahr-Jubiläum. Und da heuer auch die Stadt, mit einer Null mehr, in Feierlaune ist, ließ sie bei Vitez anfragen, ob man nicht Jubiläums-Doppelpass spielen könnte — eine Veranstaltung mehr im "200 Jahre eigenständig"-Eventkalender, Zuschüsse und eine Dosis PR im Gegenzug. Vitez schlug ein, bald war die Idee für einen Nachmittag geboren, "wie ich ihn noch nie gemacht habe". So lautete die Frage: Was ist aus jenen jungen Damen und Herren geworden, die einst beim "Goldenen Schuh" mitmachten? Zwischen zehn und 15 Jahre jung waren sie. Damals.

Eine abenteuerliche Recherche begann, erleichtert immerhin durch die Segnungen der Sozialen Netzwerke. "Ich habe nach über 120 Leuten gesucht", so Vitez. In 80 Fällen gelang es, sie wieder aufzuspüren, allen Adresswechseln und neuen Nachnamen zum Trotz. Den BFF-Machern standen die Münder offen. Natürlich stießen sie nicht auf 80 Ballett-Enthusiasten im sanft fortgeschrittenen Alter, "dennoch hat uns gefreut, wie viele in künstlerischen Berufen geblieben sind". Einige leben heute als Ärztin am Ende der Republik, viele sind Mutter geworden, nur wenige haben sich vom Thema Ballett oder Kunst vollständig abgemeldet. "Wir haben alle 80 angeschrieben, aber keine einzige Absage nach dem Motto ,Interessiert mich nicht‘ erhalten."

18 Damen und Herren werden am Sonntag im Stadttheater antreten — das Ergebnis wird ein so munterer wie origineller Abend sein, denn mitnichten kramen sämtliche 18 nochmals ihre Spitzenschuhe hervor. Die Spielräume sind jetzt deutlich größer. Zwischen klassisch und Contemporary ist, wie Vitez auf Grundlage der eingesandten Videos und Manuskripte verrät, einiges vertreten, aber auch Performances soll es geben.

Und was ist nicht alles aus ihnen geworden. Janine Engelhardt etwa, Gewinnerin des ersten Wettbewerbs 1998, leitet inzwischen eine eigene Ballettschule in Herzogenaurach und schaut mit Schülerinnen vorbei, ebenso Rebecca Mayer, Finalistin 2002 und 2006, die als Ballettpädagogin in Bonn arbeitet. Stela Elena Stankovic, die 2008 dabei war, kommt aus Paris, wo sie als Tänzerin arbeitet, Christoph Schedler (2004) aus Koblenz, an dessen Theater er aktuell engagiert ist. Aus Regensburg und Leipzig reisen sie an, aus Aachen und Berlin — wie etwa Sara Magenta Schneyer. Sie war Finalistin 2004 und zeigt am Sonntag mit zwei Rossini- und Puccini-Arien, was sie aktuell macht: Operngesang.

Mit Hilfe von Soroptimist Fürth, dem hiesigen Ableger des Frauen-Service-Netzwerks, finden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Dach überm Kopf. Der Reinerlös des Abends geht an die Soroptimist-Aktion "Kultur für alle!", die in Altersarmut lebenden Mitmenschen Theatergutscheine ermöglicht.

"Das Fest der Besten": 15. Juli, 15 Uhr, Stadttheater. Karten in der FN-Geschäftsstelle (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77) und an der Theaterkasse. 

Matthias Boll

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