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Beherzter Sprung über die Geschlechtergrenzen

Mädchen bei der Feuerwehr und Jungs im Hort: Girls’ und Boys’ Day soll mit überholten Berufsklischees aufräumen - 27.04.2013 10:00 Uhr

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Boys und Girls Day 2013

Was werden wenn man groß ist? Der Boys und Girls Day soll Mädchen und Jungs auf dem Weg ins Berufsleben unterstützen. Ob Polizistin, Feuerwehrfrau, Metzger oder Erzieher, die Jugendlichen konnten auch in geschlechtsuntypischen Berufen Erfahrungen sammeln.


Hier ist Fingerspitzengefühl gefordert. „Wir arbeiten mit Hochpräzision“, sagt Alexander Staudigel. Der 20-Jährige ist bei Bruder Spielwaren in Burgfarrnbach im Formenbau beschäftigt. Geduldig erklärt er den Mädchen, die sich über technische Berufe informieren möchten, wie mit CNC-Fräsmaschinen Formeinsätze hergestellt werden, die später zusammengesetzt und – fast wie eine Backform – dazu genutzt werden, die präzisen Kunststoffteile für die Spielfahrzeuge zu gießen. 22 Auszubildende gibt es derzeit bei Bruder, darunter auch eine erfolgreiche Verfahrensmechanikerin in spe. Ein möglicher Beruf, für den sich Martina spontan noch nicht begeistern kann. „Technik ist bis jetzt nicht mein Ding“, gibt die 14-Jährige offen zu.

Im Hort Flughafenbande sieht die Sache etwas anders aus. „Neue Männer braucht der Hort – Servus Männer der Zukunft“ heißt hier das Motto des Tages und so wie es ausschaut, könnte etwas daraus werden. Tim (15) aus der Hans-Böckler-Schule steht mit Tommy (14) und Jens (14) aus der Gustav-Schickedanz-Schule am Küchentisch und schnippelt Obst. Die drei Jungs können sich sehr gut vorstellen, wie Stefan Schroll (25) Erzieher zu werden. „Die Beschäftigung mit Kindern gefällt mir“, sagt Tim. „Ich freu’ mich, wenn die sich freuen, weil man was mit ihnen unternimmt.“

Schroll kann dem nur zustimmen. Für ihn hat sich seine Berufswahl als perfekt entpuppt. Dass er meist der einzige Mann inmitten vieler Kolleginnen ist, hat sich nie als Problem herausgestellt. „Eher im Gegenteil, es gibt oft nette Kommentare“, sagt er und lacht gut gelaunt.

Bei der Berufsfeuerwehr am Helmplatz trauen sich derweil mutige Mädchen hoch hinaus. Furchtlos steigen sie in den Korb des Drehleiterfahrzeugs und riskieren aus 30 Metern Höhe einen Blick auf Fürth. Zuvor zog jede Teilnehmerin eine Arbeitsmontur inklusive Helm über: „Fühlt sich ungewohnt an, aber irgendwie gut“, kommentiert Jaqueline das Outfit. Hat sie schon Berufspläne? „Irgendwas mit Kindern würde mir gefallen“, überlegt die 13-Jährige.

Im Turnsaal des Eichamts geht es weiter mit einem Feuerwehr-Fitness-Check, der es in sich hat. Absolviert werden muss unter anderem eine Art von verschärftem Zirkeltraining („Nach jeder Übung in die Mitte laufen und im 90-Grad-Winkel zur nächsten Aufgabe rennen“). Berufsfeuerwehrmänner – eine Frau gibt es in Fürth nicht – müssen durchtrainiert sein. Zugführer Helmut Eckstein, der am Girls’ Day die 17 Besucherinnen informierte, macht klar: „Die nötigen sportlichen Voraussetzungen sind für Frauen und Männer gleich.“

Das ist bei der Polizei nicht anders. Melissa Meisner (31) gehört zum Unterstützungskommando (USK) und sagt: „Man muss Sport mögen für diese Aufgabe.“ Einmal im Jahr wird unter anderem getestet, ob man 3000 Meter in weniger als 14 Minuten laufen, sechs Klimmzüge machen und beim Bankdrücken 70 Prozent seines Körpergewichts stemmen kann.

An ihrem Beruf, erklärt Meisner, gefällt ihr auch, dass er so abwechslungsreich ist: „Kein Tag ist wie der andere.“ Ausführlich zeigt sie den 37 Mädchen, die am Girls’ Day in der Kapellenstraße von Einstellungsberaterin Simone Heinebrodt betreut werden, ihre Ausrüstung – und klärt mit einem verbreiteten Irrtum auf: „Der Dienst-Overall ist nicht schwarz, sondern hat ein sehr dunkles Blau.“ Eine Farbe, die sich erstaunlich poetisch „Paris blue“ nennt.

Einblick in die Polizeiarbeit: USK-Frau Melissa Meisner lässt Natalie Helm und Weste anprobieren. © Rempe




Beim REWE-Markt in der Kaiserstraße tragen Nico (15) und Dustin (15) aus der Leopold-Ullstein-Realschule Ungewohntes. Die beiden wurden von Marktleiterin Gisela Zweck mit korrektem Hemd und Schürze eingekleidet: „Das ist auch aus Hygienegründen wichtig.“ Die Jungs durften sich umschauen und sind erstaunt: „Alles wird getrennt voneinander gelagert. Für Obst, Fleisch, Fisch und so weiter gibt es eigene Kühlhäuser.“ Doch, ihren Einsatz am Boys’ Day, der zum zweiten Mal in Fürth ausgerichtet wurde, finden sie spannend. Auch wenn sie in Sachen Traumberuf schon längst ganz eigene Ideen haben. Nico verrät: „Ich will später unbedingt zur Feuerwehr gehen.“ 

Sabine Rempe

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